Sexismus-Debatte vor Wahl in Baden-Württemberg: Hagel räumt Fehler ein
Sexismus-Vorwürfe gegen CDU-Spitzenkandidat Hagel vor Wahl

Sexismus-Vorwürfe erschüttern Wahlkampf in Baden-Württemberg

Kurz vor der entscheidenden Landtagswahl am 8. März in Baden-Württemberg ist eine politische Debatte über sexistische Äußerungen entbrannt. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe hat dem CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel kritische Aussagen aus einem sieben Jahre alten Fernsehinterview vorgeworfen.

Älteres Interview sorgt für aktuelle Kontroverse

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht ein Gespräch, das Hagel 2018 als frischgebackener Generalsekretär der baden-württembergischen CDU für das Format „Auf ein Bier mit …“ bei Regio TV gab. Bei der Aufzeichnung in einem Ulmer Gasthaus berichtete der Politiker von einem Schulbesuch im Alb-Donau-Kreis.

Hagel schilderte damals eine Realschulklasse, die zu 80 Prozent aus Mädchen bestand, und kommentierte: „Also da gibt es für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“ Besonders ins Gewicht fiel seine Beschreibung einer Schülerin namens Eva mit „braunen Haaren, rehbraunen Augen“, deren Aussehen er detailliert schilderte, obwohl eigentlich ihre politische Frage im Mittelpunkt stehen sollte.

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Grünen-Politikerin stellt kritische Fragen

Zoe Mayer, die nach eigenen Angaben in ihrer Jugend sexualisierte Grenzüberschreitungen und Belästigungen erlebte, schnitt Ausschnitte aus dem Hagel-Interview in ein eigenes Video und veröffentlichte dieses im Internet. Die Politikerin erhielt das Material nach eigenen Angaben zugeschickt, nachdem sie auf ihren Social-Media-Kanälen über entsprechende Erfahrungen gesprochen hatte.

In ihrem Beitrag stellt Mayer mehrere grundsätzliche Fragen zur politischen Kultur:

  • „Würde eine weibliche Politikerin genauso über ein Klassenzimmer sprechen, in dem 80 Prozent Jungen sitzen?“
  • „Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?“
  • „Warum muss es um das Aussehen dieses minderjährigen Mädchens gehen, wenn doch eigentlich ihre Frage im Mittelpunkt steht?“

Hagels Reaktion: Selbstkritik und Wahlkampfvorwurf

Manuel Hagel reagierte prompt auf die Vorwürfe und zeigte sich selbstkritisch, warf Mayer aber gleichzeitig taktisches Timing vor. „Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist“, erklärte der CDU-Spitzenkandidat auf Anfrage. „Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen.“

Gleichzeitig kritisierte Hagel den Zeitpunkt der Veröffentlichung: „Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt zwölf Tage vor der Landtagswahl sieben Jahre zu spät.“ Damit deutete er an, dass es sich bei der Thematisierung um einen gezielten Wahlkampfmanöver handeln könnte.

Die Debatte wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit historischen Äußerungen von Politikern auf und zeigt, wie vergangene Interviews im digitalen Zeitalter Jahre später wieder relevant werden können. Besonders brisant ist der Vorfall wegen der zeitlichen Nähe zur Landtagswahl, bei der die CDU unter Hagels Führung antritt.

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