SPD-Chef Stoch zieht Konsequenzen aus historischem Wahldebakel im Südwesten
Nach dem sich abzeichnenden historisch schlechten Wahlergebnis für die SPD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat Landespartei- und Fraktionschef Andreas Stoch seinen Rücktritt angekündigt. Der 56-jährige Politiker trat vor seinen Anhängern in Stuttgart auf und erklärte, Konsequenzen aus dem deutlichen Stimmenverlust ziehen zu wollen.
Dramatischer Stimmenverlust bei der Landtagswahl
Die ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF zeigen ein verheerendes Bild für die Sozialdemokraten: Der Stimmenanteil der SPD hat sich im Vergleich zur Landtagswahl 2021 quasi halbiert und liegt nun bei lediglich 5,5 beziehungsweise 5,4 Prozent. Bei der letzten Wahl waren es noch 11,0 Prozent gewesen. Dieser Absturz stellt ein historisches Tief für die Partei im Südwesten dar.
Umfragen hatten zwar bereits Monate vor der Wahl auf ein schlechtes Abschneiden der Partei hingedeutet, doch ein Absturz in diesem Ausmaß war nicht erwartet worden. Der rückläufige Trend hatte die SPD in Baden-Württemberg bereits seit Jahrzehnten in mehr oder weniger großem Umfang geprägt.
Stochs politische Laufbahn und gescheiterte Ambitionen
Andreas Stoch, der aus Heidenheim stammende Rechtsanwalt und Vater von vier Kindern, hatte seine Partei bereits zum zweiten Mal in eine Landtagswahl geführt. In der grün-roten Koalition von 2013 bis 2016 amtierte er als Kultusminister von Baden-Württemberg. Seit 2016 leitete er die SPD-Landtagsfraktion, und zwei Jahre später wählten ihn die Genossen auch zum Landesparteivorsitzenden.
Der ehemalige Kultusminister hatte eigentlich das Ziel, seine Partei nach zehn Jahren Opposition wieder in die Regierung zu führen. Diese Ambitionen wurden jedoch durch das Wahlergebnis zunichte gemacht.
Gescheiterter Wahlkampf und kontroverse TV-Sequenz
Im Wahlkampf hatte Stoch unter anderem mit dem Slogan „Weil es um dich geht!“ geworben, konnte die Partei damit aber offensichtlich nicht aus ihrem Stimmentief holen. Für zusätzliche negative Aufmerksamkeit sorgte eine TV-Sequenz des SWR, die den SPD-Spitzenkandidaten nach einem Tafel-Besuch beim Planen eines Feinkost-Einkaufs zeigt.
In dem Film äußerte Stoch: „Eine schöne Entenpastete ist was Herrliches“, und fügte hinzu, dass man diese hierzulande nicht in der gleichen Qualität und zu dem Preis wie in Frankreich bekomme. Diese Äußerung wurde in Internet-Kommentaren kritisch aufgenommen, insbesondere weil sie vom SPD-Spitzenkandidaten stammte.
Historischer Kontext und ungewisse Zukunft
Der dramatische Stimmenverlust der SPD in Baden-Württemberg setzt einen langfristigen Trend fort. Nur im Jahr 2001 hatten die Sozialdemokraten unter Spitzenkandidatin Ute Vogt noch einmal zugelegt. Davor hatte die Partei zuletzt 1972 Stimmenzuwächse bei einer Landtagswahl im Südwesten verbuchen können.
Wer Andreas Stoch als Landespartei- und Fraktionschef nachfolgen könnte, ist derzeit völlig ungewiss. Die SPD steht vor der Herausforderung, sich nach diesem historischen Wahldebakel neu aufzustellen und wieder Anschluss an die Wählerschaft im Südwesten zu finden.



