SPD-Krisengipfel in Berlin: Vier Bürgermeister aus Bayern geben Erfolgsrezepte
Die Sozialdemokraten suchen nach einem Neuanfang in der Krise. Am heutigen Freitag trafen sich die SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas (57) und Lars Klingbeil (48) mit Vertretern aus der Kommunalpolitik und den Ländern in Berlin. Der Plan laut Bas: „Darüber zu reden, ob wir beide auf dem richtigen Weg sind.“ In diesem Zusammenhang sprechen nun vier Bürgermeister der SPD in Bayern, die am Sonntag ihre Wahlen gegen den Negativ-Trend der Partei gewonnen haben. Sie erklären, wie Erfolg funktioniert und was bei den Genossen schief läuft.
Fürth: Politik für Arbeitnehmer priorisieren
Thomas Jung (64, SPD) verteidigte das Amt des Oberbürgermeisters in Fürth mit beeindruckenden 72 Prozent der Stimmen. „Ich gewinne seit 30 Jahren meine Wahlen immer mit den Themen Wirtschaft und Investorenfreundlichkeit“, sagt er. Seine Partei stehe weiterhin für Gerechtigkeit – das sei richtig und „das ist nicht verschwunden“. Doch er mahnt: „Die Prioritäten haben sich verschoben. Es entstand der Eindruck, man kümmere sich stärker um diejenigen, die nicht arbeiten, als um diejenigen, die jeden Tag zur Arbeit gehen. Das war ein Fehler.“ Das will er Klingbeil und Bas auch deutlich sagen. „Es ist nie zu spät, erfolgreiche Kommunalpolitiker einzubeziehen.“
Bamberg: Verbindung zur Basis wiederherstellen
Bio-Gärtner Sebastian Niedermaier (37) wird ab 1. Mai neuer Oberbürgermeister von Bamberg. Sein Wahlkampfleiter Olaf Seifert erklärt: „Wir wollten die Wahl gewinnen – also haben wir uns nicht an die klassischen SPD-Kampagnen gehalten, sondern unseren eigenen Stil entwickelt.“ Die Schwerpunkte: Wirtschaft kombiniert mit ökologischen Themen. „Klassische sozialpolitische Themen haben wir bewusst nicht in den Vordergrund gestellt.“ In seinen Augen ist das Hauptproblem der SPD: „Die Verbindung zwischen Parteispitze in Berlin und der Basis vor Ort ist verloren gegangen. Oft hat man den Eindruck, dass gar nicht mehr wahrgenommen wird, wie die SPD draußen eigentlich gesehen wird.“ Den Krisen-Termin hält er für zu spät. „Er wirkt auf mich eher wie eine Alibi-Aktion – jetzt, wo man unter Druck steht.“
Augsburg: Infrastruktur als Schlüsselthema
Florian Freund (47) hat für die SPD die Amtsinhaberin Eva Weber (48, CSU) in Augsburg geschlagen. „Wir haben Infrastruktur angesprochen wie den öffentlichen Nahverkehr und die Verbesserung der Sauberkeit der Schultoiletten.“ Beides liege in der Stadt seit Jahren im Argen. „Mein erstes Ziel ist es, wieder einen Fünf-Minuten-Takt für die Straßenbahn einzuführen“, sagt Freund. Die Bürger müssten erleben können, dass Infrastruktur funktioniert. Bei Diskussionen im Wahlkampf fiel ihm auf: „Bürger finden die konsequente Haltung der SPD zur 40-Stunden-Woche gut. Für die Pläne bei Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer fehlte ihnen aber das Verständnis.“
Rosenheim: Vernetzung und soziale Medien nutzen
Abuzar Erdogan (32) brachte der CSU in Rosenheim eine empfindliche Niederlage bei. Nach über 60 Jahren stellt sie nicht mehr den Oberbürgermeister. „Wir haben die SPD wieder zum Leben erwecken können – auf eine Art, wie man sich das nicht vorstellen konnte“, sagt Erdogan. „Wir sind von fünf auf acht Sitze im Stadtrat gewachsen.“ Das Wichtigste im Wahlkampf für ihn: präsent sein in der Stadt. „Der vorpolitische Raum, die Wirtschaft, der Handel, der Dienstleistungssektor, da müssen wir sein.“ Und in den sozialen Medien. „Junge Menschen politisieren sich über soziale Medien“, sagt Erdogan. Bestes Beispiel: er selber. Im Wahlkampf wuchs die Zahl seiner Follower bei Instagram auf über 10.000. Die Chefs der Bayern-SPD kommen jeweils nur auf knapp über 3000.
Die vier Bürgermeister aus Bayern zeigen mit ihren Erfolgen deutlich, dass die SPD durch lokale Verankerung, klare Prioritäten und moderne Kommunikation wieder an Boden gewinnen kann. Ihre Botschaft an die Parteispitze in Berlin ist eindeutig: Hört auf die Basis und setzt auf praktische Lösungen für die Bürger.



