Verkehrsprobleme in den Dolomiten: Neue Regelungen für Grödner Joch geplant
Die malerischen Pass-Straßen in den Dolomiten ziehen jährlich tausende Touristen an, doch der massive Motorrad- und Autoverkehr führt zu erheblichen Problemen. Staus, Lärm und verstopfte Straßen belasten die Region Südtirol, insbesondere im Grödner Tal. Die Politik arbeitet nun an Lösungen, um die Balance zwischen Tourismus und Umweltschutz zu wahren.
Verkehrsberuhigte Zonen als Antwort auf den Besucheransturm
Daniel Alfreider, Mitglied der Südtiroler Landesregierung und zuständig für Mobilität und Infrastruktur, setzt sich für die Einrichtung verkehrsberuhigter Zonen ein. Diese sollen nicht nur in großen Zentren, sondern auch in sensiblen Gebieten wie den Dolomiten gelten. Alfreider hat erfolgreich beim italienischen Verkehrsministerium interveniert, um die Dolomiten in eine Liste von Schutzgebieten aufnehmen zu lassen, die bereits Tourismus-Hotspots wie die Cinque Terre und die Amalfiküste umfasst.
Die Dolomiten gehören zum UNESCO-Welterbe und benötigen besondere Schutzmaßnahmen, betont Alfreider. Obwohl das Grödner Joch nicht direkt im UNESCO-Gebiet liegt, sondern nur daran grenzt, hat die UNESCO-Stiftung schriftlich bestätigt, dass der starke Verkehr ein Problem für das gesamte Gebiet darstellt. Dies hat das Infrastrukturministerium und das Parlament überzeugt, Maßnahmen zu ergreifen.
Organisierte Fahrten und nächtliche Rennen verschärfen die Situation
Neben dem normalen Urlaubsverkehr kämpft Südtirol mit organisierten Fahrten, die das Problem zusätzlich verschärfen. Im vergangenen Sommer forderten die Bürgermeister des Grödner Tals, Tourismusvereine und Mobilitätsexperten ein Ende geführter Sportwagentouren. Diese sogenannten Drive-Events, oft von internationalen Veranstaltern durchgeführt, führen zu erhöhtem Verkehr und Lärm.
Martin Resch, Leiter des Mobilitätszentrums Gröden, plädiert für Lärmkontrollen und Sensibilisierungsmaßnahmen. Im Sommer wurden auf Pass-Straßen schärfere Kontrollen durchgeführt, mit einer Strafquote von 28 Prozent. Verstöße umfassten unter anderem Missachtung von Ampeln, Beschilderung und Halteverboten sowie zu schnelles Fahren und gefährliches Fahrverhalten.
Besonders besorgniserregend sind nächtliche Aktivitäten, bei denen die Dolomitenpässe zu illegalen Rennstrecken werden. Videoaufnahmen belegen, dass PS-starke Fahrzeuge die Serpentinen mit aufheulenden Motoren befahren, oft im Rahmen inoffizieller Wettkämpfe mit Teilnehmern aus dem Ausland.
Virtuelle Testzone als erster Schritt
Eine neue Verkehrsregelung am Grödner Joch wird jedoch nicht sofort umgesetzt. Alfreider erklärt, dass Gemeinden und Land bauliche oder technische Maßnahmen nicht in wenigen Wochen realisieren können. Stattdessen soll eine virtuelle verkehrsberuhigte Zone zu Testzwecken eingerichtet werden.
In diesem Rahmen werden Motorrad- und Autofahrer gezählt, um die Auswirkungen möglicher Maßnahmen zu analysieren. Parallel dazu wurde bereits eine Sensibilisierungskampagne gestartet, die Tagesgäste über die Verkehrssituation informiert und empfiehlt, Hauptverkehrszeiten zwischen 15 und 19 Uhr zu meiden.
Die Bemühungen zielen darauf ab, den Tourismus in den Dolomiten nachhaltig zu gestalten und das UNESCO-Welterbe für zukünftige Generationen zu bewahren. Mit diesen Schritten hofft Südtirol, die Verkehrsprobleme langfristig zu lösen und die einzigartige Landschaft zu schützen.



