Schneechaos im Süden: Verkehrslage angespannt vor mildem Wochenende
Der Winter hat in Deutschland und Österreich erneut für erhebliche Behinderungen gesorgt. Heftige Schneefälle legten am Freitag den Verkehr in der Luft und am Boden im Süden lahm, doch bereits am Wochenende kündigt sich ein deutlicher Temperaturanstieg an. Zuvor warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) jedoch noch vor Glättegefahr in der kommenden Nacht.
Nächtliche Glätte und Schneefälle halten an
Bis zum Abend lassen die Schneefälle an den Alpen nach, doch in der Nacht zum Samstag droht erneut Glätte. Vor allem in den Mittelgebirgen und im Alpenraum sind ein bis fünf Zentimeter Neuschnee ab etwa 400 bis 600 Metern Höhe möglich. In der Osthälfte Deutschlands kann auch in tieferen Lagen leichter Schneefall auftreten.
Gebietsweise rechnen Meteorologen mit gefrierendem Regen, etwa östlich einer Linie von Ostholstein über den Harz bis zur Schwäbischen Alb. „Das bedeutet wie so häufig dieser Tage Einschränkungen im Straßen- und Schienenverkehr“, erklärte DWD-Meteorologe Thorsten Kaluza. Auch für Fußgänger und Radfahrer bestehe Glättegefahr.
Wochenende bringt milde Luft und wechselhaftes Wetter
Ab Samstag setzt sich zunehmend mildere Luft durch. Während im Nordosten am Freitag noch Dauerfrost herrschte, werden am Wochenende bundesweit deutlich höhere Temperaturen erwartet. Die Höchstwerte liegen am Samstag zwischen 8 und 12 Grad, am Sonntag sind örtlich bis zu 15 Grad möglich. „Am Sonntag findet man kaum noch Maxima unter 10 Grad Plus“, so Kaluza.
Mit der milderen Luft kommt allerdings wechselhaftes Wetter: In rascher Folge ziehen Tiefausläufer mit Regen über Deutschland hinweg. Laut DWD könnten die Niederschläge regional relevant für mögliche Warnungen werden. Wo noch Schnee liegt, kann zusätzlich Schmelzwasser abfließen.
Flugchaos in München und Wien
Am Münchner Flughafen kam es erneut zu Verspätungen und Streichungen. Mittlerweile seien die Beeinträchtigungen durch das Wetter überwunden, sodass Starts und Landungen wie geplant laufen, berichtete ein Sprecher am Nachmittag. Am Donnerstag gab es 100 Annullierungen, am Freitag rund 50. Wegen besserer Wetteraussichten seien am Wochenende keine weiteren Beeinträchtigungen zu erwarten.
In Wien wurde der Flugbetrieb wegen rund 20 Zentimetern Neuschnee in der Nacht vorübergehend eingestellt. Mehr als 150 Flüge fielen aus. Gegen Mittag nahm der Airport den Betrieb wieder auf, doch Verspätungen und weitere Ausfälle sind nicht ausgeschlossen. Der Winterdienst sei seit Donnerstagabend durchgehend im Einsatz, etwa 1.000 Lastwagen-Ladungen mit insgesamt rund 15.000 Tonnen Schnee seien beseitigt worden.
Verkehrsunfälle und Einsätze in Bayern
Auf den Straßen kam es zu zahlreichen Einsätzen, vor allem in Oberbayern und Schwaben. Allein im südlichen Oberbayern gab es rund 75 Einsätze wegen Schneefalls und Glätte, berichtete ein Polizeisprecher. Häufig blieb es bei Unfällen mit Blechschäden, zwölf Menschen wurden leicht verletzt. Autos stießen gegen Leitplanken oder landeten im Graben. Schneebruch war ein weiteres Problem: Mehrere Bäume stürzten auf Straßen.
Im Norden Oberbayerns gab es in der Nacht mehr Unfälle als üblich, eine genaue Anzahl wurde nicht genannt, aber es gab keine Verletzten. In Unterfranken beruhigte sich die Lage am Donnerstagabend, bis dahin rückten Einsatzkräfte zu über 100 Einsätzen aus.
Schwerer Unfall und Lawinenvorfälle
Am späten Donnerstagabend kam es am Münchner Autobahnring zu einem schweren Unfall. Ein Familienvater fuhr von der A99 bei Aschheim auf einen Parkplatz ab, kam von der winterlichen Fahrbahn ab und prallte gegen einen geparkten Sattelzug. Das Auto schob sich unter den Auflieger des Lastwagens. Der 51-jährige Fahrer, seine 47-jährige Ehefrau und ihre zehnjährige Tochter wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.
In Tirol wurde ein Bus, der Firmenangestellte transportierte, von einer Lawine erfasst und von der Straße geschoben. Keiner der zwölf Insassen wurde verletzt. Bereits am Donnerstag war ein Münchner Autofahrer in Österreich mit einem Räumfahrzeug kollidiert und 30 Meter in steilem Gelände abgestürzt. Der 52-Jährige und seine 17-jährige Tochter wurden verletzt; obwohl Schneeketten Pflicht waren, waren beim Unfallfahrzeug keine montiert.
Stromausfälle und Bahnstörungen
In der Steiermark waren rund 30.000 Haushalte ohne Strom, nachdem viele Trafo-Stationen ausgefallen waren. Auch auf Bahnstrecken machte sich das Winterwetter bemerkbar: Auf der Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck fiel ein Baum auf die Gleise und beschädigte die Oberleitung. Züge aus München endeten deshalb vorzeitig in Garmisch-Partenkirchen.
Hohe Lawinengefahr in Wintersportregionen
In Norditalien wurde ein weiterer tödlicher Lawinenabgang gemeldet. Ein 54-Jähriger war am Donnerstagnachmittag mit einer Gruppe Deutscher auf einer Skitour in der Nähe von Saint-Nicolas im Aostatal unterwegs, als es zu dem Unglück kam. Zwei Skitourengeher wurden verschüttet, einer starb später im Krankenhaus an Unterkühlung. Angesichts ergiebiger Schneefälle ist die Lawinengefahr in vielen Wintersportregionen Europas derzeit hoch; in den vergangenen Tagen gab es auch in Österreich, Frankreich und der Schweiz mehrere tödliche Unglücke.



