Die Empörung war riesig, die Unterschriftenflut wuchs stetig an. Rund 4000 Fans der Stege im Possenhofener Erholungsgebiet „Paradies“ haben in der vergangenen Woche dafür unterschrieben, dass die maroden Holzbauten, die der Stadt München gehören, nicht abgerissen, sondern repariert werden. Vor allem an „Steg 1“ unterhalb des Sisi-Schlosses am Starnberger See, wo sich der gleichnamige Strandkiosk befindet, war der Kummer groß. Steg 1 dient als Aussichtsplattform auf dem See und zählt zu den Lieblingsausflugszielen vieler Münchnerinnen und Münchner – mit tollem Blick auf die Roseninsel und die Alpenkette.
Abrisspläne gestoppt: Private Firma hilft
Nun die gute Nachricht: Das Münchner Baureferat, das für den Unterhalt der Stege zuständig ist, hat seine Abrisspläne gestoppt. Es stimmte zu, dass eine private Holzbaufirma, die vergangene Woche spontan Hilfe anbot, die Stege kostenlos instand setzt. „Das Unternehmen Lynberg Modular Systems GmbH mit Sitz in München hat der Stadt angeboten, bis zum Beginn der Pfingstferien eine Reparatur des Stegs 1 auf eigene Kosten durchzuführen“, teilt die Stadt mit. Auch die Stege 2 und 3, die nur wenige Gehminuten südlich liegen, sollen in den nächsten drei bis vier Wochen von der Holzbaufirma repariert werden. „Damit werden dann alle drei vorhandenen Stege der Allgemeinheit voraussichtlich ab Mitte Juni wieder zur Verfügung stehen können“, schreibt die Stadt. Steg 4 ist bereits abgerissen, dort ragen nur noch die Pfähle aus dem Wasser. Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (Grüne) lässt wissen, dass die Stadt zusätzlich „einen barrierefreien Seezugang über eine neue Zugangsrampe“ plane, „daran halten wir weiter fest“.
„Wir danken allen Unterstützern“
Vor Ort war die Freude am Montag riesig. Vor allem beim Kneippverein Starnberg, der das Baureferat kritisiert hatte, weil es Reparaturarbeiten verschleppt habe – und der den Protest ins Rollen gebracht hatte, inklusive einer Petition für den Landtag. Auch dem neuen Münchner OB Dominik Krause (Grüne) hatte der Verein Fotos der Unterschriftenlisten geschickt mit der Bitte, den Abriss zu stoppen. „Wir sind sehr glücklich und danken allen Unterstützern“, sagt Vereinschef Burkhardt Schütz zur AZ, „schön, dass das Münchner Baureferat zur rechten Zeit den richtigen Weg gefunden hat.“ Auch Felix Schmitz, der Co-Betriebsleiter des Strandkiosks, ist froh. „Einfach toll, wie alle Gäste, Nachbarn, Vereine und nun auch die Privatfirma geholfen haben. Es hilft, sich für eine Sache einzusetzen, die einem am Herzen liegt, das sieht man hier.“
Das Badeparadies Possenhofen
Das 150 Hektar große „Badeparadies Possenhofen“ hat die Stadt München schon in den 1960er Jahren eröffnet – mit Liegewiesen, Bäumen, Holzstegen, Wasserwachtstation und Parkplätzen, weil in der Stadt die Freibäder zu voll geworden waren. Die aktuellen Stege sind offenbar um die 30 Jahre alt. Bei Steg 4 sei im letzten Jahr aufgefallen, dass er „nicht mehr verkehrssicher“ sei, deshalb habe man ihn abgebaut, erklärt das Baureferat. Bei den Stegen 1 bis 3 habe ein im letzten Herbst beauftragtes Gutachten erst Ende April „dringenden Handlungsbedarf“ festgestellt – worauf man die Stege gesperrt habe.
Holzbauexperte: „Es ist alles nicht so schlimm“
Lynberg-Geschäftsführer Theodor Kaczmarczyk hat das Gutachten inzwischen eingesehen – und am Montag auch Steg 1 in Possenhofen besucht. „Es ist ein wunderschöner Ort“, sagt der Holzbauexperte, und: „Es ist alles nicht so schlimm. Es muss nichts abgerissen werden. Wir müssen nur einige Pfähle verstärken und vielleicht ein paar Bretter austauschen. Das hat unser Statiker auch so bestätigt.“ Das werde etwa eine fünfstellige Summe kosten, für die die Firma Lynberg aufkomme. Die Stege 2 und 3 seien zwar in einem etwas schlechteren Zustand, „aber auch die beiden müssen wir nur ertüchtigen, nicht abreißen.“ Schon am Dienstagmorgen will die Firma einen vierköpfigen Montage-Trupp zu Steg 1 schicken. „Die Arbeiter haben dann auch Maschinen und Holz dabei“, sagt Kaczmarczyk. „Ich bin guter Dinge, dass wir das bis Pfingsten fertig bekommen.“



