Neue Wendung in der Standortdebatte
Das Archäologische Landesmuseum (ALM) in Rostock steht möglicherweise vor einem grundlegenden Kurswechsel. Statt des bisher geplanten Neubaus am Stadthafen rückt nun die Sanierung der denkmalgeschützten Societät in der August-Bebel-Straße 1 in den Fokus. Die Rostocker Bürgerschaft hat am Mittwoch, dem 22. April, mit großer Mehrheit für eine Neuausrichtung gestimmt und die Verwaltung beauftragt, die Verhandlungen mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern über diesen alternativen Standort voranzutreiben.
Hintergrund der Entscheidung
Das ALM ist ein zentrales Projekt zur wissenschaftlichen Vermittlung der Landesgeschichte. Ursprünglich war der Standort am Stadthafen Teil einer größeren städtebaulichen Vision, die Kultur- und Freizeitnutzungen am Wasser bündeln sollte. Doch die Kosten sind von ursprünglich 45 Millionen auf 85 Millionen Euro explodiert, was die Landesregierung dazu veranlasst hat, nach günstigeren Alternativen zu suchen. Finanzminister Heiko Geue (SPD) kündigte kürzlich im Landtag an, dass neben drei Hafenstandorten auch die Societät erneut geprüft werde.
Vorteile des Innenstadtstandorts
Befürworter des Standortwechsels, darunter Vertreter von Linken, SPD, CDU und Grünen, heben die Vorteile einer zentralen Lage hervor. Dazu gehören die bessere fußläufige Erreichbarkeit, die Nähe zur Universität, die Anbindung an bestehende Kultureinrichtungen und den Einzelhandel sowie eine Stärkung der Innenstadtfrequenz. Die Societät, ein sanierungsbedürftiges Gebäude, bietet zudem eine denkmalpflegerische Chance.
Prüfauftrag der Bürgerschaft
Der beschlossene Antrag verlangt eine umfassende Prüfung: Kann das ALM überhaupt in der Societät Platz finden? Unter welchen Bedingungen könnten Gebäude und Grundstück sowie die gegenüberliegende Fläche im Rosengarten an das Land übergehen? Zudem sollen die Folgen für die Stadtentwicklung untersucht werden, falls das Museum nicht am Hafen realisiert wird. Ein Änderungsantrag der Fraktionen Rostocker Bund und Freie Wähler fordert eine Klärung, wie sich städtische Verpflichtungen aus der Stadthafen-Planung – einschließlich der bisher genannten 15 Millionen Euro Beteiligung für die Landgewinnung – bei einem Standortwechsel verändern. Auch mögliche Rückabwicklungen von Förderzusagen und die Option einer gemeinsamen Betreibergesellschaft durch Land, Stadt und Universität sollen geprüft werden.
Politische Stimmen und Warnungen
In der Aussprache betonten mehrere Fraktionen, dass das ALM in Rostock gesichert werden müsse – unabhängig vom Standort. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Chris Günther erinnerte daran, dass das Land bereits 2017 gegen die Societät gestimmt habe. Noch im Oktober 2024 hatte das Land sich gegen diesen Standort ausgesprochen. Neu sei nun, so Geue im März, dass die Hansestadt das Gelände des gegenüberliegenden Rosengartens angeboten habe.
Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) unterstrich die kooperative Haltung des Landes, warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen. „Liebes Land, jetzt hilf uns mal, bevor du baust“, sagte sie mit Blick auf die jahrelange Vernachlässigung der Societät. Sie mahnte, dass ein fertig geplantes Nutzungskonzept nicht einfach in ein sanierungsbedürftiges Bestandsgebäude zu übertragen sei.
Ausblick und Entscheidungsfahrplan
Ob der Kurswechsel als Glücksfall für die Innenstadt oder als Ausverkauf der Stadthafenvision endet, bleibt abzuwarten. Die Bürgerschaft erwartet bis zum dritten Quartal 2026 einen Bericht über den Stand der Prüfungen. Finanzminister Geue kündigte bereits eine zeitnahe Entscheidung an. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Archäologische Landesmuseum tatsächlich in der Societät eine neue Heimat findet oder ob die Pläne am Stadthafen doch noch realisiert werden.



