Fasching am Bodensee: Söder wegen Größenwahn von Narren verurteilt
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) stellte sich am Donnerstag den hinterlistigen Vorwürfen eines Narren-Gerichts in Baden-Württemberg. In Stockach, nicht weit vom Bodensee entfernt, wurde der CSU-Politiker beim traditionellen "Hohen Grobgünstigen Narrengericht" am "Schmotzige Dunschtig" (schmutziger Donnerstag) als Häftling vorgeführt.
Vom Janker zum Büßerhemd
Das Setting war für den bayerischen Regierungschef ungewohnt: Statt seines charakteristischen Jankers musste Söder ein graues Büßerhemd überziehen. Anstatt wie gewohnt Anordnungen zu geben, musste er tun, was andere bestimmten. "Ich bin ein Fan von Fasching", erklärte Söder zu Beginn der Veranstaltung, bevor er an ein dickes Seil gebunden vor das Narrengericht geführt wurde.
Spöttische Anklage und humorvolle Verteidigung
Die Narrenrichter, die Söder als "durchgegenderte Bischofskonferenz in grünen Bademänteln" bezeichnete, nannten ihn "Markus Größenwahn Söder". Sie klagten ihn an, weil "die CSU zur One-Man-Show geworden ist" und Söder "die gute konservative Sache" verraten hätte.
Söder wehrte sich mit beißendem Humor: "Liebe Narren, Pharisäer und Freibiergesichter..." beteuerte er seine angebliche Bescheidenheit: "Ich bin total demütig und bescheiden. Ich habe nur ein Problem – keiner lobt mich, also muss ich es immer selbst tun."
Bayern-Humor und politische Spitzen
Der Ministerpräsident scherzte über bayerische Eigenheiten: "Ich werde oft gefragt, warum Bayern nicht unabhängig ist. Ich habe das noch nicht abschließend entschieden – dann könnte ich ja noch Bundeskanzler von Bayern werden." Mit einem Augenzwinkern warnte er die Narrenrichter: "Aufpassen, wenn Sie in die Nähe der Grenze kommen." Dahinter drohe "ein sechswöchiger Sprachkurs mit Hubert Aiwanger".
Prominente Unterstützung und schlitzohrige Strafe
Als Verteidiger trat der frühere Wirtschaftsminister Peter Altmaier (67, CDU) auf, der seinen Parteikollegen charakterisierte: "Ich habe ihn immer nur erlebt als die Freundlichkeit und Bescheidenheit in Person – jedenfalls, solange es die Hoffnung auf ein gutes Essen gab."
Die Strafe des Narrengerichts: Söder muss 150 Liter Wein an das Gericht bezahlen – die Standard-Buße in Stockach. Doch diesmal hatten sich die Narren eine besondere Zusatzstrafe ausgedacht: einen gemeinsamen Besuch auf dem Oktoberfest mit dem bayerischen Ministerpräsidenten. Über diesen schlitzohrigen Handel musste Söder herzlich lachen.
Tradition mit prominenten Gästen
Das Stockacher Narrengericht hat bereits zahlreiche Prominente vor seinen Schranken gesehen, darunter Ex-Kanzlerin Angela Merkel (71, CDU), Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (62, SPD) und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki (73). CDU-Vorsitzender Manuel Hagel (37) aus Baden-Württemberg hatte Söder überzeugt, der Einladung zu folgen.
Nur eine Woche zuvor war Söder in Bayern noch als Filmfigur "Braveheart" beim Fasching aufgetreten – nun zeigte er sich am Bodensee von einer ganz anderen, humorvollen Seite.



