Bayerns Gastronomie in der Krise: Insolvenzen explodieren um fast 50 Prozent
Die bayerische Gastronomiebranche befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Laut aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik stiegen die Insolvenzverfahren im Gastgewerbe im Jahr 2025 um dramatische 47,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt mussten 387 Betriebe Insolvenz anmelden – ein alarmierender Höchststand, der die prekäre Lage vieler Wirte und Restaurantbetreiber unterstreicht.
Bundesweiter Trend mit regionalen Unterschieden
Die Insolvenzwelle erfasst zwar ganz Deutschland, zeigt jedoch deutliche regionale Unterschiede. Eine Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform belegt, dass die Insolvenzquote in Bayern mit 55 Pleiten pro 10.000 Unternehmen vergleichsweise niedrig ist. Ähnliche Werte verzeichnen Brandenburg (55) und Thüringen (48). Die höchste Quote weist Berlin mit 130 Insolvenzen pro 10.000 Betrieben auf.
Trotz dieser vergleichsweise günstigen Position ist der absolute Anstieg in Bayern massiv. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, erklärt: "Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt." Bundesweit wurden zwischen 2020 und 2025 mehr als 11.200 Insolvenzen in der Branche gezählt.
Mehrwertsteuersenkung als letzte Rettung?
Um die angeschlagene Branche zu entlasten, wurde zu Jahresbeginn die Mehrwertsteuer für Speisen von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Bayern, bezeichnet diese Maßnahme als "letzten Rettungsring" für viele Betriebe.
Allerdings nutzen die meisten Gastronomen die Steuersenkung nicht für Preissenkungen, sondern um gestiegene Kosten auszugleichen. Der vom Datenspezialisten Meoton ermittelte Preisindex für Speisen lag Mitte Februar bei nur 99,6 im Vergleich zu 100 im Dezember. Die finanziellen Belastungen sind enorm: Seit 2022 stiegen die Arbeitskosten um 34 Prozent, die Energiekosten um 27 Prozent und die Lebensmittelpreise um 26 Prozent.
Verbraucher sparen, kleine Betriebe kämpfen
Die angespannte Wirtschaftslage führt dazu, dass viele Verbraucher bei Freizeitaktivitäten sparen. Laut einer Yougov-Umfrage halten sich 42 Prozent der Bevölkerung besonders bei Ausgaben für Restaurantbesuche, Kino, Theater und Konzerte zurück. "Die steigenden Preise in Lokalen treffen auf eine Bevölkerung, die in vielen Bereichen spart", so ein Branchenkenner.
Besonders betroffen sind kleine, inhabergeführte Betriebe. In Bayern haben 80 Prozent der Gastrobetriebe weniger als zehn Beschäftigte. "Das sind Familienunternehmen. Wer sie schwächt, gefährdet regionale Arbeitsplätze und unsere Wirtshauskultur", warnt Dehoga-Chef Geppert. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegen die Eigenkapitalquoten bei weniger als zehn Prozent, fast ein Drittel schreibt Verluste.
Ausblick bleibt düster
Experten erwarten für 2026 eine weitere Zunahme der Insolvenzen und ein weiteres Ausdünnen der Gastronomielandschaft. Vor allem in kleinen Städten und Dörfern dürfte dieser Wandel sichtbar werden. Trotz aller Bemühungen – laut Dehoga wollen 63 Prozent der Wirte die Bezahlung verbessern und 30 Prozent weitere Mitarbeiter einstellen – ist eine schnelle Erholung nicht in Sicht.
Die Gastronomie steht vor einer fundamentalen Herausforderung: Wie können traditionelle Wirtshauskultur und wirtschaftliche Rentabilität in Zeiten permanenter Krisen in Einklang gebracht werden? Die nächsten Monate werden zeigen, ob der "letzte Rettungsring" der Mehrwertsteuersenkung ausreicht, um das drohende Wirtshaussterben in Bayern aufzuhalten.



