Berlin hisst Flagge der Sinti und Roma: Senatorin sieht Diskriminierung, Kritik an Beweislage
Am Mittwoch wehte vor den Rathäusern der Berliner Bezirke die blau-grüne Flagge der Roma und Sinti mit dem charakteristischen roten Wagenrad als Ornament. Die Aktion wurde von Sozialsenatorin Cansel Kızıltepe (SPD) initiiert und sollte als Demonstration gegen Diskriminierung dienen. Die Senatorin äußerte sich deutlich: „Jeden Tag werden Rom*nja und Sinti*zze diskriminiert und ausgegrenzt. Das passiert auch in Berlin. Aber wir nehmen das nicht hin.“
Umfrage als Beleg für Diskriminierung
Zur Untermauerung ihrer Aussage berief sich Kızıltepe auf den „Berlin Monitor“ der Universität Leipzig. Laut dieser Studie hätten 25 bis 30 Prozent der Befragten „stereotypen, abwertenden und ablehnenden Aussagen bezogen auf Rom*nja und Sinti*zze“ zugestimmt. Die Senatorin verwies zudem auf die Dokumentationsstelle Antiziganismus DOSTA/MIA, die für das Jahr 2024 in Berlin insgesamt 247 gemeldete antiziganistische Vorfälle registriert habe.
Kritik an der Bewertungsmethodik
Allerdings wird die Methodik des Berlin Monitors kritisch betrachtet. Die Studie wertet bestimmte Aussagen auf spezifische Weise aus. Beispielsweise wird Personen, die der Aussage „Sinti und Roma sind besonders gute Musiker“ zustimmen, „benevolenter Antiziganismus“ unterstellt – eine wohlwollende, aber durch Verallgemeinerung diskriminierende Haltung. Kritiker bemängeln, dass solche Bewertungen die tatsächliche Diskriminierungslage möglicherweise überzeichnen.
Zudem bleiben die 247 gemeldeten Vorfälle von 2024 in der Dokumentation unkonkret beschrieben, und Zahlen für das Jahr 2025 liegen nicht vor. Dies wirft Fragen zur Validität der Behauptung auf, dass Sinti und Roma in Berlin systematisch diskriminiert würden.
Forderung nach besserer Begründung
Die demonstrative Flaggenhissung vor öffentlichen Gebäuden sollte nach Ansicht von Kritikern auf einer soliden Grundlage beruhen. Wenn die Regierung mit solchen Symbolen politische Statements setzt, muss die Beweislage für die zugrundeliegenden Behauptungen überzeugend sein. Der Vorwurf lautet, dass die aktuellen Belege nicht ausreichen, um von einer systematischen Diskriminierung in Berlin zu sprechen.
Die Debatte zeigt, wie schwierig die Erfassung und Bewertung von Diskriminierung sein kann. Während Aktivisten und die Senatorin auf wahrgenommene und dokumentierte Vorfälle verweisen, fordern Skeptiker konkretere Nachweise für die angebliche systematische Ausgrenzung der Minderheit.



