Volksbegehren 'Berlin werbefrei' setzt auf paradoxe Werbekampagne mit 4.000 Plakaten
Berlin werbefrei: Initiative nutzt 4.000 Plakate für Volksbegehren

Berliner Initiative gegen Werbung setzt auf umfangreiche Plakatkampagne

Die Bürgerinitiative "Berlin werbefrei" verfolgt ein paradox erscheinendes Vorgehen: Während sie sich für eine stärkere Regulierung von Außenwerbung einsetzt, nutzt sie selbst eine umfangreiche Plakatkampagne, um für ihr Volksbegehren zu werben. An insgesamt 2.000 Standorten in der gesamten Hauptstadt sollen 4.000 Plakate an Laternenmasten angebracht werden, wie Sprecher Fadi El-Ghazi gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte.

Paradoxe Strategie mit klarer Botschaft

"Wir machen bewusst Werbung gegen Werbung, auch wenn das vielleicht paradox klingt", erläuterte El-Ghazi die ungewöhnliche Herangehensweise. Die seit einigen Wochen laufende Aktion komme schrittweise voran, und bereits an schätzungsweise 1.200 Standorten seien Plakate angebracht worden. Dadurch werde das seit dem 9. Januar laufende Volksbegehren deutlich sichtbarer in der Stadt.

Das Ziel dieser Kampagne sei zweifach: Zum einen solle auf die laufende Unterschriftensammlung hingewiesen werden, zum anderen wolle die Initiative deutlich machen, dass sie Außenwerbung nicht grundsätzlich ablehne. "Vielmehr geht es uns um Art und Umfang dieser Werbung", betonte der Sprecher. Die Initiative strebe insbesondere ein Verbot digitaler kommerzieller Werbung im öffentlichen Raum an, etwa auf großen Werbetafeln und Monitoren.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Ambitionierte Ziele, schwierige Umsetzung

Das Volksbegehren hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum 8. Mai Unterschriften von mindestens sieben Prozent der Berliner Wahlberechtigten zu sammeln. Das entspricht derzeit etwa 174.000 Menschen. Doch die bisherige Bilanz fällt ernüchternd aus: Mit Stand vom 6. Februar waren erst 1.800 Unterschriften eingereicht worden.

Die schwierigen Witterungsbedingungen des langen und für Berliner Verhältnisse intensiven Winters machen den Sammlern ebenso zu schaffen wie den Aktivisten des parallel laufenden Volksbegehrens "Berlin autofrei". Beide Initiativen kämpfen mit den Herausforderungen der Unterschriftensammlung bei winterlichen Temperaturen.

Rechtlicher Rahmen und inhaltliche Position

Die Plakate der Initiative sollen nach Angaben des Sprechers bis zum Abschluss der Unterschriftensammlung am 8. Mai hängen bleiben. Diese Form der Werbung gilt in Berlin als Sondernutzung öffentlicher Straßen, wofür die Initiative bei den Bezirken entsprechende Genehmigungen beantragt und erhalten hat.

Laut Landeswahlamt erlauben das Berliner Straßengesetz und weitere Regelungen solche Aktionen während der Sammelphase für Volksbegehren und maximal eine Woche darüber hinaus. Auch politische Parteien könnten theoretisch im Kontext des Volksbegehrens plakatieren. Allerdings sind Beschränkungen bei Größe, Anzahl und Standorten der Plakate möglich, insbesondere "zum Schutz des Stadt- und Ortsbildes" sowie "zum Schutz von Orten von städtebaulich, denkmalpflegerisch, kulturell oder historisch herausragender überregionaler Bedeutung".

Kritik an digitaler Werbung im öffentlichen Raum

Die Bürgerinitiative begründet ihr Anliegen mit mehreren Argumenten: "Werbeanlagen sind Energiefresser, lenken im Verkehr ab, sind für einen Großteil der Lichtverschmutzung verantwortlich und stehen für die Kommerzialisierung öffentlicher Räume", hatte die Initiative zum Start des Begehrens erklärt. Besonders problematisch seien Werbemonitore mit animierten und bewegten Inhalten, die als besonders nervig empfunden würden.

Interessanterweise könnten auch die Plakate des Bündnisses selbst Verkehrsteilnehmer ablenken - ein Punkt, den die Initiatoren nicht verschweigen. Dennoch betonen sie, dass traditionelle Werbeformen wie Plakate an Geschäften, Litfaßsäulen oder Wartehäuschen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) weiterhin möglich bleiben sollen. Der Fokus liege eindeutig auf der Regulierung digitaler Werbeanlagen, die das Stadtbild zunehmend prägen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration