Berlins schlimmste Bruchbude: Drei Jahre ohne Heizung und katastrophale Zustände
Berlins schlimmste Bruchbude: Drei Jahre ohne Heizung

Berlins schlimmste Bruchbude: Drei Jahre ohne Heizung und katastrophale Zustände

In einem Eckhaus an der Frankfurter Allee 263/265 in Berlin-Lichtenberg herrschen seit Jahren unerträgliche Zustände. Die Bewohner der 40 Wohnungen müssen ohne Heizung und Warmwasser auskommen, während sich Ratten im Keller tummeln und das Dach einsturzgefährdet ist. Seit dem Tod des Eigentümers vor drei Jahren wurden keinerlei Reparaturen mehr durchgeführt, und niemand fühlt sich für das heruntergekommene Gebäude verantwortlich.

Heizen mit Radiator und Backofen

Birgit A. (65) lebt seit 18 Jahren in dem Haus und pflegt dort ihren pflegebedürftigen Bruder Andreas T. (61), dem vor Kurzem ein Bein amputiert wurde. „Seit drei Jahren ist meine Gastherme tot“, berichtet sie. Um über die Runden zu kommen, heizt sie rund um die Uhr mit einem kleinen Radiator. Für ein Bad muss sie zuvor eine Stunde lang Wasser auf dem Herd kochen. Die arbeitslose Frau zahlt für ihre 70 Quadratmeter große Wohnung 680 Euro Miete, was sie trotz der katastrophalen Bedingungen zum Bleiben zwingt.

Kellnerin Monika G. (50) heizt mit einem ungewöhnlichen Trick: „Wenn wir es warm haben wollen, mache ich den Backofen an und lasse die Tür aufstehen“, erklärt sie. Ihre Therme ist seit Mai defekt, zum Duschen geht sie zu ihrer Mutter. Aus Verzweiflung stellte sie im November die Mietzahlung komplett ein, in der Hoffnung, dass sich endlich jemand für das Haus verantwortlich fühlt – bisher ohne Erfolg.

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Verzweifelte Suche nach dem Eigentümer

Bar-Manager Alexis T. (38) kaufte sich 2008 eine Dachgeschosswohnung in dem Gebäude. „Drei Jahre lang habe ich mit Kerzen geheizt“, erinnert er sich, bevor er für 12.000 Euro eine neue Therme installierte. Der Versuch, die Wohnung zu verkaufen, scheiterte an fehlenden Eigentümerversammlungen. Die Mieter versuchen verzweifelt, die Adresse des aktuellen Hausbesitzers herauszufinden, nachdem der ursprüngliche Eigentümer Michael Sch. 2022 verstarb und seine Frau sowie ihr Sohn das Haus erbten.

Die Situation verschlechterte sich laut Alexis T. zusätzlich, seit vor fünf Jahren Flüchtlinge einzogen: „Müll stapelt sich im Hinterhof, die Haus-Zugänge lassen sich nicht mehr verschließen. Briefkästen werden aufgebrochen, tote Ratten verwesen im Keller, es gibt einen massiven Wasserschaden, das Dach ist einsturzgefährdet, Schimmel hat sich ausgebreitet, der Aufzug fährt nicht.“ An der Fassade platzt der Putz ab, und kaputte Fenster im Hausflur wurden notdürftig mit Pappe abgedichtet.

Behörden reagieren nicht

Pflegekraft Manon B. (48) meldete die Schäden ans Bauamt, doch eine Mitarbeiterin legte bei Nachfrage einfach auf. Ihre Therme ist seit Oktober 2022 defekt, zeitweise sank die Raumtemperatur auf 8 Grad. Sämtliche Beschwerden laufen über die E-Mail-Adresse des verstorbenen Eigentümers, der Sohn reagiere nicht. Manon B. vermutet: „Dieses Haus soll entmietet werden.“ Ihr Anwalt empfahl, einen Nachlasspfleger beim Amtsgericht einzuschalten.

Die meisten Mieter versuchen, eine neue Wohnung zu finden, doch die angespannte Mietsituation in Berlin mit stark gestiegenen Preisen macht dies nahezu unmöglich. Das Bezirksamt hat auf Nachfrage nicht reagiert, und die Bewohner bleiben in einer ausweglosen Situation gefangen, in der grundlegende Wohnstandards seit Jahren ignoriert werden.

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