Expo 2035: Berlins Wirtschaftssenatorin Giffey kämpft für Weltausstellung - Druck auf Bürgermeister Wegner nimmt zu
Die Debatte um eine mögliche Bewerbung für die Weltausstellung Expo 2035 in Berlin gewinnt an Schärfe. Während Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) die Hoffnung auf eine deutsche Kandidatur nicht aufgeben will, gerät Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zunehmend unter Druck von verschiedenen Seiten.
Giffey fordert Berliner Alleingang nach Brandenburg-Absage
Die ursprüngliche Idee einer gemeinsamen Bewerbung der Metropolregion Berlin-Brandenburg hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Die neue rot-schwarze Landesregierung in Potsdam misst dem Expo-Projekt keine Priorität bei. Doch Franziska Giffey will das Thema nicht zu den Akten legen: „Wenn es mit Brandenburg nicht geht, dann darf Berlin diese Zukunftschance nicht verschenken, sondern muss einen eigenen Weg gehen und jetzt noch einmal neu denken“, erklärte die Wirtschaftssenatorin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Giffey betonte die Unterstützung aus der Stadtgesellschaft: „Dafür gibt es auch in der Stadtgesellschaft und aus der Wirtschaft viele sehr engagierte Akteure, die das mit der Politik gemeinsam vorantreiben können.“ Sie verwies auf das Potenzial der Hauptstadt: „In einer Vier-Millionen-Metropole - der größten und innovativsten Stadt Deutschlands - muss es möglich sein, geeignete Orte und Konzepte für eine Expo 2035 zu finden und zu erarbeiten. Das bedeutet auch Verantwortung für die Zukunft unserer Stadt.“
Wegner unter Beschuss von SPD, Wirtschaft und Grünen
Während Giffey seit langem als überzeugte Expo-Befürworterin gilt, steht Kai Wegner in der Kritik für sein zögerliches Verhalten. Obwohl sich der Regierende Bürgermeister zuletzt zustimmend geäußert hatte, mehren sich die Stimmen, die ihm mangelnden Einsatz vorwerfen.
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach übte scharfe Kritik: „Nach seinem mehrfachen Hin und Her dachte ich zuletzt, dass er sich endlich hinter die Expo-Initiative gestellt hat. Aber seit seiner letzten Pirouette hört man nichts mehr aus dem Roten Rathaus.“ Krach, der die SPD in die Wahl zum Abgeordnetenhaus führen soll, forderte klare Führung: „Ich erwarte von einem Regierenden Bürgermeister, dass er zu seinem Wort gegenüber der Stadtgesellschaft steht und sich wirklich dahinterklemmt. Eine Weltausstellung muss doch Chefsache sein - und ich erwarte jetzt von Kai Wegner einen Lösungsvorschlag.“
Ungewöhnliche Allianz für die Expo
Die Forderungen nach einer entschlossenen Expo-Politik kommen aus unterschiedlichen politischen Lagern. Die Grünen-Fraktion unter Vorsitzender Bettina Jarasch schloss sich der Kritik an: „Genug gezaudert, Kai Wegner. Berlin muss endlich seinen Hut in den Ring werfen. Es kann nicht sein, dass Berlin eine solche Chance liegen lässt, weil dem Regierenden der Mut fehlt.“ Jarasch forderte ein „klares Bekenntnis zur Expo in Berlin“.
Auch aus der Wirtschaft kommt Unterstützung für eine Bewerbung. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), Sebastian Stietzel, hat den Senat bereits aufgefordert, die bisherige Haltung zu überdenken und für die Hauptstadt ins Rennen zu gehen.
Zeitdruck bei der Bewerbung
Die Uhr tickt für eine mögliche deutsche Bewerbung. Nach Angaben der Expo 2035 Berlin GmbH müsste die Bundesregierung noch in diesem Jahr die offizielle Bewerbung beim Bureau International des Expositions (BIE) in Paris einreichen. Die entscheidende Generalversammlung der BIE, die über den Austragungsort der Expo 2035 bestimmen wird, ist für das Jahr 2028 geplant.
Kai Wegner wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht zu den aktuellen Vorwürfen und Forderungen äußern. Die ungewöhnliche Koalition aus SPD, Grünen und Wirtschaftsvertretern erhöht jedoch den Druck auf den Regierenden Bürgermeister, eine klare Position zu beziehen und die Weichen für eine mögliche Berliner Expo-Bewerbung zu stellen.



