Historische Nachtschließung: Görlitzer Park erstmals nachts abgesperrt
Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg, der seit Jahren als Deutschlands gefährlichster Drogen-Park gilt, hat am Sonntagabend eine historische Veränderung erlebt: Erstmals in seiner Geschichte wurde das Gelände über Nacht vollständig geschlossen. Die Polizei setzte mit 200 Beamten und mobilen Flutlichtmastern die umstrittene Maßnahme durch, die Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bereits vor mehr als zwei Jahren angekündigt hatte.
Proteste und Polizeieinsatz bei der ersten Schließung
Die nächtliche Schließung des Parks, der im Winter um 22 Uhr und im Sommer um 23 Uhr abgesperrt wird, löste unmittelbar Proteste aus. Zunächst fand ein sogenannter „Kiezrundgang“ statt, dem sich eine Kundgebung mit Konzert im Park anschloss. Die Teilnehmerzahl stieg von anfänglich 90 auf etwa 180 Personen an. Von der Bühne erklang der Slogan „Der Görli bleibt auf“, während Demonstranten in Sprechchören Bürgermeister Wegner als „Lumpensohn“ und die Polizei als „Bullenschweine“ beschimpften.
Nach Ende des Konzerts zeigte sich ein gemischtes Bild: Viele Parkbesucher verließen das Gelände freiwillig, während andere Feuerwerk zündeten und Polizeibeamte bepöbelten. Die Polizei setzte auf Kommunikation und bat verbliebene Personen, den Park zu verlassen. Ein Behördensprecher betonte gegenüber Medien: „Wir setzen auf Kommunikation“ als Strategie bei der Umsetzung der neuen Regelung.
Vandalismus und erste Bilanz der Nacht
Bereits im Vorfeld der Schließung kam es zu Vandalismus-Aktionen: Unbekannte hatten Schlösser zugeklebt, ein Drehkreuz deformiert und ein Tor aus den Angeln gehoben. In einer früheren Aktion wurde sogar ein Drehkreuz entwendet und im nahegelegenen Lohmühlenkanal versenkt. Trotz dieser Vorfälle blieb die erste Nacht nach Polizeiangaben insgesamt ruhig. Am Montagmorgen hieß es von den Beamten, es habe „keine nennenswerten Vorkommnisse“ gegeben.
Die technische Umsetzung der Schließung ist aufwendig: An den Zugängen wurden Drehkreuze installiert, ein Stück des Zauns wurde mit einem massiven Kettenschloss gesichert. Der Bau des gesamten Zaunsystems kostete etwa 1,56 Millionen Euro, hinzu kommen 900.000 Euro für neue Beleuchtung. Für die Wachschützer fallen monatlich rund 60.000 Euro an Kosten an.
Politische Kontroverse und weitere Proteste angekündigt
Die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks bleibt politisch höchst umstritten. Das von den Grünen geführte Bezirksamt und die Linkspartei lehnen die Umzäunung ab und argumentieren, dass die Drogenkriminalität dadurch nur in umliegende Kieze verdrängt werde. Unter Anwohnern gibt es dagegen viele Befürworter der Maßnahme, die sich von bis zu 300 oft aggressiv auftretenden Dealern im und am Park belästigt fühlen. Diese verkaufen vor allem Marihuana, Ketamin und Crack.
Bürgermeister Wegner begründet die Schließung mit dem Ziel, den Park wieder zu einem Ort für Familien mit Kindern, Jugendliche und ältere Menschen zu machen. „Wir wollen, dass der Görlitzer Park wieder ein Ort für Familien mit Kindern, Jugendliche und ältere Menschen wird – nicht für Kriminelle“, erklärte der CDU-Politiker.
Die Proteste gegen die Park-Schließung gehen weiter: Für Montagabend sind weitere Demonstrationen angekündigt, und an einem noch nicht genannten Tag soll ein „Wütendes Treffen“ stattfinden. Dabei soll ein Feuerwerk das Signal zum Beginn von Stör-Aktionen geben. Seit Monaten mobilisieren linke und linksradikale Aktivisten für Proteste gegen die nächtliche Schließung des symbolträchtigen Berliner Parks.



