Erste nächtliche Schließung des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg
Nach jahrelangen kontroversen Diskussionen und zahlreichen Protesten ist der Görlitzer Park im Berliner Bezirk Kreuzberg erstmals nachts geschlossen worden. Diese historische Maßnahme markiert einen Wendepunkt in der langwierigen Debatte um Sicherheit und öffentlichen Raum in der Hauptstadt.
Protestaktionen unter dem Motto „Rave against the Zaun“
Am Abend der ersten Schließung versammelten sich mehrere hundert Menschen zu einer Demonstration gegen die angekündigte nächtliche Sperrung. Unter dem provokativen Motto „Rave against the Zaun“ fand im Park ein Konzert statt, bei dem die Teilnehmer ihre Ablehnung deutlich machten. Auf Transparenten waren Parolen wie „Kai Wegner lügt Dich an“ zu lesen, während Sprechchöre „Der Görli bleibt auf“ skandierten.
Redner der Protestveranstaltung kritisierten die finanziellen Aufwendungen für Eingangstore und Wachschutz, die ihrer Meinung nach besser in soziale Projekte investiert werden sollten. Eine Aktivistin kündigte zudem an, gegen die Schließungsverordnung vor Gericht zu klagen. Trotz Aufrufen zu Beschädigungen an den neu errichteten Zäunen und Toren verlief die Demonstration zunächst friedlich.
Polizeieinsatz mit 200 Beamten und kommunikativer Strategie
Die Berliner Polizei war mit einem Großaufgebot von 200 Polizisten im Park und der umliegenden Gegend präsent. Ab 22:00 Uhr standen Beamte an allen Eingängen und ließen Besucher hinaus, während niemand mehr hineingelassen wurde. Viele Demonstranten verließen die Anlage freiwillig, und gegen 22:45 Uhr forderten die Einsatzkräfte die verbliebenen Parkbesucher auf, nach Hause zu gehen.
Polizeisprecher Jörn Iffländer betonte die Strategie der Behörden: „Gerade am Anfang muss man mit Augenmaß reagieren. Wir sprechen die Menschen an und fordern sie, wenn nötig, auf, den Park zu verlassen.“ Auch in den kommenden Wochen will die Polizei den Wachschutz unterstützen und dabei vor allem auf Kommunikation setzen. Zur Not sollen Personen auch aktiv aus dem Park hinausbegleitet werden.
Technische Umsetzung und Verantwortlichkeiten
Künftig sollen die 16 Eingänge des Görlitzer Parks jeden Abend um 22:00 Uhr mit speziell angefertigten Toren verschlossen werden. Das Verlassen des Geländes bleibt auch nach der Schließung über Drehtüren möglich. Für das tägliche Schließen der Tore ist ein privater Wachdienst verantwortlich, der auch nachts im Park patrouillieren und Personen zum Verlassen auffordern soll. Bei Bedarf kann dieser Dienst das Ordnungsamt oder die Polizei informieren.
Hintergrund: Senatsbeschluss von 2023 und anhaltende Kontroversen
Der Berliner Senat aus CDU und SPD hatte bereits im September 2023 beschlossen, den Görlitzer Park wegen anhaltenden Drogenhandels und weiterer Kriminalität nachts zu schließen. Die Polizei erhofft sich von dieser Maßnahme eine effektivere Strafverfolgung, da der große Park nachts nicht mehr als Versteck für Dealer und andere Kriminelle dienen kann.
Der von den Grünen geführte Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sowie mehrere linke Initiativen protestieren seit zweieinhalb Jahren gegen die Schließungspläne. Sie argumentieren, dass der Drogenhandel durch die nächtliche Sperrung lediglich in die Hauseingänge und Hinterhöfe der umliegenden Wohngebiete verdrängt wird, anstatt das Problem zu lösen.
Vandalismus und wissenschaftliche Evaluation
Bereits einen Tag vor Beginn der nächtlichen Schließung wurden Zaun und Eingänge des Parks beschädigt. Unbekannte Täter durchtrennten an einem Schwenktor einen Halterungsbolzen mit einem Werkzeug. Auf der Internetseite einer Protestinitiative wurden weitere Schäden dokumentiert, darunter zugeklebte Schlösser und ein deformiertes Drehkreuz.
Parallel zur Umsetzung der Schließung läuft eine wissenschaftliche Evaluation, die die Wirksamkeit der Maßnahme untersuchen soll. Erste Ergebnisse dieser Studie werden bis Ende des Jahres erwartet und sollen Grundlage für weitere politische Entscheidungen bilden.



