Kritik an Wegner hält an: Trotz Entschuldigung bleibt Berlins Bürgermeister unter Druck
Kritik an Wegner hält an: Bürgermeister weiter unter Druck

Krisenmanagement in der Kritik: Wegner trotz Entschuldigung unter Druck

Der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) steht weiterhin massiv in der Kritik, obwohl er sich für sein Verhalten während des großen Stromausfalls entschuldigt hat. Weder die Opposition noch der Koalitionspartner SPD zeigen sich mit den Erklärungen des CDU-Politikers zufrieden. Die Vorwürfe reichen von mangelnder Transparenz bis hin zu bewusster Täuschung.

Opposition bleibt unversöhnlich

Grünen-Fraktionsvorsitzender Werner Graf äußerte sich deutlich: „Statt wirklich reinen Tisch zu machen und sich ehrlich an die Menschen in Berlin zu wenden, versucht Kai Wegner erneut, sich mit Kommunikationsfehlern herauszureden.“ Er betonte, dass gerade in Krisenzeiten ein Bürgermeister benötigt werde, auf dessen Wort Verlass sei.

Der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wurde noch schärfer: „Man muss es leider so klar sagen, Kai Wegner hat keinen Anstand. Statt seinen Fehler einzuräumen und sich aufrichtig für seine Fehleinschätzung und das Verschleiern und Vertuschen danach zu entschuldigen, erfindet er nun neue Ausflüchte.“

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Vorwürfe der Täuschung

Krach warf Wegner konkret vor, vorzutäuschen, er habe am Vormittag des 3. Januar – dem Tag des Brandanschlags auf das Berliner Stromnetz – noch nicht wissen können, wie ernst die Lage sei. „Das Radio einzuschalten oder einen Blick in die Onlinezeitungen am Vormittag zu werfen, hätte auch gereicht, um zu begreifen, wie gravierend der Stromausfall ist“, so Krach. „Spätestens um 12 Uhr stand das in den Lageberichten schwarz auf weiß.“

Mit dieser Erkenntnis habe sich Wegner dann entschieden, auf den Tennisplatz zu gehen. „Später tischt er den Menschen das Märchen auf, er habe sich den ganzen Tag im Arbeitszimmer eingeschlossen und eifrig mit allen möglichen Stellen telefoniert.“

Wegners Entschuldigung und Rechtfertigung

Der CDU-Politiker hatte in der Zeitung „B.Z.“ Fehler in seiner Kommunikation nach dem durch den Brandanschlag verursachten Stromausfall eingeräumt. Dafür wolle er sich bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen, sagte er. „Es tut mir aufrichtig leid“, so Wegner. Er betonte jedoch, nicht bewusst getäuscht zu haben und erklärte: „Ich habe meinen Job gemacht!“

„Aufgrund meiner Fehler in der Kommunikation ist ein Eindruck entstanden, den ich sehr bedauere. Tatsächlich habe ich mich mit aller Kraft um die Bewältigung dieser Krise gekümmert, als absehbar war, welche Dimension das annimmt“, führte der Regierende Bürgermeister aus.

Hintergrund des Stromausfalls

Bei dem Stromausfall Anfang des Jahres nach einem mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag mussten mehrere Zehntausend Menschen im Südwesten Berlins tagelang ohne Heizung und Elektrizität auskommen. Der CDU-Politiker stand anschließend insbesondere wegen seiner Angaben zum ersten Krisentag in der Kritik. Ihm wurde unter anderem vorgehalten, nicht gleich vor Ort präsent gewesen zu sein.

Widersprüchliche Darstellungen

Am zweiten Tag des Blackouts hatte Wegner auf die Frage eines Reporters erklärt, am Vortag nach Beginn des Ausnahmezustands den ganzen Tag über vom Homeoffice aus Telefonate geführt und Hilfe unter anderem vom Bund organisiert zu haben. Er habe sich zu Hause in seinem Büro eingeschlossen.

Allerdings hatte er zunächst verschwiegen, mittags für eine Stunde Tennis gespielt zu haben, wie Recherchen des RBB ergaben. Vergangene Woche war Wegner erneut wegen eines Berichts des „Tagesspiegel“ zu seinem Tagesablauf unter Druck geraten.

Telefonat-Zeitpunkt im Fokus

Im Interview mit Welt TV am 7. Januar schilderte Wegner seinen Tagesablauf: „Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz.“ Er fügte hinzu: „Ich habe vor allen Dingen auch mit der Bundesregierung gesprochen, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister, hab' die Voraussetzung geschaffen, dass wir die Bundeswehr auch mit in diese Krisenbewältigung bekommen.“

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„Und ja, dann habe ich von 13.00 bis 14.00 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte.“ Die Frage blieb, ob er suggerieren wollte, dass er schon vor dem Tennismatch im Kanzleramt angerufen hatte.

Der „Tagesspiegel“ äußerte deutliche Zweifel daran, nachdem die Senatskanzlei nach einem Eilantrag der Zeitung vor dem Berliner Verwaltungsgericht entsprechende Informationen zu den Telefonaten freigegeben hatte. Wie die „B.Z.“ berichtete, nahm Wegner tatsächlich erst am frühen Abend Kontakt mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesinnenministerium auf. Senatssprecherin Christine Richter bestätigte diese Angaben.

Weitere politische Reaktionen

Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp warf Wegner vor, sich für seine Entschuldigung mehr als zwei Monate Zeit gelassen zu haben. „Das sieht doch arg nach Wahlkampfmanöver aus.“ Auf sie wirke das wenig glaubwürdig. „Was jetzt von ihm als kommunikativer Fehler abgetan wird, klingt nicht nach echter Einsicht, sondern nach Kalkül“, sagte Eralp.

AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker teilte mit, Wegner habe nicht etwa „kommunikative Fehler“ gemacht – er habe schlicht gelogen. „Mit seinem halbherzigen Entschuldigungsversuch beweist er ein weiteres Mal: Für das Amt des Regierenden Bürgermeisters ist er weder politisch noch charakterlich geeignet.“

Ausstehende Fragen

Aus Sicht der Grünen-Fraktion sind weiter Fragen offen: Sie hatte bereits gefordert, Wegner müsse bei der nächsten Sitzung im Abgeordnetenhaus Rede und Antwort stehen. Nach Angaben einer Senatssprecherin wird der Regierende Bürgermeister zur Fragestunde im Plenarsaal sein.

Die Debatte um das Krisenmanagement des Berliner Bürgermeisters zeigt, dass trotz seiner Entschuldigung das Vertrauen in seine Amtsführung nachhaltig erschüttert ist. Die politischen Konsequenzen dieser anhaltenden Kritik bleiben abzuwarten.