Das Ende einer Ära: Rogacki-Inventar unter dem Hammer
Nach fast einem Jahrhundert schloss der legendäre Feinkostbetrieb Rogacki in Berlin-Charlottenburg im vergangenen Jahr endgültig seine Türen. Was bleibt, sind Erinnerungen und das komplette Inventar, das nun in einer außergewöhnlichen Auktion versteigert wird. In den ehemaligen Räumlichkeiten an der Wilmersdorfer Straße hängen keine Preisschilder mehr für Fisch, Käse und Wurst, sondern kleine Zettelchen mit Nummern, die das Ende einer Berliner Institution markieren.
Von Gastrokühlschränken bis zu Senfgurken
Noch bis Donnerstag können Interessierte die Überreste des traditionsreichen Betriebs ersteigern. Das Angebot ist ebenso umfangreich wie kurios: Riesige Gastrokühlschränke stehen neben sechs Dosen Senfgurken, 250 Stoffbeuteln mit dem charakteristischen Rogacki-Logo und zahlreichen Deckenpaneelen. Ein Bieter machte für sechs dieser Paneele bereits ein Angebot von fünf Euro, während für eine professionelle Knochenbandsäge am Mittwochnachmittag bereits 400 Euro geboten wurden.
Eine ehemalige Mitarbeiterin, die fast zehn Jahre in der Markthalle beschäftigt war, streifte während eines Besichtigungstermins durch die leeren Räume. „Ich habe hier gerne gearbeitet, es ist schade, dass hier zu ist“, erklärte sie emotional. Als bleibende Erinnerung möchte sie gerne Gegenstände mit dem Rogacki-Logo ersteigern, zeigt aber auch Interesse an einer der schönen alten Thekenwaagen und mehreren Stehtischen, die sie gut für Gartenpartys verwenden könnte.
Kuriositäten und nostalgische Fundstücke
Neben praktischen Gegenständen wie Champagnerflaschen, Dosengemüse und einem Schweißgerät finden sich zahlreiche skurrile Überbleibsel im Auktionskatalog. Eine Fleischkeulen-Attrappe, Kästen mit leeren Pfandflaschen und sogar abgelaufene Lebensmittel wie Kisten voller Eier warten auf neue Besitzer. Eine defekte alte Kasse war einem Bieter etwa zwanzig Stunden vor Auktionsende immerhin vierzig Euro wert.
Die Versteigerung endet am 19. Februar um 11 Uhr und stellt den letzten Akt einer schrittweisen Auflösung dar. Das Inventar wurde bereits an mehreren Terminen nach und nach veräußert, wobei jedes Los ein Stück Berliner Geschichte repräsentiert.
Vom Wedding nach Charlottenburg: Eine Familiengeschichte
Die Geschichte von Rogacki begann bereits 1928 als bescheidene Aal- und Fischräucherei im Berliner Wedding. Wie das veranstaltende Auktionshaus informiert, verkaufte die Familie Rogacki ihre Ware zunächst auf Märkten, bevor sie später in das größere Geschäft in Charlottenburg umzog. Über Jahrzehnte entwickelte sich der Betrieb zu einem beliebten Nachbarschaftstreffpunkt, wo nicht nur Feinkost angeboten, sondern auch Champagner ausgeschenkt und Mittagsgerichte über den Tresen gereicht wurden.
Das tragische Ende kam vergangenes Jahr, als Inhaber Dietmar Rogacki, der das Geschäft in dritter Generation führte, bei einem Hausbrand ums Leben kam. Im Juli 2025 schloss die Institution endgültig ihre Pforten, wenige Zeit später stellte das Unternehmen den Insolvenzantrag. Die aktuelle Auktion markiert somit das definitive Ende einer Ära, die fast ein Jahrhundert Berliner Gastronomiegeschichte prägte.



