22 Jahre nach dem Mord: Rostock erinnert an NSU-Opfer Mehmet Turgut
Stille, Trauer und klare Worte bestimmten den Abend des 25. Februar in Rostock. An der Gedenkstätte im Neudierkower Weg 2 versammelten sich Vertreter der Stadt, Angehörige des Opfers und engagierte Initiativen, um an Mehmet Turgut zu erinnern. Der Rostocker mit türkischen Wurzeln wurde genau an diesem Tag vor 22 Jahren, am 25. Februar 2004, vom rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) ermordet. Turgut war 25 Jahre alt und gehört zu den zehn bekannten Mordopfern der NSU-Serie.
Emotionale Reden und deutliche Kritik
Besonders bewegend war der Beitrag von Gamze Kubaşık, deren Vater Mehmet Kubaşık ebenfalls von der NSU in Dortmund ermordet wurde. „Wir sagen die Namen der Opfer. Wir erzählen ihre Geschichten. Wir halten ihre Erinnerungen wach“, betonte sie mit Nachdruck. Vertreter des Migrantenrates Rostock und des Bündnisses „Mord verjährt nicht“ schlossen sich dieser Botschaft an. Sie erinnerten nicht nur an das grausame Verbrechen, sondern übten scharfe Kritik an den deutschen Ermittlungsbehörden.
Die Aufklärung des Falls wurde als zögerlich und fehlerhaft bezeichnet. Die Familien der Opfer seien über lange Zeit verdächtigt und stigmatisiert worden, anstatt Unterstützung und Gerechtigkeit zu erfahren. Diese Erfahrungen prägen bis heute das Gedenken und die Forderungen der Betroffenen.
Forderung nach sichtbarem Erinnern
Von der Politik und der gesamten Stadtgesellschaft forderten die Initiativen mehr Mut und Entschlossenheit. Das Verbrechen müsse stärker und sichtbarer im öffentlichen Raum verankert werden. Konkret geht es um die Umbenennung des Neudierkower Weges in „Mehmet-Turgut-Weg“. Diese Forderung wurde auf Transparenten deutlich sichtbar gemacht und von vielen Teilnehmern unterstützt.
Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger von Die Linke und Bürgerschaftspräsident Dr. Heinrich Prophet von der CDU waren zwar vor Ort, hielten jedoch keine Reden. Ihre schweigende Präsenz wurde von einigen Beobachtern als Zeichen des Respekts, von anderen als mangelnde Positionierung gewertet.
Junge Generation zeigt Engagement
Auffällig war der große Andrang, insbesondere von jungen Menschen. Viele legten Blumen und Kränze an der schlichten Gedenkstätte nieder, die aus zwei Betonbänken besteht. Freunde von Mehmet Turgut beteiligten sich aktiv an der Veranstaltung und machten deutlich, dass die Erinnerung an das Opfer auch in der jüngeren Generation lebendig bleibt.
Die Polizei war ebenfalls präsent und hatte die Gedenkstätte seit Anfang der Woche präventiv gesichert, wie eine Sprecherin erklärte. Diese Maßnahme unterstreicht die anhaltende Sensibilität und die Bedeutung des Ortes für die Aufarbeitung rechtsterroristischer Verbrechen in Deutschland.
Insgesamt zeigt die Gedenkveranstaltung, dass die Forderung nach einer dauerhaften und sichtbaren Erinnerung an Mehmet Turgut und die anderen NSU-Opfer weiterhin aktuell ist. Die Debatte um die Wegbenennung wird in Rostock und darüber hinaus mit Nachdruck geführt.



