SPD-Politikerin beendet Bürgermeisterambitionen nach Kontroverse um Krankmeldung
Die SPD-Politikerin Uta Francisco dos Santos hat ihre Bewerbung für das Amt der Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Mitte überraschend zurückgezogen. Auslöser sind aufgedeckte Wahlkampfaktivitäten, die sie während einer offiziellen Krankmeldung durchführte. Die BILD-Zeitung hatte die Unstimmigkeiten publik gemacht, woraufhin der SPD-Kreisverband Berlin-Mitte deutlich auf Distanz zu seiner Kandidatin ging.
Rechtliche Vertretung übermittelt Rückzugserklärung
Die umstrittene Politikerin ließ ihren Rücktritt durch eine Anwaltskanzlei bekanntgeben. In ihrer schriftlichen Stellungnahme führt sie eine „mediale Kampagne zu meiner Person“ sowie den Schutz ihrer Familie als Gründe an. Allerdings bleibt ein wichtiger Aspekt bestehen: Der Rückzug gilt ausschließlich für das Bürgermeisteramt – nicht für ihre Kandidatur zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im September 2026.
Ärztliches Attest als umstrittene Grundlage
Die SPD-Politikerin war über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben. Ein ärztliches Attest bescheinigte zwar, dass ihr ehrenamtliches Engagement und ihre politische Kandidatur den Genesungsprozess nicht beeinträchtigen würden. Dennoch sah die SPD-Führung erhebliche Probleme:
- Mangelnde Transparenz im Umgang mit der Krankmeldung
- Ungeklärte Fragen zu den Wahlkampfaktivitäten während der Arbeitsunfähigkeit
- Kommunikationsdefizite gegenüber der Parteiführung
Die Parteispitze forderte daraufhin den Rückzug von der Bürgermeisterkandidatur, dem Francisco dos Santos nun nachgekommen ist.
BVV-Kandidatur bleibt unangetastet
Bei einer Delegiertenversammlung am 20. November 2025 war die Politikerin auf Platz eins der SPD-Liste für die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung in Mitte gesetzt worden. Diese Positionierung machte sie automatisch zur Kandidatin für das Bürgermeisteramt. Am 20. September 2026 finden in Berlin parallel die Wahlen zum Landesparlament und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt – für letztere bleibt Francisco dos Santos weiterhin Kandidatin.
SPD sucht dringend Ersatzkandidaten
Der Kreisverband Berlin-Mitte steht nun unter erheblichem Zeitdruck. Innerhalb kurzer Frist muss eine neue Kandidatin oder ein neuer Kandidat für das Bürgermeisteramt gefunden werden. Die Parteiführung betonte die Notwendigkeit einer transparenten und vertrauenswürdigen Kandidatenaufstellung, um das angeschlagene Vertrauen der Wählerinnen und Wähler wiederherzustellen.
Die Kontroverse um Uta Francisco dos Santos wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Krankmeldungen im politischen Betrieb auf und zeigt, wie sensibel die Öffentlichkeit auf mögliche Regelverstöße bei Mandatsträgern reagiert. Die SPD in Berlin-Mitte muss nun beweisen, dass sie aus der Affäre gelernt hat und ihre politische Arbeit auf ein solides Fundament stellen kann.



