Trauerfeier für Brandopfer in Berlin: Abschied von Mutter und zwei Söhnen
In einer bewegenden Zeremonie haben Familie und Freunde am Wochenende in Berlin Abschied von drei Menschen genommen, die bei einem tragischen Hochhausbrand ums Leben kamen. Die weißen Särge von Mai Thi (26) und ihren Söhnen Martin (5) sowie dem zehn Monate alten Matthew waren mit weißen Rosen bedeckt, als sie in der Münzel-Trauerhalle in Marzahn aufgebahrt wurden.
Tödlicher Brand in Lichterfelder Plattenbau
Am 11. Februar war in einer Wohnung im vierten Stock eines Wohnblocks in der Dolgenseestraße in Berlin-Lichterfelde ein Feuer ausgebrochen. Mai Thi wohnte mit ihren Kindern in der Nachbarwohnung und versuchte, sich mit ihnen in Sicherheit zu bringen. Doch Hitze und schwarze Rußwolken zogen kaminartig durch den Hausflur und drückten durch die Türen in die Wohnungen.
Ihrem ältesten Sohn David (6) konnte die Mutter noch zur Haustür helfen, wo ihn die Feuerwehr in Sicherheit brachte. Ihre beiden jüngeren Söhne und sie selbst schafften es jedoch nicht aus dem verqualmten Flur. Die Fassade des Hochhauses ist nach dem tödlichen Vorfall schwarz vor Ruß.
Buddhistische Totenzeremonie für die Verstorbenen
Rund 150 Trauernde begleiteten David und seinen Vater Hong Kien bei der buddhistischen Totenzeremonie am Sonntagvormittag. Beim Anblick der drei Särge – der große mit der Mutter in der Mitte, flankiert von den kleinen Särgen ihrer Kinder – brachen Verwandte, Freunde und viele Mitglieder der vietnamesischen Gemeinschaft in Tränen aus.
David stand am Sarg seiner Mutter, gehalten von seinem Vater. Beide trugen Stirnbänder in der buddhistischen Trauerfarbe Weiß. Über den Särgen strahlten die drei Verstorbenen den Trauergästen von Fotos entgegen, um ihr Lachen in Erinnerung zu bewahren.
„Unsere drei geliebten Sterne schweben nun am Himmel“
„Ihr fehlt uns“ stand auf einer weißen Schleife an einem Blumengebinde von der Kita Pinocchio, die Martin bis vor knapp drei Wochen besucht hatte. In ihrer bewegenden Ansprache sagte Myha (43), eine Cousine der Mutter: „Unsere drei geliebten Sterne schweben nun am Himmel. Wir haben diese drei lieben Menschen verloren.“
Zu religiösen Gesängen der Mönche wurden für die drei „Sterne“ Teewasser in kleine Tassen gegossen, Reisschalen mit Essen gefüllt und Räucherstäbchen entzündet. Jeder Trauergast zog dann mit einer roten Rose in der Hand an den Särgen vorbei, verneigte sich vor den Angehörigen, während heller Sonnenschein durch die Fenster auf die weißen Särge fiel.
Die Trauerfeier markierte den schmerzhaften Abschluss einer Tragödie, die die Berliner Gemeinschaft tief erschüttert hat und die Gefahren von Bränden in Plattenbauten erneut in den Fokus rückt.



