Berlin: Kaum Chancen beim Probeunterricht für den Wechsel aufs Gymnasium
Der Übergang auf ein Gymnasium gestaltet sich in Berlin für Schülerinnen und Schüler ohne entsprechende Empfehlung äußerst schwierig. Aktuelle Zahlen der Bildungsverwaltung zeigen ein ernüchterndes Bild: Von den 1.223 Kindern, die in diesem Jahr am Probeunterricht teilnahmen, konnten lediglich 1,22 Prozent ihre gymnasiale Eignung nachweisen und erhielten eine Empfehlung. Im Vorjahr lag die Quote mit 2,6 Prozent zwar ebenfalls niedrig, aber deutlich höher als in der aktuellen Erhebung.
Elternvertreter kritisieren mangelnde Transparenz
Der Landeselternausschuss übt scharfe Kritik an der aktuellen Regelung für den Übergang nach der sechsten Klasse. Norman Heise, Vorsitzender des Gremiums, bezeichnet die noch schlechtere Quote im Vergleich zum Vorjahr als schwieriges Thema. Die Erklärung von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, die niedrigen Erfolgszahlen seien eine Folge der guten Prognosen in den Grundschulen, greift aus Sicht der Elternvertreter deutlich zu kurz.
Heise wirft der Bildungsverwaltung zudem mangelnde Transparenz vor. Eine bereits für den Sommer vergangenen Jahres angekündigte Auswertung der Aufnahmetests liege immer noch nicht vor. Das war angekündigt, aber es kam nichts, so Heise. Dadurch entsteht der Eindruck, es gebe etwas zu verheimlichen. Ohne diese Daten sei nicht nachvollziehbar, woran und warum so viele Kinder die Tests beim Probeunterricht nicht bestehen.
Forderung nach Probetests nach Brandenburger Vorbild
Die Elternvertreter fordern konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. Sie schlagen vor, die Tests im Rahmen des Probeunterrichts vorab mit Schülerinnen und Schülern auszuprobieren, die bereits eine Gymnasialempfehlung erhalten haben. Diese Praxis wird erfolgreich im benachbarten Brandenburg angewendet. Berlin macht genau das nicht, betont Heise und unterstreicht damit den Reformbedarf.
Übergangssituation an Berlins Schulen
Insgesamt stehen in diesem Jahr 28.818 Sechstklässler an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen vor dem Wechsel auf eine weiterführende Schule. Mehr als die Hälfte davon, etwa 53 Prozent, hat von vornherein eine Gymnasialempfehlung erhalten. Diese Förderprognose basiert auf den Noten in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache. Die Zahlen zeigen, dass der Zugang zum Gymnasium für Kinder ohne entsprechende Empfehlung weiterhin eine große Hürde darstellt, die nur wenige überwinden können.



