Rechte Gewalt in Brandenburg: Fast tägliche Angriffe und dramatischer Anstieg
Brandenburg: Rechte Gewalt steigt rasant - Experten alarmiert

Rechte Gewalt in Brandenburg erreicht alarmierende Dimensionen

Die Zahlen sind erschreckend und zeigen eine besorgniserregende Entwicklung: Rechte Gewalttaten in Brandenburg haben im vergangenen Jahr einen dramatischen Anstieg verzeichnet. Der Verein „Opferperspektive e.V.“ meldet für das Jahr 2025 insgesamt 523 Menschen, die von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt betroffen waren. Dies stellt eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar und verdeutlicht die zunehmende Bedrohungslage im Bundesland.

Von Bedrohung bis versuchter Tötung: Das volle Spektrum der Gewalt

Die Opferperspektive wendet eine umfassende Erfassungsweise an, die über die polizeiliche Kriminalstatistik hinausgeht. „Die Androhung von Gewalt gilt uns auch als Gewalttat, weil sie für die Betroffenen durchaus psychische Folgen haben kann“, erklärt Joschka Fröschner, Monitoring-Beauftragter des Vereins. Insgesamt 119 Fälle wurden als Nötigung oder Bedrohung dokumentiert, während die Zahl der tatsächlichen Gewalttaten von 273 auf 290 stieg.

Die Bandbreite der Straftaten reicht dabei von verbalen Drohungen über körperliche Angriffe bis hin zu schwerwiegenden Gewalttaten. Besonders tragisch ist der Fall eines in Templin angegriffenen Ukrainers, bei dem die Ermittler von einem versuchten Tötungsdelikt ausgehen. Auch Sprengstoffexplosionen und der Einsatz von Pyrotechnik wurden registriert.

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Rassismus bleibt häufigstes Tatmotiv

Mit 133 erfassten Angriffen bleibt Rassismus das mit Abstand häufigste Tatmotiv rechter Gewalt in Brandenburg. „Fast jeden dritten Tag ereignet sich in Brandenburg eine rassistische Gewalttat“, berichtet Judith Porath, Geschäftsführerin der Opferperspektive. Für Betroffene gehöre es mittlerweile zur Normalität, sich im öffentlichen Raum rassistischer Anfeindungen erwehren zu müssen.

Porath betont die besondere Gefährdungslage: „Rassistische Gewalttäter schrecken auch vor potenziell tödlicher Gewalt nicht zurück. Für Menschen, die von Rassismus betroffen sind, bedeutet das, in allen Lebenssituationen der Gefahr eines Angriffs ausgesetzt zu sein.“

Cottbus bleibt Brennpunkt rechter Gewalt

Regional betrachtet bleibt die Stadt Cottbus der größte Schwerpunkt rechter Gewalttaten in Brandenburg. Die Statistik zeigt hier mit 40,5 Straftaten pro 100.000 Einwohner eine deutlich überdurchschnittliche Belastung. Weitere Schwerpunkte bilden die Prignitz mit 19,6 Fällen und die Uckermark mit 16,1 Fällen pro 100.000 Einwohner. Der Landesdurchschnitt liegt bei lediglich 11,6 Fällen.

Anders als im Superwahljahr 2024 ereigneten sich die Gewalttaten deutlich weniger im Kontext von Wahlkämpfen. Stattdessen gerieten alternative Wohnprojekte, Jugendclubs und soziokulturelle Zentren ins Visier der Täter. „Rechte Gewalttäter agieren aktuell mit großem Selbstbewusstsein, ihre Taten richten sich hauptsächlich gegen vermeintliche und tatsächliche Migrantinnen und politische Gegner“, analysiert Porath.

Forderungen an die Politik und zivilgesellschaftliche Antworten

Von der neuen Landesregierung erwartet die Opferperspektive ein stärkeres Eintreten gegen rechte Gewalt. „Wir brauchen in der Konsequenz den Schutz der Betroffenen und eine eindeutige Unterstützung der demokratischen Zivilgesellschaft, statt ihr Engagement zu delegitimieren und in Frage zu stellen“, fordert Porath. Konkret bedeutet dies:

  • Die Stärkung von Communities, die von Rassismus betroffen sind
  • Eine verlässliche Absicherung von Beratungsstellen und Hilfsangeboten
  • Eine klare politische Positionierung gegen rechte Gewalt
  • Nachhaltige Sicherung der Arbeit gegen Rechtsdruck

Auch das Brandenburger Innenministerium bestätigt den Trend: „Die Brandenburger Polizei hat im letzten Jahr einen Anstieg bei den politisch motivierten Gewaltstraftaten festgestellt“, teilt Sprecher Andreas Carl mit. Die genauen Zahlen sollen im kommenden Monat vorgestellt werden.

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Die Entwicklung zeigt deutlich: Rechte Gewalt in Brandenburg ist kein Randphänomen mehr, sondern hat sich zu einer alltäglichen Bedrohung entwickelt, die das Zusammenleben im Bundesland fundamental gefährdet. Die zivilgesellschaftlichen Organisationen stehen vor der Herausforderung, dieser Entwicklung wirksam zu begegnen – und benötigen dafür die volle Unterstützung von Politik und Gesellschaft.