Altersarmut in Brandenburg: Zahl der Rentner mit Wohngeld hat sich mehr als verdoppelt
Brandenburg: Zahl der Rentner mit Wohngeld verdoppelt

Altersarmut in Brandenburg: Dramatischer Anstieg bei Wohngeld-empfängenden Rentnern

In Brandenburg zeichnet sich eine besorgniserregende Entwicklung ab: Die Zahl der Rentner, die im Alter auf staatliche Unterstützung durch Wohngeld angewiesen sind, hat sich innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt. Dies geht aus einer parlamentarischen Anfrage im Landtag hervor, die der Redaktion vorliegt.

Verdopplung der Fallzahlen und explodierende Kosten

Die aktuellen Zahlen sind alarmierend: Während im Jahr 2020 noch etwa 14.000 Rentner in Brandenburg Wohngeld bezogen, waren es im Jahr 2024 bereits rund 34.000. Dies entspricht einem Anteil von 3,5 Prozent aller Rentner im Bundesland. Parallel zu dieser Entwicklung haben sich die Wohngeldausgaben für Rentner in Brandenburg von 1,4 Millionen Euro auf etwa 6,3 Millionen Euro erhöht – ein Anstieg, der die finanzielle Belastung für den Sozialhaushalt deutlich macht.

Politische Reaktionen und Kritik

Der AfD-Abgeordnete René Springer, der die schriftliche Anfrage an die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbauministerium, Sabine Poschmann (SPD), gerichtet hatte, kommentierte die Entwicklung mit scharfen Worten: „Die stark steigende Zahl von Rentnern, die in Brandenburg auf Wohngeld angewiesen sind, zeigt, wie dramatisch sich die Altersarmut vor allem in Ostdeutschland entwickelt.“ Springer forderte eine Rentenpolitik, die Lebensleistung angemessen honoriere und sicherstelle, dass Rentner von ihrer Rente leben könnten, statt auf staatliche Zuschüsse angewiesen zu sein.

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Experten warnen vor realer Verarmung

Der Paritätische Wohlfahrtsverband bestätigt die problematische Entwicklung. Andreas Kaczynski, Vorstand des Verbands, erklärt: „Einkommensarme Menschen sind in den vergangenen Jahren real ärmer geworden.“ Konkret sank das mittlere Einkommen von Personen unterhalb der Armutsgrenze preisbereinigt von 981 Euro im Jahr 2020 auf nur noch 921 Euro monatlich im Jahr 2024. Die Reform des Wohngeldes im Jahr 2023, die den Kreis der Leistungsberechtigten und die Höhe der Leistungen stark ausgeweitet hat, war laut Kaczynski eine Reaktion auf die steigende Altersarmut durch Inflationsentwicklungen und explodierende Wohnkosten.

Besondere Betroffenheit von Frauen

Die Altersarmut wächst insbesondere bei Frauen, was mit ihrem geringeren Beschäftigungsumfang und der Beschäftigung in tendenziell schlechter bezahlten Berufen zusammenhängt. „Das Wohngeld ist deshalb für viele ältere Menschen längst zur existenziellen Stütze geworden, reicht aber nicht immer aus, um armutsfest leben zu können“, so Kaczynski. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Brandenburg fordert daher eine bessere Altersabsicherung, armutsfeste existenzsichernde Leistungen und vor allem bezahlbares Wohnen für alle.

Forderungen nach politischen Maßnahmen

Kaczynski betont: „Die Bekämpfung von Kinder-, Familien- und Altersarmut gehört deshalb ganz oben auf die politische Agenda.“ Er verwundert sich darüber, dass das Wort „Armut“ im neuen Koalitionsvertrag der SPD-CDU-Koalition an keiner Stelle vorkomme. Diese Lücke in der politischen Debatte unterstreicht die Dringlichkeit, konkrete Maßnahmen gegen die wachsende Altersarmut in Brandenburg zu ergreifen, bevor sich die Situation weiter verschärft.

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