Neuer Oberbürgermeister setzt auf soziale Begegnung in Brandenburg an der Havel
Der SPD-Politiker Daniel Keip hat Anfang März sein Amt als Oberbürgermeister von Brandenburg an der Havel angetreten und bringt eine klare Vision für die Stadt mit: In Zeiten des digitalen Wandels will er das reale soziale Miteinander wieder stärken. Der 39-jährige Verwaltungswissenschaftler, der in Tübingen studierte, löst damit CDU-Rathauschef Steffen Scheller an der Spitze der kreisfreien Stadt ab.
„Wer kennt heute noch seine Nachbarn?“ – Kritik an digitaler Dominanz
In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur äußerte Keip deutliche Kritik an den sozialen Auswirkungen des Internet-Zeitalters. „Alles wird digitaler. Was wir aber dann aus dem Blick verlieren, ist, dass wir auch ganz handfest wieder Orte brauchen, wo Menschen miteinander sein können“, betonte der neue Rathauschef. Diese Entwicklung sieht er als gesellschaftlichen Nachholbedarf, der dringend angegangen werden muss.
Der Oberbürgermeister der 75.000-Einwohner-Stadt stellt eine provokante Frage in den Raum: „Wer kennt heute noch seine Nachbarn?“ Für ihn ist dies ein Symptom für die zunehmende Entfremdung in modernen Gesellschaften, die er durch gezielte Stadtentwicklung bekämpfen will.
Bürgerhäuser als Lösung für soziale und finanzielle Herausforderungen
Keip setzt dabei besonders auf den Ausbau von Bürgerhäusern und Stadtteilhäusern, die er als zentrale Begegnungsorte der Zukunft sieht. „Wer kann sich den 70. Geburtstag im Restaurant noch leisten mit der ganzen Familie und Freunden?“, fragt der SPD-Politiker und verweist auf die wachsende Altersarmut. In Bürgerhäusern sieht er eine praktikable und kostengünstige Alternative für gemeinsame Feiern und Veranstaltungen.
Seine Vision geht jedoch über reine Feierorte hinaus: „Eine Stadt ist mehr als der Ort zum Wohnen“, erklärt Keip. „Da müssen wir ansetzen, dass eine Stadt nicht einfach nur der Ort zum Wohnen ist, der die Hülle und den Rahmen gibt, sondern dass es auch ein Ort des Miteinanders ist, an dem man mitwirken kann.“
Stärkung der Bürgerbeteiligung und Jugendintegration
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Amtszeit wird die Stärkung der Bürgerbeteiligung sein. Der Oberbürgermeister plant, aktiv in Schulen zu gehen und dort das Gespräch mit Jugendlichen zu suchen. „Denn unser Auftrag aus der Kommunalverfassung ist ja, Kinder und Jugendliche frühzeitig an den Prozessen, die sie betreffen, auch zu beteiligen“, begründet er diesen Schritt.
Gleichzeitig betont Keip, dass die klassischen kommunalen Aufgaben nicht vernachlässigt werden dürfen: „Die Bürger haben zu Recht die Erwartung, dass sich die Stadt um das Theater, ein Schwimmbad, eine Sportanlage, um Arbeitsplätze und Infrastruktur kümmert.“ Als Oberbürgermeister wolle er sich nicht wegducken, selbst wenn andere Behörden möglicherweise zuständig seien.
Privatleben und Arbeitsalltag des neuen Rathauschefs
In seiner Freizeit zeigt sich der neue Oberbürgermeister als aktiver Sportler: Er rudert und radelt gerne und besitzt mittlerweile stolze elf Fahrräder. Dennoch legt er den Weg ins Rathaus – einen spätgotischen Backsteinbau am Marktplatz – von seiner Wohnung aus in wenigen Minuten zu Fuß zurück. Sein Amtssitz befindet sich am Altstädischen Marktplatz, wo er seine Visionen für eine sozialere Stadt in die Tat umsetzen will.
Keips Ansatz verbindet somit traditionelle Werte des Zusammenlebens mit modernen Herausforderungen der Stadtentwicklung und schafft damit ein umfassendes Konzept für Brandenburg an der Havel in den kommenden Jahren.



