Bronzener Kreuz-Anhänger aus dem Mittelalter verändert historisches Bild der Region
Mittelalterlicher Kreuz-Anhänger verändert historisches Bild Brandenburgs

Metalldetektor-Fund enthüllt mittelalterliche Handelsverbindungen

Ein leises Piepen des Metalldetektors führte zu einer archäologischen Sensation im westlichen Havelland. Die ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow entdeckte an einer slawischen Fundstelle einen bronzenen Anhänger aus dem frühen Mittelalter – ein Radkreuz mit einer Christusfigur, das vermutlich als Schmuckstück getragen wurde.

Exakte Übereinstimmung mit Spandauer Gussform

Was den Fund besonders bedeutsam macht: Der bronzene Anhänger passt exakt in eine Gussform, die bereits in den 1980er Jahren vom Berliner Archäologen Prof. Adriaan van Müller am Burgwall in Berlin-Spandau entdeckt wurde. „Das ist eines der bekanntesten Objekte vom Burgwall in Spandau“, betonte der Berliner Landesarchäologe Prof. Matthias Wemhoff bei der Präsentation des Fundes in der Potsdamer Staatskanzlei.

Der neue Fund bestätigt die These van Müllers, dass Spandau ein bedeutender Zentralort für die gesamte Region gewesen sein muss. „Der neue Fund, das Bronzekreuz aus dem westlichen Havelland, belegt die Produktion am Burgwall von Spandau und das Handeln der Produkte in die Landschaft hinaus“, erklärte Wemhoff weiter.

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Zeitliche Einordnung in bewegte Epoche

Archäologisch lässt sich der Fund relativ genau datieren. Nach der Gründung der Bistümer Brandenburg und Havelberg durch Heinrich I. im Jahr 948 kam es 983 zum Aufstand der slawischen Lutizen, bei dem Brandenburg zerstört wurde. „Archäologisch gibt es nur sehr wenige Funde, die vom frühen Christentum in der Region berichten“, erläutert Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter beim Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege.

Van Müller ging davon aus, dass die Gussform in Spandau in den Jahren unmittelbar vor 983 verwendet wurde – zu einer Zeit, als von Berlin, das erst im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, noch keine Rede sein konnte.

Ehrenamtliche als Schlüssel zum Erfolg

Für Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle unterstreicht der Fund die immense Bedeutung ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger für die historische Forschung in der Mark Brandenburg. „Wir haben vor einiger Zeit eine zusätzliche Personalstelle für deren Betreuung eingerichtet“, sagte Schüle. Das Ziel einer besseren Ausbildung und Vernetzung der Ehrenamtlichen habe sich bewährt, denn erst durch den Kontakt zu einem Kollegen, der von der Gussform in Berlin wusste, konnte die Verbindung zwischen dem neuen Fund und dem historischen Objekt hergestellt werden.

Strukturen der archäologischen Arbeit

Brandenburgs Landesarchäologe Prof. Franz Schopper erinnerte daran, dass für die Nutzung von Metalldetektoren in Brandenburg eine Genehmigung erforderlich ist. „Die erhält man von uns, wenn man vorher eine Ausbildung gemacht hat“, so Schopper. Die mehrwöchige Ausbildung vermittelt Kenntnisse über mögliche Fundmaterialien, die Erstellung von Fundberichten und den korrekten Umgang mit archäologischen Entdeckungen. Derzeit sind etwa 350 aktive Bodendenkmalpfleger in Brandenburg registriert.

Ausstellung und moderne Adaption

Das bronzene Kreuz und die dazugehörige Gussform sind noch bis zum 11. März im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel zu besichtigen. Interessant ist auch die moderne Adaption des historischen Motivs: Nach dem Vorbild der Gussform entstand das „Spandauer Kreuz“, das die katholische Kirche heute an verdiente Ehrenamtliche und langjährige Ministranten verleiht. „Es wird aber aus einem anderen Material und in einer anderen Größe hergestellt“, präzisiert Stefan Förner, Sprecher des Erzbistums Berlin, sodass Verwechselungen mit dem historischen Original ausgeschlossen sind.

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