Newcastle-Krankheit wütet in Brandenburg: 1,2 Millionen Tiere gekeult, Eier knapp vor Ostern
Newcastle-Krankheit: 1,2 Mio. Tiere gekeult, Eier knapp

Newcastle-Krankheit kehrt nach 30 Jahren zurück: Brandenburgs Geflügelbestände massiv betroffen

Die Geflügelwirtschaft in Deutschland steht vor einer ernsten Krise. Nach der anhaltenden Vogelgrippe sorgt nun die sogenannte Newcastle-Krankheit, die zuletzt vor rund drei Jahrzehnten in Deutschland auftrat, für massive Verluste in Agrarbetrieben. Besonders hart trifft es das Bundesland Brandenburg, wo bereits rund 1,2 Millionen Tiere aufgrund der hochansteckenden Tierseuche gekeult werden mussten.

Alarmstimmung in der Geflügelbranche

„Die Infektionen kamen aus heiterem Himmel“, erklärte Brandenburgs Landesbauernpräsident Henrik Wendorff gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Seit Ende Februar wurden im Bundesland fünf bestätigte Fälle gemeldet, darunter mehrere sehr große Legehennen-Betriebe. Allein im Landkreis Dahme-Spreewald mussten in zwei Betrieben 510.000 sowie 375.000 Tiere getötet werden.

Die Ausbrüche beschränken sich nicht auf Brandenburg. Auch in Bayern wurden Fälle registriert, während andere Bundesländer mit wachsender Sorge die Entwicklung beobachten. International breitet sich die Seuche ebenfalls aus: Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor meldet Infektionen in Polen, Tschechien und der Slowakei.

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Eierangebot vor Ostern unter Druck

Die Timing der Ausbrüche könnte kaum ungünstiger sein. „Das passiert zur Unzeit“, betonte Bauernpräsident Wendorff mit Blick auf die bevorstehende Osterzeit, in der der Eierverbrauch traditionell deutlich ansteigt. Der Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), Hans-Peter Goldnick, bestätigte: „Das Angebot an Eiern im Handel ist zwar knapp, aber stabil.“

Allerdings trifft diese Knappheit auf eine historisch hohe Nachfrage. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern in Deutschland ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und erreicht mittlerweile 252 Eier pro Jahr. „Diese hohe Nachfrage trifft auf ein geschwächtes Angebot durch das Seuchengeschehen“, so Goldnick. Besonders problematisch: Die betroffenen Legehennen-Betriebe benötigen längere Zeit, um ihre Zuchttiere zu ersetzen, was die Engpässe verlängern könnte.

Rätselhafte Infektionswege trotz Impfpflicht

Besonders beunruhigend an der aktuellen Situation ist, dass in Deutschland eigentlich eine Impfpflicht gegen die Newcastle-Krankheit besteht, die wegen ihrer Symptome auch als „atypische Geflügelpest“ bezeichnet wird. Wie das Virus dennoch in die Betriebe gelangen konnte, bleibt bisher ungeklärt.

Das Friedrich-Loeffler-Institut sieht mögliche Infektionsquellen in osteuropäischen Ländern wie Polen, Tschechien und Litauen, wo ein hoher Infektionsdruck in Geflügelhaltungen und Kleinhaltungen festgestellt wurde. „Betroffen sind in Deutschland derzeit die Bundesländer Brandenburg und Bayern, was auf einen Eintrag beispielsweise durch Waren oder Personenverkehr aus bereits betroffenen Regionen hindeuten könnte“, so die Experten.

Das Virus wird in hohen Mengen über Körpersekrete und Kot erkrankter Tiere ausgeschieden und kann auch Eier kontaminieren. Trotz Impfung sind Infektionen möglich, wobei geimpfte Tiere laut FLI schwerer zu infizieren sind, weniger Virus ausscheiden und dies über kürzere Zeiträume. „Wenn Krankheitszeichen auftreten, sind sie geringer ausgeprägt. Dies erschwert die frühzeitige Erkennung eines Seuchengeschehens im Bestand“, erklärte das Institut.

Erhöhte Gefährdungslage und Gegenmaßnahmen

Die aktuelle Situation wird durch die gleichzeitig grassierende klassische Geflügelpest zusätzlich verschärft. Das FLI warnt vor einer erhöhten Gefährdungslage nicht nur für Geflügelhaltungen, sondern auch für andere Vogelhaltungen in Zoos und Tierparks. Eine Entspannung der Lage in Brandenburg und Bayern sei momentan nicht erkennbar.

In den betroffenen Landkreisen wurden bereits Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet, die im Radius von mindestens drei bis zehn Kilometern um die Ausbruchsbestände gezogen werden. Tierhalter müssen ihre Hygienemaßnahmen deutlich verschärfen, einschließlich intensiverer Desinfektion und strengerer Schutzkleidung. Alle Vögel müssen in Stallungen untergebracht werden, um sie von wildlebenden Tieren abzusondern.

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Innerhalb der Sperrzonen dürfen Vögel, Geflügelfleisch und Eier nicht aus den Beständen herausgebracht werden. Auffälligkeiten müssen sofort den Veterinärämtern gemeldet werden. „Wenn man sich internationale Daten anschaut, dann schneiden wir in Deutschland mit unseren Biosicherheitsmaßnahmen im Seuchenschutz immer gut ab“, betonte ZDG-Präsident Goldnick. Jetzt komme es darauf an, dass alle Betriebe – von Kleinsthaltungen bis zu großen Anlagen – die Maßnahmen konsequent umsetzen.

Wirtschaftliche und gesundheitliche Folgen

Die wirtschaftlichen Schäden der aktuellen Ausbrüche lassen sich laut Geflügelwirtschaft-Verband noch nicht genau beziffern. „Für die betroffenen Betriebe und deren Mitarbeiter sind das immer auch persönliche Schocksituationen“, so Goldnick. Besonders Legehennen-Betriebe erleiden herbe Verluste, da der Ersatz der Zuchttiere deutlich länger dauert als in reinen Mastbetrieben.

Für den Menschen gilt eine Infektion mit dem Newcastle-Virus als sehr selten, aber grundsätzlich möglich. In den meisten Fällen beschränken sich gesundheitliche Folgen laut Experten auf eine Bindehautentzündung. Die größte Gefahr geht daher von den wirtschaftlichen Konsequenzen und möglichen Versorgungsengpässen aus, die sich insbesondere in der bevorstehenden Osterzeit bemerkbar machen könnten.