Quietschbäuche in Gefahr: Zwei einzigartige Maränen-Arten in Ostdeutschland akut vom Aussterben bedroht
Quietschbäuche: Zwei Maränen-Arten in Ostdeutschland bedroht

Quietschbäuche in Gefahr: Zwei einzigartige Maränen-Arten in Ostdeutschland akut vom Aussterben bedroht

Zwei seltene Süßwasserfischarten, die ausschließlich in Seen im Nordosten Deutschlands vorkommen, stehen laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) kurz vor dem Aussterben. Betroffen sind die Stechlin-Maräne (Coregonus fontanae) und die Luzin-Maräne (Coregonus lucinensis), wie aus der neuen Roten Liste der bedrohten europäischen Süßwasserfische hervorgeht. Ihr Verschwinden würde ein alarmierendes Zeichen für die aquatische Artenvielfalt in Europa setzen.

Einzigartige Lebensräume in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern

Die Stechlin-Maräne ist ausschließlich im Großen Stechlinsee in Brandenburg heimisch, während die Luzin-Maräne nur im Breiten Luzin in Mecklenburg-Vorpommern vorkommt. Diese geografische Beschränkung macht die Arten besonders anfällig für Umweltveränderungen. Die Luzin-Maränen sind lokal unter dem Namen „Quitschbükers“ oder „Quietschbäuche“ bekannt, da sie beim Fang aus großer Tiefe ein charakteristisches quietschendes Geräusch von sich geben, wenn Luft aus ihrer Schwimmblase entweicht.

Dramatische Verschlechterung des Gefährdungsstatus

Die IUCN hat die Gefährdungskategorien beider Arten deutlich nach oben korrigiert. Die Stechlin-Maräne wurde von Kategorie 1 (nicht gefährdet) auf Kategorie 5 (vom Aussterben bedroht) hochgestuft. Die Luzin-Maräne stieg von Kategorie 3 (gefährdet) ebenfalls auf die höchste Gefährdungsstufe 5. Diese Einstufung unterstreicht die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen.

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Alarmierende Trends für Europas Süßwasserfische

Die IUCN hat erstmals seit 2011 alle fast 560 Süßwasserfischarten in Europa neu bewertet. Die Ergebnisse sind besorgniserregend: 42 Prozent der Arten werden jetzt in den Kategorien „gefährdet“ bis „vom Aussterben bedroht“ geführt. Im Jahr 2011 lag dieser Anteil noch bei 37 Prozent. Insgesamt sind neun Arten stärker gefährdet, während sich lediglich drei Arten leicht erholt haben.

Dringender Handlungsbedarf zum Erhalt der Artenvielfalt

„Ohne dringende, koordinierte Maßnahmen zur Bekämpfung von Lebensraumverlust, Umweltverschmutzung, invasiven Arten und Klimawandel droht Europa, innerhalb einer Generation einen erheblichen Teil seiner aquatischen Artenvielfalt zu verlieren“, warnt die IUCN in ihrem Bericht. Die Situation der Maränen verdeutlicht, wie lokal begrenzte Populationen durch globale und regionale Umweltprobleme unter Druck geraten können.

Fischer wie Kai Ostermann, der regelmäßig im Breiten und Schmalen Luzin unterwegs ist, beobachten die bedrohten Bestände mit Sorge. Die einzigartigen Maränen-Arten sind nicht nur ein biologisches Erbe Ostdeutschlands, sondern auch Indikatoren für den Gesundheitszustand der Gewässer in der Region. Ihr Schutz erfordert umfassende Anstrengungen von Naturschutzbehörden, Fischereiverbänden und der lokalen Bevölkerung.

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