Detlef Tabbert zieht Bilanz: Vom Verkehrsminister zum Ehrenamt in der Berliner Stadtmission
Tabbert: Vom Minister zum Ehrenamt in der Stadtmission

Abschied vom Ministeramt: Detlef Tabbert zieht persönliche Bilanz

Nach nur eineinhalb Jahren im Amt hat Brandenburgs ehemaliger Verkehrsminister Detlef Tabbert (parteilos) seine Tätigkeit in der Landesregierung beendet. Im ausführlichen Rückblickgespräch mit Benjamin Lassiwe äußert sich der 65-Jährige zufrieden über seine Amtszeit, benennt aber auch klare Grenzen seiner politischen Wege.

Parteipolitische Weichenstellungen und persönliche Konsequenzen

„Aus heutiger Sicht, und mit den Akteuren, die heute im BSW aktiv sind, hätte ich es nicht mehr gemacht“, erklärt Tabbert zu seinem Engagement bei der Partei BSW. Ursprünglich sei er beigetreten, weil das BSW einer konservativen Sozialdemokratie ähnelte, wie man sie aus Dänemark kenne. Doch die Entwicklung der jungen Partei habe sich anders gestaltet als erwartet.

Der entscheidende Punkt für seinen Austritt sei erreicht gewesen, „als die Fraktion vollständig auf Opposition umgeschaltet hat“. Tabbert betont: „Man kann nicht mit dem einen Fuß Regierungsverantwortung für das Land und für die Bürger übernehmen und mit dem zweiten Fuß dann Opposition machen. Und man kann auch nicht gemeinsam mit der AfD abstimmen. Das geht für mich einfach nicht.“

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Verkehrspolitische Erfolge und visionäre Mobilitätskonzepte

Als größten Erfolg seiner Amtszeit nennt Tabbert das erstmals auf den Weg gebrachte Bündnis für Mobilität. „Heute werden im Verkehrsministerium alle Verkehrsträger gleichberechtigt betrachtet – vom Fußgänger über den Radfahrer und Autofahrer bis zum ÖPNV“, so der ehemalige Minister. Er halte dies für ein wichtiges Ergebnis, weil er es falsch finde, Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen.

Das Rückgrat der brandenburgischen Mobilität bleibe der öffentliche Personennahverkehr – vor allem die Bahn. Tabbert vergleicht das Eisenbahnnetz mit den Blutadern im menschlichen Körper: „Wir müssen uns das Eisenbahnnetz wie die Blutadern im menschlichen Körper vorstellen, und es immer als großes Ganzes sehen. Nur wenn alle Verbindungen zusammenspielen, bleibt der Verkehr im Fluss.“

Konkrete Bahnprojekte und regionale Verkehrslösungen

Für die Prignitz hinterlässt Tabbert seinem Nachfolger gesicherte Verkehrsverträge für die RB 73 und RB 74 bis 2028. Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Gesamtkonzept für den Schienenverkehr in der Region angestoßen. „Ich gehe fest davon aus, dass auch die neue Landesregierung und auch die Landesregierung in Mecklenburg dieses Projekt weiter umsetzen“, zeigt sich Tabbert optimistisch.

Besonders am Herzen liegt dem ehemaligen Minister die Umleitungsstrecke des Prignitz-Expresses von Neuruppin nach Löwenberg. „Ich würde mir wünschen, den RE 6 auf der jetzigen Strecke über Löwenberg dauerhaft zu etablieren“, erklärt er. Damit könnte zeitnah ein 30-Minuten-Takt für Neuruppin realisiert werden, was nicht nur der Stadt, sondern einem Großteil des Kreises Oberhavel zugutekäme.

Kritik an der Deutschen Bahn und Sanierungsproblematik

Bei der Generalsanierung der Hamburger Bahn übt Tabbert deutliche Kritik: „Ich finde es nach wie vor erschreckend, wie ein Großkonzern wie die Deutsche Bahn sich hinter dem Winter versteckt hat“. Es könne nicht sein, dass 14 Tage Frost zu sechs Wochen Bauverzug führen. Langfristig sollte die Bahn prüfen, ob Generalsanierungen auch unter rollendem Rad möglich sind. „Denn ganze Regionen so lange vom Verkehr abzuschneiden, ist keine Option“, mahnt der ehemalige Verkehrsminister.

Neue Wege im Ehrenamt: Engagement für sozial Schwache

Mit 66 Jahren geht Tabbert nun in den Ruhestand und plant ein umfangreiches ehrenamtliches Engagement. „Ich will etwas für Menschen tun, die tatsächlich am unteren Ende der sozialen Einkommensskala sind, die in Not geraten sind“, beschreibt er seine Motivation. Konkret wird er sich bei der Berliner Stadtmission engagieren, mit deren Direktor Dr. Cecconi er bereits Gespräche geführt hat.

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In Templin kennt Tabbert die Arbeit der Stadtmission bereits durch das Feriendorf, wo Familien mit geringem Einkommen Urlaub machen können. „Und das finde ich eine dankbare Aufgabe, für die ich mich gern ehrenamtlich engagiere“, so der ehemalige Bürgermeister. Auch beim FC Viktoria Templin wird er sich künftig stärker einbringen, nachdem der Vereinsvorstand ihn angesprochen hat.

Persönliche Zukunft ohne Eisenbahnverein

Obwohl Tabbert der Bahn als Verkehrsträger weiter verbunden bleibt – „mit meinem Deutschlandticket bin ich weiter unterwegs“ – wird er keinem Eisenbahnverein beitreten. Sein Fokus liegt klar auf dem sozialen Engagement und der Unterstützung des lokalen Fußballvereins. Damit schließt sich der Kreis einer politischen Laufbahn, die von pragmatischen Lösungen und menschlicher Zuwendung geprägt war.