Unabhängige Kandidatin triumphiert bei Bürgermeisterwahl in Strausberg
Die parteilose Kandidatin Annette Binder hat am Sonntag die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Strausberg klar für sich entschieden. Die 45-jährige Krankenhausmanagerin erreichte bei einer eher geringen Wahlbeteiligung von lediglich 36 Prozent beeindruckende 60,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit übersprang sie deutlich das erforderliche Quorum von 15 Prozent aller Wahlberechtigten. Ihr Gegenkandidat Patrick Hübner musste sich mit 39,4 Prozent der Stimmen geschlagen geben.
Wochenlanger Streit um verlorene Wahlbriefe und umstrittene Gerichtsentscheidung
Der Weg zur Stichwahl war von erbitterten Auseinandersetzungen und juristischen Konflikten geprägt. In der ersten Runde der Bürgermeisterwahl waren die Wahlbriefe der Briefwahl in einem Postfach der Stadt eingegangen, das sich ausgerechnet in einer von Kandidat Hübner betriebenen Postagentur befand. Daraufhin hatte der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt von der SPD, die gesamte Wahl für ungültig erklärt.
Hübner, der den ersten Wahlgang noch knapp mit 22,5 Prozent vor Binder mit 21,2 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, legte jedoch erfolgreich Beschwerde ein. Das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) urteilte, dass Landrat Schmidt nicht in ein laufendes Wahlverfahren eingreifen dürfe, und ordnete die Durchführung der Stichwahl an. Interessanterweise war Hübner in einzelnen Briefwahlbezirken der ersten Runde auf bis zu 30 Prozent der Stimmen gekommen.
Stichwahl bringt deutliches Ergebnis – doch der Konflikt ist noch nicht beendet
In der entscheidenden Stichwahl zeigte sich dann ein klares Bild: Hübner lag in allen Briefwahllokalen deutlich hinter seiner Kontrahentin Binder zurück. Nach Informationen unserer Redaktion war zudem der Anteil der zurückgesandten Wahlbriefe in dieser Runde deutlich höher als bei der ersten Abstimmung.
Doch trotz des eindeutigen Ergebnisses ist der politische Streit noch lange nicht vorbei. Sowohl die Strausberger Linken als auch Landrat Gernot Schmidt haben bereits im Vorfeld der Stichwahl angekündigt, die Wahl nachträglich anzufechten. Ein entsprechender Wahleinspruch müsste dann von der Stadtverordnetenversammlung entschieden werden.
Die Bürgermeisterwahl in Strausberg hat somit zwar einen vorläufigen Sieger hervorgebracht, aber die politischen Gräben und rechtlichen Auseinandersetzungen werden die Stadtverwaltung und die Bürger wohl noch einige Zeit beschäftigen. Die geringe Wahlbeteiligung von nur 36 Prozent wirft zudem Fragen zur politischen Beteiligung und zum Vertrauen der Bevölkerung in demokratische Prozesse auf.



