Wolf im Jagdrecht: Brandenburg erlaubt leichteren Abschuss - Naturschützer protestieren
Potsdam • Der Wolf ist nun offiziell im Landesjagdrecht von Brandenburg verankert, was künftig deutlich erleichterte Abschüsse ermöglichen soll. Diese kontroverse Entscheidung des Brandenburger Landtags sorgt für heftige Diskussionen zwischen Naturschützern und Jagdverbänden, die unterschiedliche Positionen vertreten.
Naturschützer kritisieren politische Fehlentscheidung
Der BUND Brandenburg äußert scharfe Kritik an der neuen Regelung und bezeichnet sie als eine „zugunsten der Jagdlobby“ getroffene politische Fehlentscheidung. Die Naturschutzorganisation betont, dass durch die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht die Zuständigkeit für den Umgang mit den Tieren nun bei der Jagdbehörde liege und nicht mehr ausschließlich beim Naturschutz. „Der Umgang mit dem Wolf wird dadurch komplizierter, bürokratischer und rechtlich unsicherer“, so die Befürchtung des BUND.
Jagdverband fordert weitergehende Maßnahmen
Der Landesjagdverband Brandenburg begrüßt zwar die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht als Schritt in die richtige Richtung, sieht darin jedoch erst den Anfang notwendiger Maßnahmen. Der Verband verweist auf einen teils dramatischen Rückgang der Wildbestände und fordert, dass es in Zukunft darum gehen müsse, Wölfe auch regulär und rechtssicher abschießen zu dürfen. Brandenburg gilt als eines der Bundesländer mit den meisten Wolfsrudeln in Deutschland, was zu regelmäßigen Konflikten führt.
Hintergrund: Schutz von Weidetieren im Fokus
Der Gesetzesentwurf, dem der Landtag Brandenburg am Mittwoch zugestimmt hat, zielt primär auf den Schutz von Weidetieren ab. Konkret geht es um Situationen, in denen Wölfe Zäune überwinden und Nutztiere wie Schafe oder Ziegen reißen. Trotz der neuen Regelungen bleibt der Wolf weiterhin eine streng geschützte Tierart nach europäischem Recht.
Die Diskussion wirft grundsätzliche Fragen auf: Ist der Schutz des Wolfs oder der Schutz anderer Tiere wichtiger? Diese Debatte spiegelt sich in den konträren Positionen der beteiligten Interessengruppen wider.
Bundesweite Entwicklungen und Managementplan
Auf Bundesebene hatte der Bundestag bereits Anfang März den leichteren Abschuss von Wölfen beschlossen, wobei noch die Zustimmung des Bundesrates aussteht. Mit der geplanten Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz sollen die Bundesländer künftig die Möglichkeit erhalten, die Zahl der Wölfe in Regionen mit hohem Bestand gezielt zu reduzieren, um Weidetiere besser schützen zu können.
Nach Angaben des Agrarministeriums soll ein detaillierter Managementplan die konkreten Voraussetzungen und Abläufe der Wolfsjagd regeln. Dieser Plan wird entscheidend dafür sein, wie die neuen Regelungen in der Praxis umgesetzt werden und ob sie tatsächlich zu einem besseren Schutz der Weidetiere führen können.
Die Situation in Brandenburg bleibt angespannt: Während der Wolf streng geschützt ist, kommt es immer wieder zu Rissen von Nutztieren, was die Diskussion um angemessene Managementmaßnahmen weiter anheizt. Die neue Regelung im Landesjagdrecht markiert einen wichtigen Wendepunkt in dieser anhaltenden Kontroverse.



