Tragödie in Neu Krenzlin: Junge verliert Augenlicht und Hände
Ein schrecklicher Unfall hat das Leben zweier Familien in Neu Krenzlin bei Ludwigslust im Landkreis Ludwigslust-Parchim für immer verändert. Am vergangenen Sonntag spielten ein zehnjähriges Mädchen und ein neunjähriger Junge mit Pyrotechnik, die sie vermutlich im Wald gefunden hatten. Beide Kinder erlitten schwere Verletzungen. Der Junge wurde mit einem Rettungshubschrauber in die Universitätsklinik nach Lübeck geflogen, das Mädchen kam ins Krankenhaus nach Schwerin. Das Mädchen zog sich schwere Brandverletzungen an den Armen zu. Der neunjährige Ben liegt derzeit im künstlichen Koma.
„Ärzte mussten beide Hände amputieren, und er hat sein Augenlicht verloren“, berichtet Chris Hogrefe. Der 37-jährige IT-Spezialist, selbst Vater zweier neunjähriger Mädchen und einer 17-jährigen Pflegetochter, erfuhr durch seine Schwiegermutter von dem Unglück. „Meine Schwiegermutter hat ihr Haus an Bens Mutter vermietet. Sie war von Heidesee in Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen, ist aber wieder zurück, um bei ihren Enkeln zu sein“, erklärt Hogrefe im Gespräch mit unserer Zeitung.
Schock und spontane Hilfe
„Ich war geschockt“, sagt Hogrefe. Nachdem er zunächst darüber nachdachte, wie schlimm die Situation für die alleinerziehende Mutter von vier Kindern sein muss, entschloss er sich spontan zu einer Spendenaktion. „So etwas habe ich noch nie gemacht“, gesteht er. Doch eine frühere Aktion auf GoFundMe, bei der ein Bekannter nach einem Hausbrand Unterstützung erhielt, zeigte ihm, wie groß die Hilfsbereitschaft sein kann. „Die Anteilnahme war damals enorm“, erinnert er sich.
Hogrefe hat bereits mit der Mutter telefoniert. „Sie ist für den Kleinen da. Sie zeigt Stärke, eine starke Persönlichkeit, und der Kleine kämpft. Wir alle hoffen natürlich ...“, sagt er bewegt. Ben war ein begeisterter Angler, wie ein Foto zeigt.
Spendenaktion wächst rasant
Das Spendenkonto füllt sich zusehends. „Gestern Abend lag der Betrag bei 600 Euro, heute Morgen haben wir die 4000 Euro geknackt. Das macht mich sprachlos. Die Familie spürt die Anteilnahme“, freut sich Hogrefe am Mittwochmorgen. Über die Verwendung des Geldes soll die Mutter entscheiden. „Ob für Therapien, eine Auszeit für die Familie – es gibt noch zwei weitere Söhne (4 und 13 Jahre) und eine Tochter (17) – oder für ein Kinderlächeln: Als alleinerziehende Mutter kann sie bei der aktuellen Wirtschaftslage jeden Euro gebrauchen“, betont der Initiator.
Die Mutter von Ben steht vor einer Zukunft voller Angst, Schmerz und unzähliger Herausforderungen. „Neben der emotionalen Belastung wachsen die finanziellen Sorgen enorm. Die Familie muss Kosten für medizinische Versorgung, langfristige Therapien, Rehabilitationsmaßnahmen und spezielle Hilfsmittel stemmen, damit Ben ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen kann. Gleichzeitig muss der Alltag für die Geschwister weitergehen – mit allem, was dazugehört. Ben hat sein ganzes Leben noch vor sich – und wird es doch völlig anders führen müssen, als es je gedacht war. Wir möchten dieser Familie in dieser dunkelsten Zeit beistehen“, heißt es im Spendenaufruf bei GoFundMe.



