Adipositas-Alarm in Mecklenburg-Vorpommern: Über 10.000 Kinder krankhaft übergewichtig
Erschreckende Zahlen aus dem aktuellen Barmer-Kinderatlas zeigen eine besorgniserregende Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern. Immer mehr Kinder und Jugendliche in dem nordöstlichen Bundesland leiden unter krankhaftem Übergewicht, der sogenannten Adipositas. Nach Angaben der Krankenkasse sind mittlerweile mehr als 10.000 Mädchen und Jungen unter 14 Jahren betroffen, was einem Anteil von 5,2 Prozent entspricht.
Dramatischer Anstieg der Adipositas-Diagnosen
Die Entwicklung zeigt einen klaren Aufwärtstrend: Seit dem Jahr 2005 sind die Adipositas-Diagnosen bei Heranwachsenden in Mecklenburg-Vorpommern um alarmierende 36,8 Prozent angestiegen. Damals lag die Rate noch bei vergleichsweise niedrigen 3,8 Prozent. Besonders betroffen sind Teenager im Alter von 13 und 14 Jahren. Im Jahr 2024 waren 9,1 Prozent der Jungen in dieser Altersgruppe fettleibig, bei den gleichaltrigen Mädchen lag der Wert bei 7,1 Prozent.
„Wer im Jugendalter zu dick ist, bleibt es meist auch als Erwachsener. Um langfristige Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, orthopädische Probleme oder auch Depressionen zu vermeiden, sind deshalb ein gesundes Gewicht und ausreichend Bewegung bereits in jungen Jahren wichtig“, betont Barmer-Landesgeschäftsführer Henning Kutzbach mit Nachdruck.
Besondere Berechnungsmethode bei Kindern
Anders als bei Erwachsenen gibt es im Kindes- und Jugendalter keinen festen BMI-Wert, der markiert, ab wann jemand als krankhaft übergewichtig gilt. Dies wird damit begründet, dass sich Körpergewicht und Größe während des Wachstums stark verändern. Daher werden Gleichaltrige als Referenz herangezogen. Kinder gelten demnach als adipös, wenn ihr Body-Mass-Index höher ist als bei 97 Prozent der Gleichaltrigen gleichen Geschlechts.
Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich
Das Problem des Übergewichts beschränkt sich nicht nur auf die junge Generation. Dem Robert-Koch-Institut zufolge sind etwa 60 Prozent der Männer und circa 47 Prozent der Frauen in Deutschland übergewichtig. Fast ein Fünftel der Erwachsenen ist sogar so stark übergewichtig, dass sie als adipös gelten. Mecklenburg-Vorpommern macht hier keine Ausnahme, im Gegenteil: Das Bundesland gehört zu denen mit den meisten krankhaft übergewichtigen Menschen. Laut Gesundheitsatlas Deutschland sind etwa 223.400 Mecklenburger und Vorpommern adipös.
Eltern als Vorbilder und gesamtgesellschaftliche Maßnahmen
Barmer-Landeschef Henning Kutzbach mahnt eindringlich, dass Eltern eine wichtige Vorbildfunktion haben, wenn es darum geht, Adipositas zu verhindern. Gleichzeitig betont er, dass es auch gesamtgesellschaftlicher Maßnahmen bedarf:
- Niedrigschwellige Bewegungsangebote für alle Altersgruppen
- Eine hochwertige Kita- und Schulverpflegung mit ausgewogener Ernährung
- Umfassende Gesundheits- und Ernährungsbildung bereits in jungen Jahren
Diese kombinierten Ansätze könnten dazu beitragen, die besorgniserregende Entwicklung zu stoppen und langfristig die Gesundheit der Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern.



