Besorgniserregender Anstieg: Mehr Mädchen in MV mit Angststörungen in Behandlung
Im Nordosten Deutschlands zeigt sich ein alarmierender Trend: Immer mehr Kinder und Jugendliche, insbesondere Mädchen, werden wegen diagnostizierter Angststörungen behandelt. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der DAK-Krankenkasse hervor, der die Situation in Mecklenburg-Vorpommern beleuchtet.
Dramatische Zahlen: 36 Prozent mehr betroffene Mädchen
Die Daten der Krankenkasse offenbaren eine deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen seit der Corona-Pandemie. Konkret waren im Jahr 2024 72 von 1.000 DAK-versicherten Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren wegen einer Angststörung in ambulanter oder stationärer Behandlung. Dies entspricht einem Anstieg von 36 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Am häufigsten diagnostiziert wurden dabei Phobien und Panikstörungen.
Der Report basiert auf der Auswertung der Abrechnungsdaten von rund 24.200 minderjährigen DAK-Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt sind in dem Bundesland etwa 160.000 Menschen bei der Kasse versichert. Neben Angststörungen wurden auch andere psychische Erkrankungen wie Depressionen und Essstörungen untersucht, die sich weiterhin auf einem besorgniserregend hohen Niveau bewegen.
Experten warnen vor langfristigen Folgen
„Psychische Erkrankungen, insbesondere bei jugendlichen Mädchen, bleiben in MV ein Problem“, betont Andreas Mirwald, der DAK-Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern. Er verweist auf die anhaltenden Krisen unserer Zeit, die es Heranwachsenden zunehmend schwer machten, ihren Platz zu finden. „Die junge Generation muss unterstützt werden, um nicht einen Teil von ihnen zu verlieren“, so Mirwald weiter.
Der Bericht unterstreicht zudem die langfristigen Risiken: „Wer als Kind oder Jugendlicher psychisch erkrankt, ist auch als erwachsene Person psychisch stärker gefährdet als andere“. Diese Erkenntnis macht deutlich, wie dringend präventive Maßnahmen benötigt werden.
Essstörungen: Ein unverändert kritisches Problem
Neben den Angststörungen bereiten auch Essstörungen weiterhin große Sorge. Sven Armbrust, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg, erklärt, dass diese Erkrankungen seit der Pandemie unverändert häufig auftreten und sich bei betroffenen Kindern zunehmend im kritischen Bereich bewegen.
Armbrust fordert einen klaren politischen Rahmen für die Prävention. Konkrete Vorschläge umfassen:
- Täglichen Frühsport in Kindergarten und Schule
- Ein gemeinsames Frühstück in Bildungseinrichtungen
- Die Vermittlung von Freude an Bewegung und vernünftigem Essen
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, bereits im frühen Alter ein gesundes Körperbewusstsein und positive Gewohnheiten zu fördern, um der Entwicklung psychischer Erkrankungen entgegenzuwirken.
Der DAK-Report macht deutlich, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern besondere Aufmerksamkeit und gezielte Unterstützung benötigt. Die steigenden Zahlen bei Angststörungen, insbesondere unter Mädchen, sind ein Weckruf für Politik, Gesellschaft und Gesundheitswesen.



