Bahn-Albtraum: Mega-Sperrung Berlin-Hamburg dauert länger - nächste Baustelle droht in fünf Jahren
Bahn-Albtraum: Mega-Sperrung Berlin-Hamburg dauert länger

Generalsanierung Berlin-Hamburg: Pendler verzweifelt über verlängerte Mega-Sperrung

Schwerin/Berlin • Was für Pendler und Reisende zwischen Berlin und Hamburg bereits jetzt ein Albtraum ist, wird noch schlimmer: Die Generalsanierung der zentralen Bahnstrecke zwischen den beiden Metropolen dauert nicht nur über sechs Wochen länger als geplant – schon in wenigen Jahren rollen die Bagger erneut.

Fünfjährige Verschnaufpause statt langfristiger Ruhe

Die Deutsche Bahn verabreicht die bittere Wahrheit nur tröpfchenweise. Wurde zunächst eine acht- bis neunjährige baufreie Zeit nach Abschluss der Arbeiten versprochen, so „garantiert“ das Staatsunternehmen jetzt lediglich fünf Jahre ohne größere Baustellen auf der fast 300 Kilometer langen Strecke. Das bedeutet: Nach der fast einjährigen Vollsperrung 2025/26 und vorherigen Sperrungen 2024 könnte die Buddelei Anfang der 2030er Jahre direkt von vorne beginnen.

Betroffen sind erneut Pendler und Fahrgäste in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein, die dann wieder monatelange Umleitungen und den nervigen Schienenersatzverkehr ertragen müssen. Der aktuelle Ersatzverkehr erweist sich bei der Vollsperrung bereits als teilweise chaotisch und fehlerhaft.

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ETCS-Einbau zu komplex und teuer

Der Grund für die bereits in fünf Jahren drohende Riesen-Baustelle ist ebenso ärgerlich wie vermeidbar: Weil sich der Einbau des europäischen Zugsicherungssystems ETCS bei der Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim als extrem aufwändig und komplex erwiesen hatte, verzichteten die Bahnmanager zwischen Berlin und Hamburg kurzerhand komplett auf dieses moderne System.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Trotz fast einjähriger Bauzeit zwischen Spree und Elbe gibt es nur eine abgespeckte Sanierung – eine Light-Version der eigentlich notwendigen Modernisierung. Aus internen Bahnkreisen ist zudem zu hören, dass der ETCS-Einbau den Kostenrahmen gesprengt hätte. Bereits jetzt wird mit Gesamtkosten von rund 2,2 Milliarden Euro für die Generalsanierung gerechnet.

Aktuelle Baufortschritte und neue Verzögerungen

Laut Bahn werden aktuell neben 165 Kilometern Gleisen und fast 250 Weichen sechs neue Überleitstellen geschaffen sowie sechs neue Stellwerke gebaut und 19 weitere modernisiert. In den kommenden Wochen stehen noch wichtige Arbeiten an:

  • Endmontage der Leit- und Sicherungstechnik
  • Fertigstellung der Oberleitungen
  • Softwareupdate im Stellwerk Schwerin
  • Umfangreiche Arbeiten an den Bahnhöfen entlang der Strecke

Erst ab dem 14. Juni soll die Strecke wieder komplett befahrbar sein – ursprünglich war der Abschluss der Bauarbeiten bereits für den 30. April geplant gewesen. Diese zusätzliche Verzögerung von über sechs Wochen bedeutet weitere Unannehmlichkeiten für tausende Pendler und Reisende.

Die Entscheidung, auf das moderne ETCS-System zu verzichten, wird sich langfristig als teurer Fehler erweisen. Statt einer nachhaltigen Lösung für die kommenden Jahrzehnte müssen Fahrgäste bereits in fünf Jahren mit der nächsten Mega-Baustelle rechnen – ein frustrierender Kreislauf für alle Beteiligten.

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