Bäckereisterben in MV: Nur noch 132 handwerkliche Backstuben von einst 311 übrig
Bäckereisterben in MV: Nur noch 132 Backstuben übrig

Bäckereisterben in Mecklenburg-Vorpommern: Nur noch 132 handwerkliche Backstuben von einst 311 übrig

Frische Brötchen und duftendes Brot – diese sinnlichen Erlebnisse werden in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend zur Seltenheit. Eine dramatische Entwicklung erfasst das Bäckerhandwerk im Nordosten Deutschlands, wo immer mehr Betriebe vor dem Aus stehen. Große Traditionsunternehmen und kleine Familienbetriebe sind gleichermaßen betroffen, wie die jüngsten Insolvenzen der Bäckerei Deuse und der wirtschaftlich angeschlagenen Mecklenburger Backstuben zeigen.

„Der Geruch frischer Brötchen fehlt“: FDP-Politiker warnt vor Verlust der Alltagskultur

René Domke, ehemaliger Chef der FDP-Fraktion im Landtag und nun Vize-Bürgermeister in Wismar, beschreibt die verheerenden Auswirkungen: „Es gibt Dinge, die man nicht digitalisieren kann. Der Geruch frischer Brötchen am Samstagmorgen gehört dazu.“ Für viele Dörfer und Kleinstädte sei die örtliche Bäckerei die letzte verbliebene Infrastruktur des täglichen Lebens. „Die Schlachter sind weg. Die Schlosser sind weg. Die Buchhandlungen sind weg. Wenn jetzt auch noch die Bäckerei schließt, ist der Ort kein Ort mehr – er ist eine Schlafstätte“, so Domke.

Von 311 auf 132: Ein dramatischer Rückgang in zwei Jahrzehnten

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während im Jahr 2000 noch 311 handwerkliche Bäckereien in Mecklenburg-Vorpommern existierten, sind heute nur noch 132 Betriebe übrig. Domke betont: „Das ist kein Marktversagen. Das ist politisches Versagen.“ Als Hauptgründe nennt er:

  • Hohe Energiekosten und ausufernde Bürokratie
  • Erdrückende Lohnzusatzkosten für Handwerksbetriebe
  • Unfairer Wettbewerb mit Discountern, die Brötchen für 19 Cent anbieten können
Die industrielle Produktion der Discounter stehe im krassen Gegensatz zur handwerklichen Herstellung mit eigenem Personal und Können vor Ort.

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FDP fordert konkrete politische Maßnahmen zur Rettung des Handwerks

Angesichts der dramatischen Situation im Bäckereihandwerk fordert die FDP laut Domke umfassende politische Antworten:

  1. Ein Bürokratie-Moratorium für Handwerksbetriebe
  2. Eine spürbare Senkung der Energiekosten durch Abbau staatlicher Abgaben
  3. Steuerliche Erleichterungen für Betriebsübergaben und Neugründungen im ländlichen Raum
„Wer das Handwerk retten will, muss es endlich von den Fesseln befreien, die ihm die Politik selbst angelegt hat“, macht der FDP-Politiker deutlich. Mecklenburg-Vorpommern kenne die Folgen, wenn Strukturen wegbrechen. „Wir sollten es besser wissen, als tatenlos zuzusehen, wie das nächste Stück Alltagskultur still verschwindet - Ofen für Ofen, Dorf für Dorf.“

Die Entwicklung zeigt, dass das Bäckereisterben in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem darstellt. Der Verlust handwerklicher Bäckereien bedeutet nicht nur weniger Arbeitsplätze, sondern auch den Schwund wichtiger sozialer Treffpunkte und kultureller Identität in ländlichen Regionen.

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