Bürgermeisterkandidat verlässt nach 19 Jahren die CDU: Politische Enttäuschung als Grund
Bürgermeisterkandidat verlässt nach 19 Jahren die CDU

Bürgermeisterkandidat verlässt nach 19 Jahren die CDU: Politische Enttäuschung als Grund

In einem überraschenden Schritt hat Enrico Malow, der langjährige Bürgermeister von Grabowhöfe und aktuelle Kandidat für das Bürgermeisteramt in Teterow, seinen Austritt aus der CDU bekannt gegeben. Nach 19 Jahren Mitgliedschaft wirft der 45-Jährige sein Parteibuch hin und begründet dies mit tiefer politischer Enttäuschung über die Ausrichtung der Union.

Historische Bindung und aktuelle Frustration

Malow, der seit 17 Jahren das Gemeindeoberhaupt in Grabowhöfe stellt und am 1. März bei der Bürgermeisterwahl in Teterow antritt, erklärte seinen Schritt mit der wachsenden Unzufriedenheit über die Bundes- und Landespolitik der CDU. „Die vertritt schon lange nicht mehr die Werte, für die ich vor 19 Jahren eingetreten bin“, so der emotional aufgewühlte Politiker. Ursprünglich sei es die Ära von Helmut Kohl gewesen, die ihn zum Eintritt bewog, später bestärkten ihn die Merkel-Jahre. „Das waren meine Werte. Ich war elf, zwölf Jahre alt zur Wende und habe mich in den Nachwende-Jahren orientiert“, erinnert sich Malow.

Doch im Laufe der Zeit habe die Arbeit innerhalb der Partei immer schwieriger werden lassen, nicht zuletzt aufgrund zwischenmenschlicher Konflikte auf Landkreisebene. In seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Bürgermeister fühlte er sich zunehmend alleingelassen, etwa im Kampf gegen die Deutsche Bahn, die eine Brücke in Louisenfeld abreißen und neu bauen will – ein Projekt, das die Gemeinde über 3 Millionen Euro kosten könnte.

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Kritik an der aktuellen CDU-Führung

Besonders enttäuscht zeigt sich Malow von Bundeskanzler Friedrich Merz. „Keines der vor der Bundestagswahl 2025 abgegebenen Versprechen wurde bislang eingelöst“, kritisiert er. Statt der angekündigten Schuldenbremse seien Milliardenkredite aufgenommen worden, die künftige Generationen belasten werden. Malow wirft der CDU vor, sich nicht mehr um die Bedürfnisse der Menschen zu kümmern, sondern vor allem um bedingungsloses Regieren und die Sicherung eigener Interessen.

Auch in der Frage der sogenannten „Brandmauer“ gegenüber der AfD sieht er einen falschen Weg. Solange die AfD nicht verboten sei, spreche nichts gegen sachliche Zusammenarbeit, so seine Position, die in der CDU auf Widerstand stößt.

Folgen für die Bürgermeisterkandidatur

Für seine Kandidatur in Teterow hat der Parteiaustritt keine direkten Konsequenzen, da Malow als Einzelkandidat antritt – der offizielle CDU-Kandidat ist Matthias Hantel. Dennoch hat seine Bewerbung in Unionskreisen für Unmut gesorgt. „Als ehrenamtlicher Bürgermeister war es immer mein Bestreben, etwas für die Menschen zu erreichen. Und dabei möchte ich menschlich bleiben. Das funktioniert auch ohne Parteizugehörigkeit“, betont Malow.

Sein Kreistagsmandat in der Mecklenburgischen Seenplatte möchte er weiterhin behalten, möglicherweise innerhalb der CDUplus-Fraktion, die auch Mitglieder ohne CDU-Parteibuch umfasst. „Es war meine Entscheidung, dort einzutreten, nun ist es allein meine Sache, dort auch wieder auszutreten“, resümiert er seinen Schritt, den er nicht unnötig dramatisieren will.

Der Paukenschlag kurz vor der Wahl in Teterow unterstreicht die wachsenden Spannungen innerhalb der CDU auf regionaler Ebene und wirft Fragen zur Zukunft der Partei in Mecklenburg-Vorpommern auf.

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