Buckelwal in Ostsee: Warum auf Peilsender verzichtet wird
Der Buckelwal in der Ostsee sorgt weiterhin für Aufsehen, nachdem er sich erneut aus einer gefährlichen Situation befreien konnte. Trotz der Möglichkeit, das Tier mit einem Peilsender zu versehen, haben sich Experten bewusst dagegen entschieden. Dies führt dazu, dass Helfer den Wal immer wieder neu suchen müssen und auf Hinweise von Schaulustigen angewiesen sind.
Erneute Befreiung des Meeressäugers
Aktuell steckt der Buckelwal erneut fest, doch zuvor hatte er sich bereits zweimal befreien können. Nach seiner Strandung vor Timmendorfer Strand in der Nacht zu Freitag gelang es ihm, sich von einer Sandbank zu lösen. Auch am Montag bewegte er sich nach tagelangem Verharren in der Wismarer Bucht wieder in tiefere Gewässer. Beide Male waren Rettungskräfte in unmittelbarer Nähe, darunter der Biologe Robert Marc Lehmann, der den Wal eng betreute.
Zwei Arten von Trackern im Detail
Laut der gemeinnützigen Forschungs- und Bildungsorganisation Cascadia Research Collective existieren zwei gängige Methoden, um Wale mit Peilsendern auszustatten. Für Kurzzeitstudien eignen sich Saugnapfbefestigungen, die nach wenigen Stunden bis Tagen von selbst abfallen. Für Langzeitbeobachtungen über mehrere Monate werden hingegen Sender verwendet, die mit Widerhaken in die Fettschicht des Wals geschossen werden.
Gründe gegen den Einsatz von Peilsendern
Experten haben sich aus mehreren Gründen gegen beide Varianten entschieden. Stephanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung in Büsum erklärte, dass ein Saugnapf-Peilsender aufgrund des schlechten Hautzustands des Buckelwals nicht halten würde. Die invasive Methode mit Widerhaken lehnte Meeresbiologe Robert Marc Lehmann ab. In einem Instagram-Video betonte er, dass solche Sender nicht wie moderne Ortungsgeräte funktionieren und Daten nur unregelmäßig übertragen werden.
Unter dem Video fügte er hinzu: „Und will man einem extrem gestressten Tier zusätzlich einen Haken in den Rücken hauen …? Ich sage nein.“ Diese ethische Bedenken spielen eine zentrale Rolle in der Entscheidung der Fachleute.
Folgen für die Rettungsmission
Ohne Peilsender müssen die Verantwortlichen, darunter auch MV-Umweltminister Till Backhaus, den Wal kontinuierlich mit Ferngläsern suchen. Dies erschwert die Bemühungen, den Buckelwal vor erneuten Strandungen zu schützen und ihn bei der Navigation zurück in die Nordsee zu unterstützen. Die Helfer sind daher auf die Mithilfe der Öffentlichkeit angewiesen, um den Aufenthaltsort des Meeressäugers zu ermitteln.
Die Situation unterstreicht die komplexen Abwägungen zwischen technologischen Möglichkeiten und dem Wohl des Tieres in der modernen Wildtierrettung.



