Eindeutiges Votum für demokratische Entscheidung in Gadebusch
In einer kontroversen Sitzung der Stadtvertretung des Amtes Gadebusch haben die Abgeordneten mit klarer Mehrheit für eine Bürgerbefragung zum geplanten Windkraftprojekt gestimmt. Dreizehn der siebzehn Stadtvertreter sprachen sich für diese demokratische Beteiligungsform aus, die spätestens zur Landtagswahl am 20. September 2026 durchgeführt werden soll.
Historischer Beschluss von 2014 steht auf dem Prüfstand
Die geplante Befragung könnte weitreichende Konsequenzen haben: Möglicherweise wird der Beschluss aus dem Jahr 2014 gekippt, in dem festgelegt wurde, keine weiteren Windparkeignungsgebiete im Stadtgebiet auszuweisen. Dieser Schritt markiert eine bedeutende Wende in der lokalen Energiepolitik und spiegelt die aktuelle gesellschaftliche Debatte wider.
Bürgermeister Arne Schlien betonte die Bedeutung einer rechtssicheren Vorbereitung: „Eine solche Bürgerbefragung muss rechtssicher sein und dem abstimmenden Bürger eine ausführliche Erklärung liefern, worüber er abstimmt.“ Für das Stadtoberhaupt stellt diese Form der direkten Demokratie die höchste Beteiligungsmöglichkeit für die Einwohner dar.
Konkrete Pläne der Wemag AG
Im Zentrum der Diskussion stehen sechs Windkraftanlagen, die von der Wemag AG im Windeignungsgebiet an der Bundesstraße 104 in Richtung Lützow errichtet werden sollen. Die geplanten Standorte liegen praktisch in Sichtweite der Einwohner Wakenstädts, was bei vielen Anwohnern auf Widerstand stößt.
Silke Hansen von der Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen Wind“ äußerte deutliche Bedenken: „Es gibt klare Studien, die belegen, dass Windkrafträder gesundheitsschädlich sind. Wir wollen, dass der Beschluss von 2014 bestehen bleibt.“
Wirtschaftliche Chancen versus lokale Bedenken
Gleichzeitig wurden auf der Sitzung auch wirtschaftliche Argumente für das Projekt vorgebracht. Die Wemag AG hat der Stadt eine Beteiligung von über 50 Prozent angeboten, was nach Angaben von Bürgermeister Schlien eine jährliche Rendite zwischen fünf und sieben Prozent – etwa eine Million Euro – bedeuten könnte.
Zwei konkrete Beteiligungsmodelle stehen zur Diskussion:
- 0,2 Cent pro erzeugte Kilowattstunde Strom (40.000 bis 80.000 Euro jährlich)
- Beteiligung an Planung, Bau und Gewinn von über 50 Prozent
Stadtvertreter Robert Tiedt argumentierte pragmatisch: „Ich werde die Windräder auch direkt vor meiner Nase haben und bin trotzdem dafür. Die Windräder kommen so oder so. Jetzt sind wir allerdings noch in einer guten Verhandlungsposition.“
Vorbildfunktion und zukunftsorientiertes Denken
Bürgermeister Schlien verwies auf das positive Beispiel des Ortes Groß Rünz, wo sich die Gemeinde aktiv an einer Windparkbebauung beteiligt und dadurch zusätzliche Einnahmen generiert. „Ich möchte mir in zehn oder 15 Jahren nicht von den heute jungen Menschen vorwerfen lassen, dass wir nichts für die Stadt getan haben und kein Geld mehr haben. Erneuerbare Energie bleibt das Nonplusultra in der Zukunft“, erklärte das Stadtoberhaupt.
Die Vorbereitung der Bürgerbefragung erfordert nun akribische Arbeit und verursacht Kosten in fünfstelliger Höhe. Die Stadt steht vor der Herausforderung, eine ausgewogene Information für alle Bürger zu erstellen, die sowohl die wirtschaftlichen Chancen als auch die berechtigten Bedenken der Anwohner fair darstellt.



