Tragisches Ende für gestrandeten Buckelwal: Experten geben Rettungsversuche auf
Seit rund einer Woche liegt ein gestrandeter Buckelwal im flachen Ostseewasser vor der Küste von Wismar. Nach intensiven Untersuchungen und mehreren Rettungsversuchen haben Experten nun eine bittere Entscheidung getroffen: Der zwölf Tonnen schwere Meeressäuger wird nicht mehr gerettet werden können und muss seinem Schicksal überlassen werden.
Gesundheitszustand macht Rettung unmöglich
Ein Expertenteam aus Meeresbiologen und Veterinären hat den Zustand des Wals in den letzten Tagen genauestens untersucht. Unterwasseraufnahmen, Drohnenbilder und Tauchgänge lieferten ein klares Bild: Der Buckelwal ist sowohl krank als auch verletzt. Die Haut des Tieres hat durch den zu geringen Salzgehalt der Ostsee stark gelitten und weist bereits erhebliche Schäden auf.
„Wenn wir das Tier anheben, reißt die Haut“, erklärt Expertin Stephanie Groß die Situation. „Wir haben alle möglichen Aktionen geprüft und kamen zu dem Schluss: Das Tier ist nicht transportfähig und könnte sogar eher durch den hohen Stress und die bereits stark beanspruchte Haut plötzlich versterben.“
Katamaran-Rettung nicht mehr möglich
Zuvor hatte es Überlegungen gegeben, den Wal mit einem speziellen Katamaran aus Dänemark zu bergen. Dieses Boot hätte das Tier mit breiten Gurten hochheben und lebend transportieren können. Doch nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaftler ist dieser Plan nicht mehr umsetzbar.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) bestätigte die schwierige Entscheidung: „Es ist ein Wildtier, das in der Natur seinen Prozess jetzt durchlaufen muss - so schrecklich es auch ist.“ Der Minister betonte zudem, dass die Behörden bei den bisherigen Rettungsversuchen alles richtig gemacht hätten.
Verletzungen und ungünstige Bedingungen
Der Wal leidet unter mehreren Problemen:
- Starke Hautschäden durch den geringen Salzgehalt der Ostsee
- Verletzungen, mutmaßlich durch eine Schiffsschraube
- Abdrücke, wahrscheinlich von einem Netz
- Einsinken in den Meeresgrund aufgrund des hohen Gewichts
Obwohl der Wasserpegel in der Bucht nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie wieder gestiegen ist, reicht dieser nicht aus. Für ein selbstständiges Freischwimmen wären laut Experten weitere 60 Zentimeter Wasser nötig.
Sterbeprozess kann sich über Tage hinziehen
Tom Bär vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund erklärt die physiologischen Vorgänge: „Größere Wale erleiden dabei Schäden durch die Kompression insbesondere in der Lunge, da sie normalerweise ihr Körpergewicht nicht tragen müssen, sondern durch das Wasser und Luft in der Lunge Auftrieb haben.“
Die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Organisation Whale and Dolphin Conservation ergänzt: „Bei einem Großwal kann der Sterbeprozess mehrere Tage dauern, während denen der Druck des eigenen Körpergewichts zunehmend die Organe schädigt.“ Dies führe irgendwann zu einem Kreislaufkollaps und Organversagen.
Keine Sterbehilfe möglich
Eine Tötung des Wals wurde von den Experten kategorisch ausgeschlossen. Verschiedene Methoden wie Harpunen, Waffen, Gift oder Sprengladungen wurden geprüft, aber alle verworfen. Umweltminister Backhaus betonte deutlich: „Das sind Maßnahmen, die sind für mich nicht zu akzeptieren.“
Die Kosten der bisherigen Rettungsmaßnahmen können nicht genau beziffert werden. Der Wal hatte sich in den letzten Wochen bereits vier Mal an verschiedenen Ostseeküsten festgesetzt. Backhaus wies darauf hin, dass bereits Unternehmen aufgrund des medialen Drucks von einer möglichen Bergung abgesehen hätten.
Der gestrandete Buckelwal wird nun in den kommenden Tagen bis Wochen im flachen Wasser vor der Insel Poel verenden. Nach seinem Tod wird der Kadaver zunächst aufblähen und Verwesungsgerüche entwickeln. In der freien Natur würden Wale nach ihrem Tod auf den Meeresboden sinken und dort als wichtige Nahrungsressource für viele Arten dienen sowie langfristig Kohlenstoff binden.



