Katastrophenschutz in der Seenplatte: 128 Wärmeinseln und 162 Leuchttürme für den Ernstfall
Katastrophenschutz: Seenplatte richtet 128 Wärmeinseln ein

Katastrophenschutz in der Seenplatte: Netz aus Wärmeinseln und Leuchttürmen

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden umfangreiche Vorkehrungen für den Katastrophenfall getroffen. Insgesamt stehen den Einwohnern nun 128 Wärmeinseln, 162 Katastrophenschutz-Leuchttürme und 46 kombinierte Einrichtungen als Schutz- und Anlaufstationen zur Verfügung. Diese Zahlen gaben Peter Handsche, Leiter des Ordnungsamtes, und Sebastian Buse, Leiter der Brandschutzdienststelle, in einer Sitzung des Kreistagsausschusses für Ordnung, Sicherheit, Brand- und Katastrophenschutz bekannt.

Investitionen und Infrastruktur

Für den Aufbau dieser kritischen Infrastruktur wurden mehr als 5,8 Millionen Euro investiert, was pro Einwohner der Seenplatte etwa 22,59 Euro entspricht. Bei den Wärmeinseln handelt es sich vorwiegend um öffentliche Gebäude wie Gemeindehäuser, Vereinsheime und Schulen, die als Aufwärm- und Aufenthaltsorte dienen. Die Katastrophenschutz-Leuchttürme sind primär die örtlichen Feuerwehren, die flächendeckend mit Notstromaggregaten ausgestattet sind und als Kommunikationszentren im Krisenfall fungieren.

Sebastian Buse erklärte, dass alle Einrichtungen bis Ende des vergangenen Jahres als funktionsbereit gemeldet wurden. Derzeit laufen Gespräche mit den Kommunen, um die Nutzungsfähigkeit zu überprüfen und weiteren Bedarf zu ermitteln. Im Herbst dieses Jahres ist eine flächendeckende Übung geplant, um die Einrichtung der Wärmeinseln und Leuchttürme zu testen. Anschließend soll ein auf Erfahrungswerten basierendes Konzept erarbeitet oder verfeinert werden.

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Anlass und Hintergrund

Der Ausschuss hatte das Thema Blackout-Vorsorge auf die Tagesordnung gesetzt, nachdem ein mutmaßlich linksextremistischer Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Zehlendorf im Januar für Nachfragen sorgte. Parallel dazu beantwortete der Landkreis eine Anfrage der BSW-Fraktion zur Krisenvorsorge. Dabei wurde betont, dass in den vergangenen Jahren durch Fördermittel viel auf materieller Seite erreicht wurde, die personelle Situation jedoch nicht immer zufriedenstellend sei.

Im Landkreis gibt es 183 Feuerwehren mit rund 4800 ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden, unterstützt von vier großen Hilfsorganisationen mit etwa 300 Ehrenamtlichen. Allerdings können diese im Katastrophenfall nicht überall helfen, da die Feuerwehren primär für den Brandschutz zuständig sind. Daher liegt die Verantwortung auch bei den Kommunen, zusätzliches Personal zu schulen und vorzubereiten.

Appell an Eigenvorsorge und Resilienz

Peter Handsche mahnte, dass Notstromaggregate regelmäßig gewartet und genutzt werden müssen. „Wenn es zwei Jahre lang nur rumsteht, muss man sich nicht wundern, wenn es dann nicht mehr anspringt“, so der Ordnungsamtsleiter. Zudem sollten nicht nur Feuerwehrleute, sondern auch andere Einwohner im Umgang mit diesen Geräten geschult sein, um im Ernstfall die Leuchttürme betreiben zu können.

Handsche nutzte die Sitzung, um die Bevölkerung zu mehr Resilienz aufzurufen. Die jüngsten Überschwemmungen nach Tauwetter hätten gezeigt, dass die Erwartungen an den Staat oft überproportional hoch seien, während die Bereitschaft zur eigenen Mitwirkung manchmal geringer ausfalle. Über das Tau-Wochenende wurden die Feuerwehren im Kreis zu rund 300 Einsätzen gerufen, wobei nicht alle Fälle – wie ein Ast auf der Straße oder eine Überschwemmung im Garten – notwendigerweise einen Feuerwehreinsatz erforderten.

Weitere Herausforderungen

Sebastian Buse wies darauf hin, dass Regularien und Gesetze, etwa im Datenschutz, die Informationsbeschaffung erschweren. So können beispielsweise von Krankenkassen keine Auskünfte zu Personen mit besonderem Schutzbedarf eingeholt werden. Daher steht der Landkreis im Kontakt mit Verbänden wie dem Kreisseniorenbeirat oder Behindertenvertretungen, um einen besseren Überblick zu erhalten.

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Für die Katastrophenschutz-Leuchttürme ist in diesem Jahr noch eine Testübung geplant, um Erfahrungen in die Konzepte einfließen zu lassen. Regelmäßige Tests und Untersuchungen sollen zudem mögliche Fehler und Schwachstellen ausschließen. Der Landkreis hat in den vergangenen Jahren hohe Investitionen in die technische Ausstattung getätigt, um Personal nicht durch veraltete Technik abzuschrecken. Gleichzeitig betonte Handsche, dass es eine gesellschaftliche Aufgabe sei, sich ehrenamtlich in Feuerwehren und Hilfsorganisationen zu engagieren.