Lebensgefahr auf zugefrorenen Seen: DRK-Experte warnt eindringlich vor Eisrisiken
Lebensgefahr auf zugefrorenen Seen: DRK-Experte warnt

Lebensgefahr auf zugefrorenen Seen: DRK-Experte warnt eindringlich vor Eisrisiken

Noch immer locken die zugefrorenen Seen in Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Spaziergänger auf das Eis. Doch die vermeintlich idyllische Winterlandschaft birgt erhebliche Gefahren, die nicht unterschätzt werden sollten. Michael Neumann, Leiter der DRK-Wasserwacht Mecklenburgische Seenplatte, macht in einem ausführlichen Interview deutlich, worauf es im Ernstfall ankommt und wann vom Betreten der Eisflächen dringend abzuraten ist.

Die trügerische Sicherheit dünner Eisdecken

„Es besteht definitiv Lebensgefahr“, betont Neumann mit Nachdruck. Der erfahrene Rettungsschwimmer, der seit 1992 beim Deutschen Roten Kreuz tätig ist, erklärt: „Wenn man sich aufs Eis bewegt, kann man nicht eindeutig sehen, wie dick das Eis ist. Darum würde ich jedem davon abraten, aufs Eis zu gehen.“ Besonders kritisch sei die Leichtgläubigkeit vieler Menschen. „Wenn Sie einen einzigen Menschen auf dem Eis sehen, dann denken alle Leute, das Eis ist sicher – das ist natürlich ein Trugschluss“, warnt der Experte.

Neumann unterscheidet zwischen verschiedenen Gewässertypen: Bei stehenden Gewässern friere das Eis zwar schneller zu und werde dicker, während Fließgewässer grundsätzlich gefährlicher seien. Bisher musste der Rettungsschwimmer zwar noch keine eingebrochene Person selbst aus dem eisigen Wasser retten, doch er hat an zahlreichen Eisrettungsübungen teilgenommen und kennt die Risiken genau.

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Was tun, wenn das Eis knackt und bricht?

Falls man sich dennoch aufs Eis wagt und plötzlich Knackgeräusche hört oder Risse im Eis bemerkt, gibt Neumann klare Handlungsanweisungen: „Man sollte auf jeden Fall versuchen, sich flach hinzulegen aufs Eis, weil man schon zu schwer ist für die Eisdecke. Dann muss man das Gewicht auf die ganze Fläche vom Körper verteilen und langsam wieder zurück zum Ufer robben.“ Dies sei der einzige Weg, um sicher vom Eis zu kommen, wenn es kurz vorm Einbrechen steht.

Der Experte erklärt auch, dass bestimmte Geräusche auf dem Eis natürlich sein können: „Wasser dehnt sich aus, wenn es gefriert. Auch wenn wir schon Eis drauf haben, wird sie bei Kälte immer dicker. Dabei kommt es zu Rissen und Eisplatten können sich übereinanderschieben.“ Diese Geräusche sollten jedoch nicht mit Warnzeichen verwechselt werden.

Richtiges Verhalten im Ernstfall

Wenn man beobachtet, wie eine andere Person ins Eis einbricht, lautet die erste Regel: sofort den Notruf 112 wählen. „Wir sollten definitiv nicht selbst aufs Eis gehen und uns nicht selbst in Gefahr bringen“, mahnt Neumann. Stattdessen könne man, wenn sich der Unfall in Ufernähe ereignet, dem Eingebrochenen Gegenstände reichen, um ihm beim Herauskommen zu helfen.

Falls man selbst ins Eis einbricht, ist die wichtigste Maßnahme: „Man sollte darauf achten, dass man nicht unter das Eis gerät. In dem Augenblick, wo man ins Wasser reinfällt, sollte man die Arme ausbreiten.“ Wenn man noch stehen kann, solle man versuchen, das Eis zu brechen oder sich wieder auf die Eisdecke zu schieben, um dann schnellstmöglich an Land zu gelangen.

Die sicherste Alternative

„Das Sicherste ist natürlich, wenn man gar nicht aufs Eis geht“, resümiert Neumann. Wer dennoch nicht auf das Eisvergnügen verzichten möchte, sollte sich an freigegebene Eisflächen oder künstlich hergestellte Eisflächen halten. Diese bieten eine kontrollierte und deutlich sicherere Umgebung für winterliche Aktivitäten.

Die klaren Ratschläge des DRK-Experten unterstreichen, dass Vorsicht und Respekt vor den Naturgewalten im Winter unerlässlich sind. Ein unbedachter Schritt auf zu dünnes Eis kann innerhalb von Sekunden zu einer lebensbedrohlichen Situation führen, die nur durch richtiges Verhalten und schnelle Hilfe bewältigt werden kann.

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