Linken-Parteitag in Rostock: Spitzenkandidaten erhalten nur mäßige Zustimmung
Linken-Parteitag: Spitzenkandidaten mit schwachen Ergebnissen

Durchwachsene Ergebnisse beim Landesparteitag der Linken in Rostock

Die Bildungsministerin Simone Oldenburg (56) aus Gägelow wurde beim Landesparteitag der Linken in Mecklenburg-Vorpommern mit lediglich 69,3 Prozent der Stimmen zur Spitzenkandidatin für die anstehende Landtagswahl gewählt. Dieser Wert fällt deutlich schwächer aus als bei der letzten Wahl im Jahr 2021, als Oldenburg noch über 93 Prozent Zustimmung erhalten hatte. Trotz des mäßigen Ergebnisses zeigte sich die Politikerin kämpferisch und reckte auf der Bühne in Rostock die Arme in die Luft.

Kritik an Bundeswehr-Milliarden belastet Oldenburg

Innerhalb der Partei wird Oldenburg noch immer ihre Zustimmung zum Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr übelgenommen. „Die Linke ist nun einmal eine Friedenspartei“, erklärte ein Parteimitglied. Ein anderes Mitglied kritisierte, dass das Thema Krieg in Oldenburgs Rede keine Rolle gespielt habe. Der Rostocker Politologe Dr. Jan Müller kommentierte das Wahlergebnis mit den Worten: „Dies ist nicht das vollste Vertrauen.“

Oldenburg selbst reagierte gelassen auf das Ergebnis und bezeichnete es als „ein ehrliches Ergebnis in einer pluralistischen Partei“. In ihrer Rede griff sie scharf die AfD und CDU an. „Die Höckes nagen sich durch unsere Gesellschaft“, sagte sie. „Sie wollen unsere Demokratie ihrem faschistischen Handeln opfern. Wir setzen unseren Antifaschismus dagegen.“ Bundeskanzler Friedrich Merz nannte sie „Friedrich den Ungehobelten“, der ständig Menschen beleidige.

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Hennis Herbst schneidet etwas besser ab

Der Landesvorsitzende Hennis Herbst (29) aus Greifswald erhielt mit 74,6 Prozent der Stimmen ein etwas besseres Ergebnis als Oldenburg. In seiner kämpferischen Rede skizzierte er die zentralen Themen des Wahlkampfs. Herbst beschrieb die Linke als „Kümmererpartei“, die sich um die Sorgen der Menschen kümmere. Er griff die AfD scharf an und warf ihr „Vetternwirtschaft und Menschenfeindlichkeit“ vor.

Seit der Bundestagswahl habe die Linke in Mecklenburg-Vorpommern viele neue Mitglieder gewonnen und zähle aktuell rund 3500 Mitglieder. Herbst betonte: „Man wolle sich weiter mit den Reichen und Mächtigen anlegen.“

Weitere Kandidaten mit gemischten Ergebnissen

Die amtierende Justizministerin Jacqueline Bernhardt (46) aus Ludwigslust-Parchim erhielt nur 67 Prozent Zustimmung. Sie forderte einen intensiveren Kampf gegen häusliche Gewalt an Frauen, bessere Gleichstellung und Initiativen gegen steigende Mieten. Bernhardt erklärte: „Wohnrecht muss endlich Grundrecht sein.“

Christian Albrecht (37) aus Rostock hielt eine feurige Rede zu Problemen wie der Kriegsgefahr und explodierenden Preisen. Er erhielt knapp 70 Prozent der Stimmen. Die umstrittene Wenke Brüdgam, die nach einem Flaggen-Eklat zurückgetreten war, sprach von massivem „digitalen Hass aus dem rechten Spektrum“ und erhielt überraschend 82 Prozent Zustimmung sowie stehende Ovationen.

Offene Fragen zur künftigen Regierungsbildung

Für die Linken geht es bei der Landtagswahl um eine „echte Richtungsentscheidung“, wie Bundesparteichef Jan van Aken per Video betonte. Vermutlich werde Manuela Schwesig (SPD) wieder Ministerpräsidentin, doch entscheidend sei der Koalitionspartner. Die Frage, ob eine Koalition mit der CDU möglich wäre, wichen Oldenburg und Herbst aus. Die MV-CDU hatte eine solche Koalition zuletzt ausgeschlossen.

Jüngsten Umfragen zufolge kann die Linke mit mehr als zehn Prozent der Wählerstimmen rechnen. Als Hauptgegner im Wahlkampf wird immer wieder die AfD genannt. Michael Noetzel, Innenexperte der Partei, warf der AfD vor, nur auf „Rache und reiche Beute“ aus zu sein. Van Aken wiederholte das Ziel eines AfD-Verbotsverfahrens: „Nazis bekämpft man nicht mit warmen Worten.“

Eine amüsante Randnotiz: Das Auto von Landeschef Hennis Herbst wurde am Morgen des Parteitages abgeschleppt. Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger entschuldigte sich scherzhaft: „Ich möchte mich im Namen der Stadt entschuldigen. Aber es ist ja für die Stadtkasse.“

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