Loitzer Gewerbegebiet: Abrechnung nach 30 Jahren endlich abgeschlossen
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem ersten Spatenstich ist für das Loitzer Gewerbegebiet im Nordosten der Stadt jetzt eine entscheidende finanzielle Aufrechnung vollständig abgeschlossen. Diese Entwicklung steht in direktem Zusammenhang mit dem Platzen zahlreicher Träume und Hoffnungen, die unmittelbar nach dem Ende der DDR gehegt wurden. Sollten die Loitzer in ihrem Gewerbegebiet am nordöstlichen Ortsrand künftig größere Flächen veräußern können, müssen sie für mögliche Rückzahlungen an das Land Mecklenburg-Vorpommern keine Gedanken mehr verschwenden. Denn Land und Kleinstadt haben für das gesamte Areal nun sozusagen reinen Tisch gemacht.
Die großen Hoffnungen der Nachwendezeit
Hintergrund dieser Entwicklung ist der Umstand, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern der Kommune Loitz in den 1990er-Jahren finanziell kräftig unter die Arme griff, um dieses Gebiet umfassend zu planen und zu erschließen. Wie an vielen anderen Stellen im Osten Deutschlands hofften die Verantwortlichen auch hier nach der politischen Wende auf die viel zitierten und versprochenen blühenden Landschaften. Konkret erwarteten sie die Ansiedlung von zahlreichen neuen Gewerbebetrieben und eine entsprechend prosperierende wirtschaftliche Entwicklung für die gesamte Region.
Die lokale Verwaltung und Politik legten sich bereits kurz nach der deutschen Wiedervereinigung mächtig ins Zeug, um möglichst schnell passende Gewerbeflächen anbieten zu können. Zwischen Peene- und Schwingetal zauberten sie mit dem Bebauungsplan Nummer 1 „An der Walkmühle“ eines der größten Gewerbegebiete der gesamten Region hervor. Der Geltungsbereich dieses Plans umfasst beeindruckende 50 Hektar und schließt unter anderem auch den städtischen Sportplatz mit ein.
Ambitionierte Pläne und ernüchternde Realität
Alleine die sich durch das Areal windende Ringstraße, die nach der Partnergemeinde Hiddenhausen in Nordrhein-Westfalen benannt wurde, bringt es auf rund 2,5 Kilometer Länge und schließt mehr als 20 Hektar ein. Diese Straße wird flankiert von einem gepflasterten Gehweg, mehreren Parknischen und modernen Straßenlaternen. Genehmigt worden und in Kraft getreten ist die erste Fassung dieses Bebauungsplans bereits im Jahr 1993. Damals verfolgte man sogar die konkrete Intention, neben Produktionsbetrieben und Autohäusern auch Niederlassungen von großen Möbelhäusern sowie Bau- und Gartencentern den Weg zu ebnen.
Die meisten dieser ambitionierten Hoffnungen erfüllten sich jedoch nicht, wie Bauamtsleiter René Hassenstein im Gespräch mit dem Nordkurier erläuterte. Ähnlich wie an vielen anderen Orten spottete der Volksmund bald über sogenannte beleuchtete Kuhweiden. Selbst nachdem die Kommune dort ihr neues Klärwerk errichten ließ und sich mit der Fleisch- und Wurstwarenfirma Reggentin ein tatsächlich ziemlich großer Betrieb niederließ, blieb die erhoffte dynamische Entwicklung aus. Dieser Betrieb ist inzwischen pleite gegangen, und mehr als eine Elektrofirma und ein Werbeunternehmen kamen in dem gesamten Rund nicht hinzu.
Die entscheidende Verwendungsnachweisprüfung
Weil das Land Mecklenburg-Vorpommern die Stadt Loitz einst finanziell unterstützte, war nach Ablauf der dreißigjährigen Bindungsfrist eine sogenannte Verwendungsnachweisprüfung durch das Landesförderinstitut (LFI) zwingend erforderlich. Bei dieser Prüfung wurden sämtliche Ausgaben und Einnahmen des Gewerbegebietsprojekts detailliert gegenübergestellt und analysiert. Verbunden war dieses Verfahren mit der klaren Maßgabe, dass die Stadt bei lukrativen Grundstücksveräußerungen, die ihre ursprünglichen Investitionen aufwogen, anteilig Fördermittel zurückzahlen müsste.
Allerdings konnte das Landesförderinstitut im konkreten Fall Loitz keine derartige positive Differenz erkennen und hat entsprechend auch keine Rückzahlungen geltend gemacht, wie der Mann aus dem Rathaus ausführte. „Dieses Verfahren ist jetzt vollständig abgeschlossen“, erklärte Hassenstein mit Nachdruck. Was in der Praxis bedeutet, dass sich diese finanzielle Frage komplett erledigt hat. Und falls der Kommune doch noch ein großer Wurf mit dem Gewerbegebiet „An der Walkmühle“ gelingen sollte, sind Nachforderungen vom Land definitiv kein Thema mehr.
Aktuelle Nutzung und zukünftige Perspektiven
Nach wie vor sind ein Großteil der Flächen an der Hiddenhausener Straße unbebaut. Abgesehen von zahlreichen Photovoltaik-Modulen, die inzwischen installiert wurden, hat die Stadt einen Teil des Areals den Loitzer Oldtimerfreunden für ihre beliebten Veranstaltungen mit historischen Fahrzeugen überlassen. Richtig Leben kehrt ins Loitzer Gewerbegebiet eigentlich immer nur dann ein, wenn dort Veranstaltungen wie das traditionelle Oldtimertreffen stattfinden. Denn die Zahl der dauerhaft angesiedelten Betriebe bleibt weiterhin überschaubar.
Die nun abgeschlossene Abrechnung bedeutet für die Stadt Loitz eine wichtige planerische und finanzielle Sicherheit. Sollten sich in Zukunft doch noch Unternehmen für Ansiedlungen in dem Gewerbegebiet interessieren, muss die Kommune keine Rückzahlungsverpflichtungen mehr befürchten. Damit endet ein Kapitel städtischer Entwicklung, das vor mehr als drei Jahrzehnten mit großen Hoffnungen begann und nun mit einer überraschend positiven finanziellen Bilanz abgeschlossen werden konnte.



