Barockjuwel in Mecklenburg: Millionenprojekt rettet historisches Gutshaus Groß Salitz
In Groß Salitz bei Gadebusch erwacht ein bedeutendes Stück mecklenburgischer Geschichte zu neuem Leben. Das barocke Gutshaus aus dem Jahr 1685 wird durch ein umfassendes Sanierungsprojekt vor dem endgültigen Verfall bewahrt. Am 27. Februar 2026 überreicht Jürgen Hansen, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), einen symbolischen Fördervertrag über 205.000 Euro an die Eigentümerin Susanne Sohayegh.
Historisches Erbe wird bewahrt
Das Gutshaus Groß Salitz zählt zu den ältesten Fachwerk-Gutshäusern der Region und gilt als seltenes Beispiel barocker Landbaukunst. Erbaut im Jahr 1685, stand es über Jahrhunderte im Besitz der Adelsfamilie von Lützow, die bereits seit dem 14. Jahrhundert in Groß Salitz ansässig war. Die Familie erlangte nationale Bekanntheit durch Ludwig von Lützow, der als Freikorpsführer in den Befreiungskriegen Berühmtheit erlangte.
Die architektonischen Besonderheiten des Herrenhauses beeindrucken durch die zweigeschossige Fachwerkarchitektur mit vorkragendem Obergeschoss und hohem Walmdach. Ein markanter halbrunder Eckturm verbindet zwei Gebäudeteile, während wuchtige Tonnengewölbe im Untergeschoss an noch ältere Bauphasen erinnern.
Wechselvolle Geschichte des Anwesens
Nach dem Zweiten Weltkrieg durchlebte das Gutshaus verschiedene Nutzungsphasen. Es diente als Typhus-Krankenhaus, Schule, Kindergarten, Konsum und LPG-Stützpunkt. Während der DDR-Zeit entwickelte es sich zum zentralen Treffpunkt des Dorflebens, doch nach der Wende setzte der allmähliche Verfall ein.
Erst mit dem Engagement von Susanne Sohayegh und ihrem Mann Thomas Möller begann die Rettung des historischen Bauwerks. Das Paar erwarb das heruntergekommene Anwesen im Jahr 2018 und startete umgehend mit akribischen Entrümpelungsarbeiten sowie ersten Sicherungsmaßnahmen.
Umfangreiche Sanierungsarbeiten
Die nun anstehenden Arbeiten konzentrieren sich auf die Westfassade, eine der letzten unsanierten Außenwände des Gebäudes. Nach Abschluss dieser Maßnahmen soll die Sanierung des Daches folgen. Die Fördermittel stammen aus verschiedenen Quellen: Spenden, Beiträgen der Gerlind & Ernst Denert-Stiftung sowie Erträgen der GlücksSpirale.
Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist das Haus kein unbekanntes Objekt – bereits seit 2021 wird das Ensemble kontinuierlich gefördert. Insgesamt zählt es zu mehr als 660 Denkmälern in Mecklenburg-Vorpommern, die durch die Stiftung erhalten werden konnten.
Zukunftspläne für das historische Anwesen
Susanne Sohayegh plant, das Gebäude künftig als Wohn- und Kulturort zu öffnen. Bereits während der Bauphase fanden erfolgreiche Veranstaltungen wie Konzerte und Denkmaltage mit mehreren hundert Besuchern statt. Die Sanierung der Ost- und Südfassaden ist bereits abgeschlossen, nun folgt die Westseite.
Der historische Park, der einst als Müllhalde diente, wird nach historischem Vorbild aus dem 18. Jahrhundert wiederhergestellt. Die ursprüngliche Gliederung in Nutz- und Repräsentationsbereiche bleibt dabei erkennbar.
Fachliche Unterstützung und Authentizitätsnachweis
Neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützen private Zustifter und weitere Stiftungen den Wiederaufbau des Baujuwels. Restauratoren, Bauhistoriker und Ingenieure arbeiten eng zusammen, um die originale Substanz bestmöglich zu sichern.
Eine dendrochronologische Untersuchung konnte die verwendeten Hölzer präzise auf das Baujahr 1685 datieren – ein wertvoller Beleg für die Authentizität des historischen Bauwerks. Die Investitionen in das Gutshaus haben sich mittlerweile auf einen siebenstelligen Betrag summiert.
Vision für die Zukunft
Die Eigentümerin bleibt trotz der enormen Herausforderungen optimistisch: „Wir wollen zeigen, dass Denkmalschutz kein Luxus, sondern lebendige Kulturpflege ist.“ Wenn die Bauarbeiten voraussichtlich 2030 abgeschlossen sind, soll das einst verfallene Herrenhaus wieder als Mittelpunkt des Dorfes erstrahlen.
Das Ziel ist klar definiert: Das Gutshaus soll Schritt für Schritt zu einem Ort der Begegnung werden, an dem Geschichte, Musik und Handwerk zusammentreffen. Groß Salitz, einst Stammsitz alten Adels, wird so erneut zu einem Ort mit Zukunft – ein Symbol dafür, dass aus Ruinen neue Geschichten entstehen können.



