Umfrage in MV: Mehrheit befürwortet Rückkehr zu russischem Gas und Öl trotz politischer Kontroversen
Mehrheit in MV für russisches Gas und Öl trotz Kontroversen

Umfrageergebnis: Jeder Zweite in MV für Rückkehr zu russischen Energielieferungen

Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere im Auftrag des Nordkurier zeigt ein klares Meinungsbild in Mecklenburg-Vorpommern: 50 Prozent der befragten Wahlberechtigten sprechen sich dafür aus, wieder Gas und Öl aus Russland zu beziehen. Dem stehen 34 Prozent der Befragten gegenüber, die diese Lösung ablehnen. 14 Prozent gaben an, keine Meinung zu haben oder machten keine Angabe.

Die Umfrage wurde zwischen dem 6. und 16. März 2026 durchgeführt und basiert auf den Antworten von 1000 wahlberechtigten Personen aus dem nordöstlichen Bundesland. Die Ergebnisse fallen in eine Zeit, in der viele Verbraucher unter explodierenden Spritpreisen leiden und teilweise in finanzielle Not geraten.

Historische Abhängigkeiten und aktuelle Debatten

Jahrelang pflegten Wirtschaft und Politik in Mecklenburg-Vorpommern enge Beziehungen zu Partnern in Russland. Selbst nach der völkerrechtswidrigen Besetzung der Krim durch Russland im Jahr 2014 und den darauf folgenden EU-Sanktionen blieben diese Kontakte auf hohem Niveau bestehen. Die damalige SPD/CDU-Landesregierung unter Ministerpräsident Erwin Sellering etablierte einen viel kritisierten Russlandtag und unterstützte massiv den Bau der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2.

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Erst der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022 führte zu einem grundlegenden Wandel in den Beziehungen. Die aktuelle Umfrage wirft nun die Frage auf, ob eine Rückkehr zu den alten Energiequellen denkbar ist.

Wirtschaftsvertreter fordern politische Lösungen

„Die Umfrage zeigt vor allem eines: Viele Menschen sorgen sich angesichts der hohen Energiepreise um ihre wirtschaftliche Situation“, erklärt Karsten Trunk, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Diese Sorge sei verständlich, da auch die Landwirtschaft durch steigende Preise stark belastet werde. Trunk fordert von der Politik Lösungen, die wirtschaftliche Stabilität sichern und gleichzeitig den internationalen politischen Rahmen berücksichtigen.

Lars Schwarz von der Vereinigung der Unternehmensverbände MV warnt jedoch vor falschen Hoffnungen: „Dass die Energiepreise mit russischem Öl und Gas wieder sinken, ist aus unserer Sicht absolut nicht nachgewiesen.“ Klar sei hingegen, dass damit Putins Krieg gegen die Ukraine direkt unterstützt würde. Schwarz fordert vom Bund gezielte Maßnahmen zur Entlastung der Unternehmen.

Parteipolitische Gräben bei der Energiepolitik

Die Zustimmung oder Ablehnung zu russischen Energielieferungen hängt laut der Umfrage deutlich von der parteipolitischen Präferenz der Befragten ab:

  • AfD-Anhänger: 80 Prozent für Gas und Öl aus Russland
  • BSW-Anhänger: 79 Prozent für russische Energielieferungen
  • Grünen-Wähler: 83 Prozent gegen eine solche Lösung
  • FDP-Anhänger: 72 Prozent lehnen russisches Gas und Öl ab
  • Linke-Wähler: 55 Prozent sprechen sich dagegen aus
  • SPD-Anhänger: 31 Prozent dafür, 47 Prozent dagegen

Kontroverse politische Positionen

Die AfD reagiert entsprechend ihrer Wählerbasis: „Wir haben in der Vergangenheit wiederholt gefordert, die Abnahme russischen Gases zu erwägen. Wir sehen dies als Verhandlungsmasse für den Abschluss eines Friedensvertrages mit Russland im Ukraine-Krieg“, erklärt AfD-Landessprecher Enrico Schult. Seine Partei plädiere daher für die Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines und den Bezug von russischem Öl über das PCK Schwedt.

Ganz anders positionieren sich die Grünen. Claudia Müller, Spitzenkandidatin zur Landtagswahl, lehnt Gas und Öl aus Russland entschieden ab: „Wir würden Russlands Kriegskasse füllen und damit den Angriffskrieg in der Ukraine unterstützen und verlängern, die Energiewende unterlaufen und somit den gleichen Fehler aus der Vergangenheit wiederholen.“

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SPD-Generalsekretär Julian Barlen betont: „Der Druck auf Bürger und Wirtschaft sei wegen Abhängigkeiten Deutschlands groß. Die müssen wir abbauen. Daran arbeiten wir.“ Er spricht sich klar gegen russische Energieträger aus: „Deutschland und Europa dürfen sich weder von Putin noch von Trump abhängig machen.“