BILD-Reporter Til Biermann besucht gestrandeten Ostsee-Wal Timmy bei Nacht
Mitternachtsbesuch beim gestrandeten Wal Timmy in der Ostsee

Mitternachtsbesuch beim gestrandeten Wal Timmy in der Ostsee

Kirchdorf (Mecklenburg-Vorpommern) – Es ist kurz vor Mitternacht, 23.50 Uhr, als BILD-Reporter Til Biermann sich auf den Weg zum gestrandeten Wal Timmy macht. Die Insel Poel liegt in tiefem Schlaf, nur zwei Polizisten in einem Streifenwagen bewachen den finsteren Feldweg, der zu dem verletzten Tier führt. Als Journalist erhält Biermann die Erlaubnis, vorbei zu gehen und den Wal zu besuchen.

Einsame Begegnung in der Dunkelheit

Die Beamten haben die Aufgabe, Schaulustige davon abzuhalten, dem gestrandeten Wal zu nahe zu kommen. Unter ihnen war auch ein sogenannter „Schamane“, den Biermann zuvor in einem Insel-Restaurant getroffen hatte. Dieser behauptete, er könne dem Riesensäuger durch Handauflegen neue Kraft geben, damit er den 700 Kilometer entfernten Atlantik erreichen könne. In dem schwarzen Wasser der Ostsee liegt Timmy, dessen grauer Rücken im schlechten Licht nicht zu erkennen ist. Doch seine Laute sind deutlich vernehmbar.

Ein österreichischer Experimental-Musiker hatte dem Reporter am Tag zuvor eine Aufnahme aus der vergangenen Nacht gezeigt, in der der Wal zu hören war. Die Geräusche klangen wie ein Weinen, und angeblich macht Timmy dies die ganze Nacht über. Biermann läuft hinunter Richtung Wasser und erblickt einen knallgelben Vollmond, der sich im Wasser spiegelt. Irgendwo in der Finsternis liegt der Wal, und außer ihnen ist niemand anwesend.

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Tiefe und klagende Laute in der Nacht

Plötzlich hört Biermann ein leises, aber tiefes Brummen, das an einen alten Dieselmotor erinnert. Doch dort ist nur Wasser – es ist das Tier, das diese Geräusche von sich gibt. Mal leiser, mal lauter ruft Timmy immer wieder, und es klingt wie ein klägliches Stöhnen. Tagsüber bleibt der Wal still, vermutlich aufgrund des Stresses durch die Strandung. Doch nachts, so scheint es, ruft er vergeblich nach seinen Artgenossen.

Es ist erstaunlich, wie viel Kraft er noch hat, nachdem er vor fast einer Woche erstmals gestrandet ist. Die tiefen, bassigen Laute sind so intensiv, dass man sie wie einen tiefen Bass spüren kann. Nach etwa einer Stunde macht sich Biermann wieder auf den Weg nach oben, und da lässt Timmy noch zwei sehr laute Klagelaute ertönen. Der Reporter ertappt sich bei dem Gedanken, dass der Wal vielleicht auf ihn reagiert, und merkt, dass er beginnt, Timmy zu vermenschlichen.

Diese nächtliche Begegnung hinterlässt einen bleibenden Eindruck und unterstreicht die Notlage des gestrandeten Wals in der Ostsee.

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