Mecklenburg-Vorpommern setzt auf inklusiven Angelsport
An der Recknitz bei Marlow zeigt sich bereits heute, wie Angeln für alle möglich wird: Menschen jeden Alters, darunter Rollstuhlfahrer wie der zehnjährige Thore Hunsemann und Familien mit Kinderwagen, genießen dort das gemeinsame Angelvergnügen. Doch solche barrierefreien Zugänge sind bisher noch die Ausnahme in Mecklenburg-Vorpommern. Das soll sich nun grundlegend ändern.
Projektstart mit sieben neuen Angelplätzen
Am 1. April startet der Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern das ambitionierte Projekt „Angeln für alle“ – und das ist, wie Projektinitiatorin Ramona Kern betont, kein Aprilscherz. „Wie der Name schon sagt, geht es darum, dass alle Menschen angeln können, die das möchten“, erklärt Kern. Der Verband plant innerhalb der dreijährigen Projektlaufzeit mindestens sieben zusätzliche barrierefreie Angelplätze zu errichten, die bestehenden fünf Standorte damit deutlich auszubauen.
Erste konkrete Planungen laufen bereits: In Demmin am Badekanal entsteht ein neuer barrierefreier Angelplatz, und auch Schwerin hat Interesse angemeldet. „Wir suchen nun nach dem richtigen Standort“, so Kern. Der Angelverein in Loitz in Vorpommern hat ebenfalls sein Interesse bekundet, was die regionale Verteilung der neuen Angebote unterstreicht.
350.000 Euro Fördermittel für mehr Teilhabe
Das Projekt wird mit 350.000 Euro aus der Fischereiabgabe des Landes Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Diese Mittel fließen in vier zentrale Säulen:
- Barrierefreie Angelplätze und Abbau räumlicher Zugangsbarrieren
- Barrierefreier Online-Auftritt des Verbandes
- Netzwerk barrierefreies Angeln mit Informations-Plattform
- Betreuung und Beratung von Vereinen zum Thema barrierefreie Angelplätze
„Viele Angelfreunde benötigen einen sicheren Angelplatz. ‚Angeln für alle‘ berücksichtigt all diese Gruppen“, betont Kern. Das Angebot richtet sich explizit an eine breite Zielgruppe: Menschen, die sicher stehen müssen, Sehbehinderte, Kinder, kleine Erwachsene, Eltern mit Kinderwagen sowie Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator.
Touristische Bedeutung und gesellschaftliche Wirkung
Aus touristischer Sicht ist das Projekt von besonderer Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern. „Das ist aus touristischer Sicht auch sehr, sehr bedeutsam. Mecklenburg-Vorpommern ist ein Touristikland für Angler. Es ist natürlich super, dass wir jetzt auch Menschen mit Behinderung einladen können, Angeln zu gehen“, erklärt Kern. Neben der touristischen Attraktivität setzt der Landesanglerverband damit ein sichtbares Zeichen für gesellschaftliche Teilhabe.
Bereits bestehende barrierefreie Angelplätze gibt es am Wockernsee in Parchim, an der Recknitz an der Straße nach Semlow und am Inselkanal in Güstrow. Diese Standorte zeigen bereits heute, wie erfolgreich die Integration verschiedener Nutzergruppen gelingen kann. Stefanie Hunsemann, Mutter des zehnjährigen Thore, weiß die vorhandenen Angebote zu schätzen: „Das Problem ist die Zuwegung, weil man nicht immer mit einem Rollstuhl über einen geeigneten Weg an die Angelstelle gelangt. Glücklicherweise gibt es bereits Orte wie an der Recknitz.“
Neben den baulichen Maßnahmen plant der Verband auch, Fischereischeinprüfungen und Lehrgänge für Menschen mit Lernschwierigkeiten einfacher zu gestalten. Damit wird das Projekt „Angeln für alle“ zu einem umfassenden Konzept für mehr Inklusion im Angelsport Mecklenburg-Vorpommerns.



