Disqualifikation macht Neubrandenburger Tony Eberhardt zum Mr. Mecklenburg-Vorpommern
Neubrandenburger wird nachträglich zum Mr. MV gekürt

Nachträgliche Titelvergabe: Neubrandenburger wird Mr. Mecklenburg-Vorpommern

Eine unerwartete Wendung bei der Schönheitswahl Mr. Mecklenburg-Vorpommern 2017: Tony Eberhardt aus Neubrandenburg wurde im Nachhinein zum Gewinner gekürt, nachdem der ursprüngliche Sieger Denny Kambs disqualifiziert wurde. Der 22-Jährige aus der Viertorestadt darf nun den prestigeträchtigen Titel tragen und bereitet sich auf das Bundesfinale vor.

Regelverstoß führt zur Disqualifikation

Eigentlich hatte der gebürtige Neustrelitzer Denny Kambs die Wahl in einem Schweriner Club für sich entschieden. Doch ein Verstoß gegen die aktuellen Teilnahmebedingungen führte zu seiner nachträglichen Disqualifikation. Karim Ghadhab von der Miss Germany Corporation erklärt: „Es handelt sich um eine Satzungsänderung, die Anfang des Jahres vorgenommen wurde. Kambs hatte für seine Bewerbung ein altes Formular verwendet, in dem die Bedingung, dass Bewerber kinderlos sein müssen, noch nicht aufgeführt war.“

Obwohl Kambs in einem späteren Formular angegeben hatte, Vater einer vierjährigen Tochter zu sein, wurde dies zunächst übersehen. „Dieser Fehler fällt in die Kategorie ‚dumm gelaufen‘“, so Ghadhab weiter. „Auch wenn wir Denny den Titel gönnen – wir müssen gemäß der Satzung handeln. Ansonsten könnten auch andere Bewerber auf Ausnahmen pochen.“

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Zwei konträre Reaktionen auf die Entscheidung

Der 29-jährige Profi-Stand-Up-Paddler Denny Kambs, der sich derzeit im Trainingslager auf Fuerteventura befindet, zeigt sich verärgert über die Entwicklung. „Ich hatte mich schon sehr auf die Mister Germany-Wahl gefreut und nun so was. Ich möchte davon nichts mehr hören“, erklärt der enttäuschte Sportler.

Ganz anders reagiert Tony Eberhardt, der derzeit einen Bundesfreiwilligendienst im Sprachheilpädagogischen Förderzentrum Neubrandenburg absolviert. „Ich war gerade auf einem Lehrgang in Barth, als ich informiert wurde“, berichtet der 22-Jährige. „Ich habe keinen Moment gezögert, den Titel anzunehmen. Auch wenn es mir für den Konkurrenten leid tut – ich habe ja keinen Anteil an seiner Disqualifikation. Die Regeln setzt der Veranstalter. Warum sollte ich diese Chance nicht ergreifen?“

Erfahrung und Engagement des neuen Titelträgers

Für Tony Eberhardt ist dies bereits der zweite bedeutende Titel. Vor knapp einem Jahr gewann er die Wahl zum „Mister Gay Germany“ und wurde zum attraktivsten schwulen Mann Deutschlands gekürt. Der Neubrandenburger punktete dabei nicht nur mit seinem Aussehen, sondern auch mit seiner Persönlichkeit und seinem sozialen Engagement.

Eberhardt hat persönliche Erfahrungen mit Ausgrenzung gemacht: Seit seinem zweiten Lebensjahr ist er aufgrund einer Innenohrentzündung hörgeschädigt und musste schon als Kind mit Spötteleien umgehen. Nach seinem Bekenntnis zur Homosexualität kamen homophobe Beleidigungen hinzu. Als Mr. Gay Germany setzte er sich daher aktiv für Gleichberechtigung und den Abbau von Vorurteilen ein.

Bildung und sportliche Ambitionen

Trotz seiner Verpflichtungen als Titelträger schaffte Tony Eberhardt im vergangenen Sommer an einer Berliner Spezialschule für Hörgeschädigte sein Abitur mit einem Durchschnitt von 2,5. Langfristig plant er ein Lehramtsstudium, zunächst kehrte er jedoch für seinen Bundesfreiwilligendienst an die Sprachheilschule Neubrandenburg zurück.

Der begeisterte Handballer, der beim SV Stavenhagen trainiert, verfügt über umfangreiche Bühnenerfahrung. Seit 2012 ist er als Model aktiv:

  • Foto-Shootings in Oslo
  • Mehrfache Auftritte bei der Fashion Week Berlin
  • Regelmäßige Präsentationen beim längsten Laufsteg Boulevard XXL in seiner Heimatstadt

Für den Titelgewinn beim Bundesfinale am 10. Dezember in Linstow würde der 22-Jährige jedoch jeden Modeljob eintauschen: „Auf dem Laufsteg ist man zumeist nur ein beweglicher Kleiderständer, als Mr. Germany aber auch eine Persönlichkeit“, betont Eberhardt und macht deutlich, dass es ihm um mehr als reine Schönheit geht.

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Vorbereitung auf das Bundesfinale

Tony Eberhardt muss nun zunächst Urlaub beantragen, um am Bundesfinale und der Wahl zum Mr. Germany 2017 teilnehmen zu können. Mit seiner Erfahrung und seinem Engagement blickt er optimistisch auf die Herausforderung. Die unerwartete Titelvergabe hat dem Neubrandenburger eine zweite Chance eröffnet, die er entschlossen nutzen möchte.