Psychopharmaka-Vergiftungen dominieren Beratungsanfragen in Mecklenburg-Vorpommern
Das Gemeinsame Giftinformationszentrum (GGIZ) mit Sitz in Erfurt verzeichnet in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren eine besorgniserregende Entwicklung: Antipsychotika stehen an erster Stelle der Beratungsanrufe bei Vergiftungsfällen. Die Leiterin des Zentrums bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass im vergangenen Jahr insbesondere der missbräuchliche Gebrauch des Neuroleptikums Quetiapin zu den häufigsten Anfragen bei Erwachsenen führte.
Statistische Auswertung der letzten drei Jahre
Die Zahlen des GGIZ zeigen ein klares Bild der Vergiftungsursachen in der Region. Zwischen 2023 und 2025 gab es insgesamt 112 Beratungen zu Quetiapin, wobei die Anrufe im Vergleich zum Vorjahr um 14 auf 36 gesunken sind. Weitere häufige Ursachen für Vergiftungsberatungen waren:
- Ibuprofen mit 94 Beratungsfällen
- Entkalker für Haushaltsgeräte mit 62 Anrufen
- Das Neuroleptikum Promethazin ebenfalls mit 62 Anfragen
- Das Antiepileptikum Pregabalin mit 61 Beratungen
Vergiftungen durch Gemüse und Gemüseprodukte spielen mit lediglich 48 Beratungen in diesem Zeitraum eine deutlich geringere Rolle.
Besondere Gefahren für Kinder und Jugendliche
Bei Minderjährigen zeigt sich ein anderes Bild: Hier führt der missbräuchliche Gebrauch von Ibuprofen die Statistik an. Besonders alarmierend ist jedoch die Häufigkeit von Vergiftungen mit Haushaltsprodukten. WC-Steine, Waschmittel, Geschirrreiniger, Entkalker, Flüssigseifen und Shampoos stellen für Kinder und Jugendliche erhebliche Risiken dar. Die natürliche Neugier und das Probierverhalten von Kleinkindern machen sie im häuslichen Umfeld besonders verwundbar.
Steigende Beratungszahlen im Langzeitvergleich
Die Gesamtzahl der Beratungsanfragen beim GGIZ für Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht. Waren es 2015 noch 1.740 Beratungen, so stieg die Zahl bis 2025 auf etwa 2.835 Anfragen an. Die Hälfte aller Beratungen betrifft Vergiftungen oder Vergiftungsverdacht im Kindes- oder Jugendalter, was die besondere Bedeutung präventiver Maßnahmen unterstreicht.
Regionale Unterschiede bei Lachgas-Vergiftungen
Ein interessanter regionaler Unterschied zeigt sich beim Thema Lachgas: Während in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahren keine Anfragen zu Lachgas-Vergiftungen registriert wurden, ist die Substanz in anderen norddeutschen Bundesländern zu einer riskanten Freizeitdroge geworden. Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen, zuständig für Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, verzeichnete 2025 zwar einen Rückgang der Beratungen um 15 auf insgesamt 33 Fälle, doch bleibt die missbräuchliche Inhalation über Luftballons als euphorisierende Partydroge bei Jugendlichen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko.
Zuständigkeit und Schwerpunkte des GGIZ
Das Gemeinsame Giftinformationszentrum in Erfurt ist für die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verantwortlich. Die Statistiken zeigen deutlich, dass der überwiegende Teil der Vergiftungen sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen im häuslichen Umfeld und der unmittelbaren Wohnumgebung stattfindet. Diese Erkenntnis unterstreicht die Notwendigkeit, Aufklärungsarbeit direkt in den Haushalten zu leisten und gefährliche Substanzen kindersicher aufzubewahren.



