Rekordjahr im Straßenbau: MV investiert massiv in Verkehrsnetz
Mit dem Frühlingsbeginn startet in Mecklenburg-Vorpommern die größte Straßenbausaison der letzten Jahre. Für Pendler, Reisende und Anwohner bedeutet dies: Auf zahlreichen Strecken im gesamten Bundesland sind 2026 erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen zu erwarten. Grund dafür sind mehr als 300 Bauprojekte, die an den Bundes- und Landesstraßen des nordöstlichen Flächenlandes umgesetzt werden sollen.
Historische Investitionssumme für Infrastruktur
Verkehrsminister Wolfgang Blank (parteilos) präsentierte in Schwerin einen beeindruckenden Straßenbaukalender für das laufende Jahr. Insgesamt 263 Millionen Euro fließen 2026 in den Ausbau, die Sanierung und den Neubau des Straßennetzes – das sind mehr als 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. „Damit setzen wir ein deutliches Signal für eine leistungsfähige Infrastruktur“, betonte Blank bei der Vorstellung der Pläne. Der Bund steuert 182 Millionen Euro bei, das Land Mecklenburg-Vorpommern weitere 80 Millionen Euro.
Schwerpunkte der Bauaktivitäten
Die Straßenbauverwaltungen haben ihre Prioritäten klar gesetzt. Besonders westlich der Autobahn 19 konzentrieren sich die Aktivitäten: Mehr als 60 größere Projekte sollen dort begonnen werden. Zu den bedeutendsten Vorhaben gehören:
- Die Sanierung der Brücke über die Müritz-Elde-Wasserstraße an der Bundesstraße 103 in Plau, wo eine Behelfsbrücke errichtet wird
- Die Erneuerung der Straßendecke auf dem B191-Abschnitt zwischen Parchim und Rom ab März
- Die umfassende Sanierung der stark frequentierten Ortsdurchfahrt Warlow an der Landesstraße 07 für 4,5 Millionen Euro
- Der Neubau eines Radwegs zwischen Cambs und Brahlstorf an der Bundesstraße 104
Neubrandenburg und Rügen im Fokus
In der Region Neubrandenburg stehen knapp 50 neue Bauprojekte an. Besonders bemerkenswert ist der lang ersehnte Neubau der Oberbachbrücke an der B104, der im Sommer beginnen soll. Die 3,8 Millionen Euro teure Maßnahme wird bis Mitte 2027 andauern und den Verkehr in Richtung Zentrum vorübergehend auf zwei Fahrstreifen beschränken. Parallel wird die Ortsdurchfahrt Watzkendorf an der L34 für knapp drei Millionen Euro umgebaut.
Auf der Insel Rügen werden allein sechs Baustellen eingerichtet, während entlang der Landesstraße 131 die Ortsdurchfahrt Bützow ausgebaut wird. Insgesamt fließen etwa 18 Millionen Euro in den Radwegebau im gesamten Land.
Drei Großprojekte mit Signalwirkung
Ein besonderer Investitionsschwerpunkt liegt auf drei bedeutenden Neubauprojekten: den Ortsumgehungen Wolgast, Mirow und Dargun. Knapp zwei Drittel der Gesamtinvestitionen sind für diese Vorhaben vorgesehen. Verkehrsminister Blank begründet die Priorisierung damit, dass diese Umfahrungen „den städtischen Verkehr spürbar entlasten und attraktive Verkehrswege schaffen“ würden.
Besonders spektakulär: Die Ortsumgehung Wolgast an der Bundesstraße 111. Dort entsteht ab dem ersten Halbjahr 2026 die größte Ziegelgurtbrücke Europas – 1,4 Kilometer lang, 42 Meter hoch und auf 55 Meter langen Bohrpfählen gegründet. Straßenbauamtschef René Firgt spricht von einem „Ingenieurleistung mit Vorbildcharakter“.
Erhaltung bleibt zentrale Aufgabe
Trotz der ambitionierten Neubauprojekte bleibt die Erhaltung der bestehenden Infrastruktur ein Kernanliegen. Mehr als 80 Millionen Euro werden 2026 in die Instandsetzung von Bundes- und Landesstraßen investiert. „Nach den milliardenschweren Neubauinvestitionen der letzten 30 Jahre bleibt der Erhalt des bestehenden Netzes unser Schwerpunkt“, erklärt Firgt. Dabei werde eng mit allen Beteiligten abgestimmt, um die Auswirkungen auf den Verkehrsfluss zu minimieren.
Lernen aus vergangenen Fehlern
Die Erfahrungen des Vorjahres, als parallel begonnene Straßenbau- und Bahnprojekte insbesondere auf Pendlerstrecken nach Hamburg für massive Behinderungen sorgten, haben zu konkreten Verbesserungen geführt. Zwischen Bahn, Kreisen, Land und Bund wurde ein einheitlicher Informationskanal für Ad-hoc-Baustellen eingerichtet. Zudem wurde vereinbart, dass während des Schienenersatzverkehrs auf der Hamburg-Bahnstrecke keine weiteren planmäßigen Bauprojekte auf den Straßen starten sollen.
Eine verbesserte Baustellenkarte des Landes soll zusätzlich für Transparenz sorgen und insbesondere in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg einen besseren Überblick über aktuelle Maßnahmen ermöglichen.
Positive Bilanz der bisherigen Investitionen
Die massive Investitionsoffensive der letzten Jahre zeigt bereits Wirkung: Knapp zwei Milliarden Euro haben Bund und Land in den vergangenen Jahren in das Straßennetz Mecklenburg-Vorpommerns gesteckt. Eine Standortanalyse des Arbeitgeberverbandes Nordmetall und des Allgemeinen Verbandes der Wirtschaft Norddeutschlands (AGV Nord) belegt den Erfolg: Fast 90 Prozent der Unternehmen in der Metall- und Elektrobranche bewerten die Straßeninfrastruktur inzwischen als befriedigend bis gut, bei Brücken und Tunnel sind es immerhin 80 Prozent.
Verkehrsminister Blank verteidigt die hohen Ausgaben mit dem Hinweis auf die besondere Bedeutung des Straßennetzes in einem Flächenland: „Straßen sind für die Mobilität unserer Einwohner von existenzieller Bedeutung – sowohl im Alltag als auch für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region.“



